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Grimmen Finanziell wird es eng – der Kirchenkreis ist gefordert
Vorpommern Grimmen Finanziell wird es eng – der Kirchenkreis ist gefordert
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00:27 18.04.2018
Bischof Hans-Jürgen Abromeit (Mitte) besuchte gestern unter anderem die Kirche und den ehemaligen Pfarrhof in Stoltenhagen. FOTOS (2): ALMUT JAEKEL

„Die Kirchengemeinden werden mit ihren Kosten allein gelassen. Das geht auf Dauer nicht“, sagte gestern Landesmusikdirektor Frank Dittmer, der mit Bischof Hans-Jürgen Abromeit, Pastor Uwe Hein, verantwortlich für die Gemeindeentwicklung und Pastor Carsten Brall, Referent des Bischofs, die Grimmener Kirchengemeinde besuchte. Vorausgegangen waren Informationen des Grimmener Pfarrers Wolfgang Schmidt und seiner Mitarbeiterinnen.

„Wir haben keine finanziellen Spielräume, das ist ein großes Problem“, hatte Schmidt gesagt. Wenn am Jahresende Mitarbeiterin Renate Albrecht altersbedingt ausscheide, die einen Minijob innehat, wisse er nicht, wie anfallende Küstertätigkeiten erledigt werden sollen. Gemeindehelferin Andrea Mietzner könne das nicht übernehmen. Schmidt: „Sie hat seit sechs Jahren eine kleine Stelle mit 7,8 Wochenstunden und arbeitet wesentlich mehr, um für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen, Veranstaltungen vorzubereiten, dienstags Büroarbeiten zu erledigen und für Kirche und Friedhof in Stoltenhagen da zu sein. „Und zu Hause bäckt sie Kuchen für unsere Veranstaltungen“, sagt Schmidt.

Wünschenswert wäre es, so Dittmer, wenn das solidarische Prinzip besser greife und der Kirchenkreis anteilig Personalkosten übernehme, damit dringend notwendige Aufgaben auch erledigt werden könnten. Dieses Problem gebe es nicht nur in Grimmen, sondern sei auch aus anderen Gemeinden bekannt. Dabei gebe es Steigerungen bei Spenden, Kirchengeldzahlungen, Kollekten, aber die Personalkosten seien einfach sehr hoch, betonte Schmidt. Zumal Kredite abzuzahlen seien, mit denen ein Sanierungsstau behoben wurde. Notwendige Rücklagen zu bilden für künftige Investitionen oder fürs Personal sei nicht möglich.

Ehrenamtler finden und junge Familien einbeziehen – auch wenn sie keine Kirchenmitglieder sind – sind nur zwei der Herausforderungen, vor denen Schmidt die Gemeinde sieht. Zugezogen sind einige Kirchenmitglieder in den vergangenen Jahren. 625 neue Grimmener gab es beispielsweise 2015 und damit sogar 80 neue Mitglieder. „Aber die meisten kommen nach Grimmen, um hier altersgerecht zu leben“, sagt Schmidt. „Familien fehlen.“ 60,6 Jahre ist der derzeitige Altersdurchschnitt der knapp 1067 Grimmener Mitglieder der evangelischen Kirche.

Einen weiteren Punkt hält Schmidt für alarmierend: Auch von den Kirchenmitgliedern würden sich immer weniger kirchlich bestatten lassen. Bei Taufen, Konfirmationen sehe es ähnlich aus. „2017 habe ich bei 13 potenziellen Konfirmanden persönlich zu Hause nachgefragt, konfirmiert wurde von ihnen keiner“, sagt Schmidt.

Dabei gibt es in der Gemeinde eine rege Kinder- und Jugendarbeit, für die Diakonin Claudia Seitz verantwortlich ist. Von der Krabbelgruppe über Angebote für Schüler bis zu Krippenspielen, Martinsfesten, Ferienveranstaltungen reichen die Angebote. „Aber es ist schwierig, die Familien einzubinden“, sagt auch sie, mit 17 Jahren Erfahrung in Grimmen.

Positiver sieht es Kantorin Sophia Blümel, seit acht Jahren in der Gemeinde beschäftigt. Sie hat ein Flötenensemble und einen Projektchor aufgebaut, Sommerkonzerte etabliert und Traditionen wie das Adventskonzert weitergeführt. Kirchenmitglieder sind ihre Mitstreiter dabei aber keineswegs alle.

Statistisches

1067 Mitglieder zählt die Kirchengemeinde Grimmen. Vor zehn Jahren waren es knapp 200 mehr.

Grund für den Rückgang sind nicht in erster Linie Austritte: 9 waren es im Jahr 2017, aber 25 Gemeindeglieder sind im vorigen Jahr verstorben.

53 Kirchenmitglieder sind 2015 aus dem Stadtgebiet weggezogen , insgesamt 526 Grimmener. Zugezogen sind im gleichen Zeitraum 80 eingetragene Christen der evangelischen Kirche (625 Einwohner). Allerdings sind das vor allem ältere und keine Familien mit Kindern.

Almut Jaekel

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