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Evangelischer Märtyrer aus Greifswald

Greifswald Evangelischer Märtyrer aus Greifswald

Otto Koehler war 1918 bis 1946 Pfarrer an St. Nikolai und kam in einem sowjetischen Speziallager um

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Otto Koehler mit einer seiner Enkelinnen. Fotos (2): Sammlung Ellen Lanz

Greifswald. Ellen Lanz war noch keine vier Jahre all, als ihr Großvater, der Pastor Otto Koehler, verhaftet wurde. Das war am 4. Januar 1946 im Pfarrhaus von St.

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Otto Koehler war 1918 bis 1946 Pfarrer an St. Nikolai und kam in einem sowjetischen Speziallager um

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Ich konnte ihn im April 1946 noch einmal im Gefängnis in der Domstraße besuchen.“Ellen Lanz, Enkelin

Nikolai in der Domstraße. Aber ihr Opa, seine liebevolle Art, ist unvergessen. Ellen Lanz erzählt mit Wärme vom unermüdlichen Einsatz des Seelsorgers für seine Gemeinde. Heiligabend hätte sie ihn erst nach 22 Uhr gesehen, erzählt die Pastorin im Ruhestand. Denn nach dem Gottesdienst in der Nikolaikirche besuchte Otto Koehler erst noch das Armenhospital St. Spiritus, um mit den „Geschwistern von der Landstraße“ Weihnachten zu feiern, nennt sie ein Beispiel.

Der Pfarrer kam nach seiner Verhaftung durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD zunächst in das Greifswalder Gefängnis Domstraße 7. „Meine Schwestern und ich sind Anfang April dorthin gegangen“, erzählt Ellen Lanz. „Wir durften unseren Opa sogar besuchen.“ Damals hat Ellen Lang Otto Koehler zum letzten Mal gesehen.

Der 63-Jährige wurde Ende April per Viehwaggon mit vielen anderen von Greifswald nach Torgau in das Speziallager 10 des NKWD gebracht, hat Rainer Neumann herausgefunden. Der Superintendent im Ruhestand befasste sich intensiv mit Koehlers Biographie. 2006 schrieb Neumann eine Kurzbiographie für das Buch „,Ihr Ende schaut an....’ Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts“.

In Torgau starb Otto Koehler am 24. Dezember 1946 an Dystrophie (allgemeiner Erschöpfung). Neumann hat das von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten erfahren. Dort werden die Unterlagen des sowjetischen Geheimdienstes verwahrt. Der Familie wurde 1946 nichts über den Tod des Pastors mitgeteilt. Koehlers Witwe erfuhr erst durch Heimkehrer vom Tod ihres Mannes. Demnach hatte Otto Koehler vom Lagerkommandanten die Erlaubnis für einen Gottesdienst erhalten. Dafür sollten die Türen der Zellen geöffnet werden. Kurz vorher verstarb Otto Koehler.

1950 wurde der Gemeindekirchenrat von St. Nikolai über den Tod informiert. Eine amtliche Bekanntmachung gab es nicht.

„Wir haben bis dahin für seine baldige Rückkehr gebetet“, erzählt Ellen Lanz. Sie lebt jetzt in Kassel, ist aber der alten Heimat auf vielfältige Weise verbunden. Am Sonntag erfüllte ihr Dompfarrer Matthias Gürtler einen großen Wunsch. Ellen Lanz durfte auf der Kanzel predigen, auf der ihr Großvater 1918 bis 1946 stand. Für den Dompfarrer ist das ein Stück Wiedergutmachung, auch weil Otto Koehler viele Jahre nicht in der Liste der Pfarrer von St. Nikolai in der Sakristei aufgeführt wurde. Erst nach 1990 erfolgte das auf Betreiben der Familie.

Was genau Otto Koehler vom NKWD vorgeworfen wurde, bleibt trotz intensiver Recherchen Rainer Neumanns unklar. Laut der Stiftung Sächsische Gedenkstätten wurde er wegen „Einfalls bewaffneter Banden“

in die UdSSR zu zehn Jahren Haft verurteilt. Womöglich wurde er mit einem Otto Köhler verwechselt, meínt Neumann. Auch eine damals durchaus übliche Denunziation oder seine Freundschaft mit dem amtierenden Greifswalder Rektor Ernst Lohmeyer, der 1946 ebenfalls verhaftet wurde, könnten ihm zum Verhängnis geworden sein.

Koehler war ein konservativ gesinnter Mann, der vor 1933 für die Kirchenbeilage der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) tätig war. 1939/40 kämpfte der Offizier des Ersten Weltkrieges noch einmal in der Wehrmacht. „Er wäre am liebsten Soldat geworden“, sagt Ellen Lang.

Das Konsistorium bescheinigte Otto Koehler 1950 großes Engagement in der Seelsorge und in der Kirchenverwaltung. Rainer Neumann schlug 2006 zum 60. Todestag die Anbringung einer Gedenktafel am Pfarrhaus vor. Zum 70. Todestag bleibt die Idee aktuell.

Im Pfarrwitwenhaus

1949 musste Otto Koehlers Frau Christiane aus dem Pfarrhaus in der Domstraße ausziehen. Sie hatte hier mietfrei gewohnt.

Die Familie lebte nun im Pfarrwitwenhaus Domstraße 52/Ecke Lutherstraße. Nach der Erinnerungen von Ellen Lanz waren die Räume im Erdgeschoss Richtung Domstraße kalt und feucht. Sie weiß noch von vielen Nacktschnecken an den Wänden. Später zog Christiane Koehler in das Obergeschoss. Sie war vermutlich die letzte Pfarrerswitwe, die in dem Gebäude wohnte. 1958 zog Christiane Koehler dann zu ihrer Tochter nach Hessen.

Eckhard Oberdörfer

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