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Grimmen Gehörloser probiert sich im Amt aus
Vorpommern Grimmen Gehörloser probiert sich im Amt aus
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00:00 12.03.2013
Volker Rumbohm (31, links) im Gespräch mit dem Dolmetscher für Gebärdensprache, Mario Raabe (39). Quelle: Roswitha Pendzinsky
Miltzow

Praktikanten sind in Verwaltungen eigentlich nichts Besonderes. Außergewöhnlich ist Volker Rumbohm für die Mitarbeiter der Amtsverwaltung Miltzow dennoch. Rumbohm ist gehörlos. Die Gestaltung des Arbeitsalltages für einen Gehörlosen war für alle Mitarbeiter eine neue Erfahrung. „Wir haben uns ganz bewusst für Herrn Rumbohm entschieden, denn wir möchten ihn als Einwohner unserer Gemeinde bei seiner Ausbildung unterstützen“, begründet Amtsleiter Andreas Heite (51). Und sein Fazit fällt absolut positiv aus. „Durch seine freundliche und offene Art haben wir die anfänglichen Unsicherheiten schnell überwunden. Ich glaube, dass wir alle von ihm lernen können, wie man trotz körperlicher Einschränkungen unbeschwert und zuversichtlich den Alltag meistern kann.“

Das Interview mit dem Brandshäger Volker Rumbohm unterstützte Mario Raabe für die Firma „Salo und Partner“ aus Schwerin als Dolmetscher für Gebärdensprache. Der Bildungsträger unterbreitet unter anderem Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen im Hörvermögen, um ihnen auf dem Arbeitsmarkt gleichwertige Voraussetzung gegenüber Hörenden zu verschaffen. Volker Rumbohm hat den Beruf des Fliesenlegers erlernt und ihn auch bis 2011 ausgeübt. Auftragsmangel in der Stralsunder Firma und gesundheitliche Probleme führten zu der Umschulung zum Bürokaufmann. „In Schwerin wurde vier Wochen getestet, welcher Beruf zu mir passt“, erzählt der junge Mann mit Hilfe des Dolmetschers. Die berufliche Perspektive ist noch unklar, aber in Miltzow würde er gerne arbeiten. „Ich habe hier sehr viele Erfahrungen gesammelt und wurde in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt“, berichtet Volker Rumbohm und zeigt auf den Bildschirm. Gerade pflegt er Angaben über Baumbestände der Gemeinde in den Computer ein. Aber auch Lohnsteuerbescheinigungen, Erstellung von Formularen oder Archivarbeit gehörten zum breiten Einsatzfeld. „Hände, Mimik und Gestik machen die Gebärdensprache aus. Jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache. Außerdem gibt es eine internationale Gebärdensprache“, erläutert der Dolmetscher. Er selbst hat gehörlose Eltern und bezeichnet die Gebärdensprache als seine Muttersprache.

Volker Rumbohm hat ein ausgesprochen gutes Gespür für die Gefühlswelt seiner Mitmenschen. „Ich erkenne sehr schnell, wie sie drauf sind.“ So hat der junge Mann auch ein Gespür für sein Auto, obwohl er es nicht direkt hören kann. Er spürt die Vibrationen. „Ich brauche auch Musik, obwohl ich sie nicht hören kann“, erzählt er der erstaunten Reporterin und erläutert, dass es Techno-Musik mit viel Bass sein muss. Kontakt zu Freunden pflegt der sportliche Mann übers Internet, er chattet oder sendet SMS. So ist die moderne Medienwelt eine große Unterstützung in der Kommunikation untereinander.

Das Internet hilft dem 31-Jährigen oft auch beim Verstehen von Wörtern, bei Filmen mit Untertiteln. Sein größter Wunsch ist, dass es mehr Filme mit Untertiteln oder Gebärdensprache gibt. Auf die Frage nach Hürden im Alltag antwortet er, dass er sich oftmals Briefe von Behörden übersetzen lassen muss, damit er sie nicht falsch versteht.

Ballsportarten begeistern den jungen Mann schon seit seiner frühesten Kindheit. „Ich habe immer mit den Kindern aus dem Dorf Fußball gespielt. Heute fahre ich oft zum Gehörlosenverein nach Rostock und mache dort alles, was irgendwie mit dem Ball zu tun hat. Volleyball, Basketball oder Tischtennis, Hauptsache Ball“, erzählt der Brandshäger.

Einen Großteil seiner Kindheit und seiner Jugendzeit verbrachte Volker Rumbohm in der Gehörlosenschule in Güstrow. Er war nur am Wochenende und in den Ferien zu Hause und hat es als kleiner Junge nicht verstanden, warum der große Bruder bei Mutti und Papa bleiben durfte und er wegfahren musste. „Aber das ging ja allen Kindern so, und irgendwann haben wir es verstanden.“ Diese Jahre in Güstrow haben ihn zu einem selbstständigen und selbstbewussten jungen Mann werden lassen, der seinen Weg geht und die Hürden des Alltags meistert — auch ohne Gehör.

Ich brauche auch Musik, obwohl ich sie nicht hören kann.“Volker Rumbohm (31)

Roswitha Pendzinsky

Volker Rumbohm (31, li.im Amt Miltzow.

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