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Frau Doktor steht gern hinterm Tresen

Neuendorf Frau Doktor steht gern hinterm Tresen

Marion Quaas ist seit zehn Jahren Vorsitzende des Neuendorfer Dorfvereins. Die promovierte Chemikerin liebt ihren „Freizeitjob“.

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Dr. Marion Quaas ist seit zehn Jahren Vereinsvorsitzende.

Quelle: Christine Drabsch

Neuendorf. Sie wird es selbst nicht so bezeichnen wollen, aber 2013 ist für Marion Quaas ein Jahr der Jubiläen. Seit zehn Jahren ist sie Vorsitzende des Neuendorfer Dorfvereins, wurde erst vor 14 Tagen  in dieser Funktion wiedergewählt. Und sie feiert einen runden Geburtstag, ihren  40.

Die schlanke Frau mit Kurzhaarschnitt  übernahm im Jahr 2003 die Nachfolge als Vereinschefin von ihrem „Lieblingsonkel“ (so sagt sie es selbst)  Udo Mau.  Nicht so ganz freiwillig, wie sie sich erinnert. „Ich wurde damals gefragt, ob ich nicht Mitglied im Verein werden möchte und habe mich immer damit herausgeredet, dass auf dem Antragsformular keine Spalte für meinen Titel ist“, sagt sie schmunzelnd. Deshalb wurde ihr später ein anderes Formular gereicht, in das die studierte Chemikerin dann auch ihren Doktortitel eintragen konnte.   Aller Argumente beraubt wurde  sie also Mitglied im Verein — und  recht bald in den Vorstand und als Vorsitzende gewählt.

 Heute ist sie froh darüber. Ihr gefalle das Familiäre in diesem Verein, der Zusammenhalt. „Man weiß, wofür man alles macht“, versichert sie. Der Anfang sei so schwer nicht gewesen, findet sie.

„Die Gösselstuv gab es schon, und das Fest der Sommersonnenwende, das jährlich gefeiert wird, hatte bereits Tradition.“ Der Verein betrieb  damals den Jugendklub, erinnert sie sich. Es habe ja auch noch mehr Jugendliche als heute gegeben. „Wir hatten eine tolle Klubleitung mit Frau Abs oder Frau Gladrow. Klar hatten wir damals schon eine Menge Anträge auszufüllen, aber es war alles doch etwas einfacher.“

2008 wurde zum Schicksalsjahr für den Verein. „Die Gösselstuv wurde damals von einem Gastronomen betrieben, der vor Jahresende kurzfristig den Vertrag aufkündigte. Wir standen vor der Alternative:

schließen oder selbst übernehmen“, weiß sie noch. „ Es war nicht viel Zeit zum Überlegen, denn wir wussten, dass am 4. Januar wieder die Skatbrüder vor der Tür stehen. Und eine Oma wollte ihren 80.

Geburtstag bei uns feiern.“  Kapitulieren ist aber nicht die Sache von Marion Quaas. „Es  musste schnell  eine Gaststättengenehmigung her, ich besuchte  einen IHK-Lehrgang, und wir  machten  das Gesundheitszeugnis. Es mussten auch Geschirr  und Gläser gekauft werden, denn wir  hatten ja nichts“, erzählt sie.  „2008 war echt üppig“, fügt  sie trocken hinzu. Letzlich hat alles gut funktioniert, weil es solche Mitstreiter wie Gudrun Müns gab, sagt Marion Quaas. „Sie hatte einen Draht zu den Leuten“, fügt sie anerkennend hinzu. Die Vereinsarbeit ging weiter — und wie. In den Jahren 2009 und 2010 erhielt der Verein dank des Lichtpunkte-Projektes der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung viel Geld und konnte Sportanlagen, unter anderem für Volleyball und Basketball,  hinter der Gössel-

stuv bauen. „Wir mussten vorher viele Anträge ausfüllen, aber es hat sich gelohnt“, freut sich Marion Quaas. Es sei etwas Nachhaltiges entstanden.

Mit den Jahren habe sie gemerkt, dass es ihr Spaß macht, Leitungsverantwortung zu übernehmen, gesteht sie. Sie glaube, durch den Verein sei sie zu einer Führungspersönlichkeit herangereift.   Eine Entwicklung, die jetzt auch beruflich Früchte trägt. Sie arbeitet als Produktions- und Entwicklungsleiterin  in einer Firma, die Leuchtstoffe für LEDs herstellt.

Der Verein sei ihr Zuhause, versichert Marion Quaas. Für ihn opfert sie viel freie Zeit. Zum Beispiel beim jährlichen Sommersonnenwendefest im Juni, zu dem immer viele Menschen strömen. „Für mich ist das Fest vor allem Stress“, sagt sie. Die Verantwortung sei groß, dass alle zufrieden sind, gut unterhalten und versorgt werden, dass nichts Schlimmes passiert. „Wir sind das einzige Dorffest mit Security“, berichtet sie. Die Sicherheitsfirma koste zwar Geld, doch ihre Gegenwart  zahle sich am Ende aus.  Davon ist sie ganz fest überzeugt.

Ohne jeden Stress kann  Marion Quaas  aber den Frauentag genießen, an dem sie immer bekocht werden, oder auch die Vereinsausflüge. Und ihr Hobby Volleyball oder den Fußball. Oft hat sie ihre Lieblingsmannschaft, die Süderholzer Kicker, zu Spielen begleitet.

Der April ist immer ein Monat mit vielen Veranstaltungen, sagt Marion Quaas. Ein Monat mit Stressfaktor.  „Aber dennoch macht  mir die Vereinsarbeit Spaß. Ich stehe gern hinterm Tresen, ich bin gern Dienstleister für die Einwohner von Neuendorf“, beteuert sie: „Ich bin ein Familienmensch. Und in einer Stadt möchte ich nicht leben.“

Und deshalb wird sie ihren runden Geburtstag auch in ihrer großen Familie feiern.

Mir macht die Vereinsarbeit Spaß. Man weiß, wofür man alles macht.“Marion Quaas (39),

Dorfverein Neuendorf

Christine Drabsch

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