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Grimmen GWG steht zum Verkauf
Vorpommern Grimmen GWG steht zum Verkauf
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00:00 31.07.2018
Grimmen

Geht es nach Grimmens Bürgermeister Benno Rüster (CDU), dann sollte die gemeinnützige Grimmener Wohnungsgesellschaft (GWG) verkauft werden. „200 000 Euro schießt die Stadt über ihren Haushalt jedes Jahr zu, damit die Gesellschaft liquide bleibt“, sagt er. Das passiert bereits seit 2003. Somit sind in den Jahren drei Millionen Euro zusammengekommen. „Geld, das eigentlich jedem Bürger der Stadt zusteht“, wie Rüster betont. Denn in Grimmen gebe es schließlich Bürgersteige, die dreißig Jahre nicht angefasst worden seien und dringend saniert werden müssten.

Was soll schlechter werden, wenn wir privatisieren?Benno Rüster (CDU), Bürgermeister

„Hätte man diese 200 000 Euro jährlich als Eigenkapital zur Verfügung, so ließen sich daraus über die laufenden Förderprogramme schnell mal 600 000 Euro oder sogar noch mehr machen, womit man schon einiges anfangen könnte“, betont Rüster.

Zwar habe es die Stadt geschafft, die Verbindlichkeiten, die auf der GWG lasten und die einst 100 Millionen DM betrugen, über die Jahre abzubauen. „Aber sie belaufen sich immer noch auf rund 40 Millionen. Das auch dank der niedrigen Zinsen“, sagt der Bürgermeister. Steigen diese wieder an, könne sich die Situation ganz schnell ändern.

Zwei Angebote von möglichen Kaufinteressenten liegen Grimmen derzeit vor. Sie sollen dem Hauptausschuss der Stadtvertretung auf dessen Sitzung am 20. August unterbreitet werden, damit der dann das weitere Prozedere beschließen kann. Sowohl Benno Rüster als auch sein Stellvertreter Roland Wildgans halten sich noch mit Namen und näheren Angaben zurück, weil die Gespräche noch laufen.

„Es kann natürlich auch sein, dass der Hauptausschuss eine weitere Verfolgung der Verkaufsabsichten ablehnt“, erläutert der stellvertretende Bürgermeister Roland Wildgans. „Deshalb betonen wir auch, dass der Verkauf eine Option ist.“ Eine andere wäre , dass die Gesellschaft bei der Stadt bleibt. Dann müssten aber Kredite aufgenommen werden. „Und das ist mit mir aber nicht zu machen“, sagt Benno Rüster klar und deutlich.

Der Bürgermeister sagt, dass das größte Problem der Wohnungsleerstand sei, der gegenwärtig bei rund 13 Prozent liegt. Von den 1754 Wohnungen, die per 30. Juni im Bestand der GWG waren, stehen 307 leer. In diesen Zahlen ist auch der seit längerem leergezogene Block in der Straße der Befreiung 18 bis 25 mit seinen 63 Wohneinheiten enthalten.

Eigentlich sollte dieser Block schon 2017 abgerissen werden. Jetzt heißt es, dass möglicherweise auch wieder saniert werden könnte. Bürgermeister Rüster, der immer gegen den Abriss war, wie er sagt, hält es für nicht ausgeschlossen, dass ein möglicher Käufer dies sogar ins Auge fassen könnte.

Von den 35 zur GWG gehörenden Gewerbeimmobilien stehen aktuell 27 leer, so Roland Wildgans.

Bei der GWG seien in der Vergangenheit viele Fehler gemacht worden. Einer der gravierendsten ist nach den Worten Benno Rüsters das sogenannte „Schlösschen“, wie er die Südwest-Passage nennt.

Sie wurde einst für 25 Millionen DM gebaut. Ende der 1990-er Jahre seien hier Erlöse kalkuliert worden, die nie zu erzielen waren, erklärt Rüster.

Ein weiterer Fehler sei der Verkauf eines Heizhauses Ende der 1990-er Jahre gewesen. Es habe nie rote Zahlen geschrieben, erklärt er weiter.

Und Anfang der 1990-er Jahre wurde oft an falschen Stellen saniert, nämlich dort, wo massenhaft Menschen die Stadt verließen. Und seitdem sei nicht viel passiert. Denn heute gibt es einen gewaltigen Sanierungsstau bei der GWG. Es fehlen marktgerechte, moderne Wohnungen, sagt Rüster. Nicht nur für die immer älter werdende Bevölkerung, sondern auch für junge Familien, die die Stadt anziehen will, weil sie Arbeitsplätze nachbesetzen muss. „Schon heute gibt es Nachwuchssorgen in vielen Firmen“, erklärt Benno Rüster. Und in den kommenden Jahren würden noch mehr Menschen in den Ruhestand gehen, so dass weiterer Bedarf hinzukomme.

Und nicht übersehen darf man, dass private Investoren auf den Wohnungsmarkt drängen und moderne Wohnungen errichten, wie im ehemaligen Pflegeheim oder in der alten Berufsschule in der Weinertstraße.

Das zieht natürlich weitere Mieter der GWG ab, so dass also auch mit weiteren leerstehenden Wohnungen zu rechnen sei.

„Was soll also schlechter werden, wenn wir privatisieren?“, fragt Benno Rüster.

Die GWG

1754 Wohnungen hat die Grimmener Wohnungsgesellschaft (GWG) aktuell (30. Juni 2018) im Bestand. Davon sind 1447 vermietet. 307 stehen leer. In diesen Zahlen ist auch der seit Jahren leergezogene Block in der Straße der Befreiung 18 bis 25 mit seinen 63 WE enthalten. Über dessen Zukunft ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Ursprünglich sollte er bereits 2017 abgerissen werden.

Reinhard Amler

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