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Gelangten Teile des Bernsteinzimmers nach Ribnitz?

Ribnitz-Damgarten Gelangten Teile des Bernsteinzimmers nach Ribnitz?

Der Deutsch-Kanadier Jonny Johanny bereichert die Diskussion um den Verbleib des „Achten Weltwunders“ mit einer weiteren Variante

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Die historische Aufnahme um 1930 zeigt einen Teil des Bernsteinzimmers im Katharinen-Palast bei St. Petersburg (Russland).

Quelle: dpa

Ribnitz-Damgarten. Heerscharen von Abenteurern, Schatzjägern und Hobbyforschern suchten es, Wissenschaftler auch, die Stasi buddelte sich durch die Republik, um es zu finden, und natürlich mischte auch der sowjetische Geheimdienst kräftig mit. Aber alle Spuren führten ins Leere. Das Bernsteinzimmer bleibt verschollen. Und daran wird sich wohl auch nichts ändern, jedenfalls wenn man Jonny Johanny aus Kanada glaubt. Dem 85-Jährigen zufolge wurden nämlich zumindest Teile des „Achten Weltwunders“ in tausende Stücke zerlegt.

OZ-Bild

Der Deutsch-Kanadier Jonny Johanny bereichert die Diskussion um den Verbleib des „Achten Weltwunders“ mit einer weiteren Variante

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Und das ist seine Geschichte: Jonny Johanny wurde 1931 in Kanada als Sohn von Johann Johanny geboren. Dieser war im Ersten Weltkrieg Pilot. Da es für Flieger nach Kriegsende in Deutschland nur wenige Möglichkeiten gab, unterzukommen, siedelte er nach Kanada über. Im Zuge der Schaffung der deutschen Luftwaffe kam Johann Johanny mit seiner Familie wieder zurück nach Deutschland.

Goldschmiedemeister Kramer Johann Johanny war von Oktober 1937 bis 1945 im Ribnitzer Flugzeugwerk als Einflieger tätig. Nach Kriegsende schulte er sowjetische Piloten auf der Arado (Ar) 196. Sein Sohn Jonny kam zur Firma von Goldschmiedemeister Walter Kramer. Und genau dort soll laut Jonny Johanny von Holzpaneelen der Bernstein entfernt worden sein, um ihn dann anderweitig verarbeiten zu können.

Das Loslösen der Bernsteinstücke geschah übrigens auf recht brachiale Weise: Die Paneele seien sozusagen kopfüber auf Matratzen gelegt worden, sodass die Holzseite nach oben zeigte. Auch die sei abgepolstert worden, bevor auf diese mit Vierkantknüppeln geschlagen wurde, um die Bernsteinstücke vom Holzuntergrund zu lösen. Zu denen, die für diese Arbeit eingeteilt worden seien, habe er gehört, so Jonny Johanny. Dass es sich bei diesen Paneelen um Teile des Bernsteinzimmers handeln könnte, sei ihm allerdings erst sehr viel später bewusst geworden, erzählt er weiter. Und er fügte hinzu:

„Alles, was damals bei Kramer passierte, geschah auf Befehl sowjetischer Offiziere“. Haben diese beim Ribnitzer Goldschmiedemeister für ihren Privatbedarf arbeiten lassen?

„Reichseigentum“

Warum sie den Auftrag gaben, den Bernstein von den Holzpaneelen zu entfernen, darüber lässt sich nur spekulieren. Wenn ihnen klar war, dass es sich um Teile der Wandverkleidungen des Bernsteinzimmers handelte, sollte durch deren Zerstörung möglicherweise die Herkunft des Bernsteins verschleiert werden. Vielleicht war den Offizieren aber auch gar nicht klar, um was es sich da handelte. Wie auch immer: Die Bernsteinpaneele seien in Kisten mit der Aufschrift „Reichseigentum“ angeliefert worden, erzählt Jonny Johanny weiter. Abgegangen sein sollen sie vom Bahnhof Güstrow.

Wenn es stimmt, was er berichtet, bleibt die Frage: Warum ließen die sowjetischen Offiziere diese Arbeiten ausgerechnet in Ribnitz ausführen? Da liegt die Antwort auf der Hand: Weil es bei der Firma Kramer die entsprechenden technischen Voraussetzungen und Leute gab, die über die notwendigen Fähigkeiten zur Verarbeitung von Bernstein verfügten. Denn Kramer, dessen Geschäft sich zunächst im elterlichen Haus in der Langen Straße 60 befand, fertigte seit 1932 den Fischlandschmuck. Charakteristisch für diesen sind die Verwendung eines oder mehrerer Naturbernsteine und deren Einfassung aus Silber mit aufgelöteten Applikationen maritimer Motive. Im Übrigen musste die Ribnitzer Firma, die nach dem Kriegsende wieder mit der Schmuckfertigung begann, von Anfang an auch für die Besatzungsmacht arbeiten. Die Mitarbeiter stellten nämlich neben Schmuck auch Koppelschlösser und Knöpfe für die Russen her. Wie die Koppelschlösser hergestellt wurden, kann Johanny bis ins kleinste Detail schildern.

Suche im Landesinneren Wenn es stimmt, was Johanny erzählt, dann würde das bedeuten: Das legendäre Kunstwerk ist weder in Königsberg verbrannt noch mit der „Wilhelm Gustloff“ in der Ostsee versunken, wie einige vermuten, sondern doch noch vor Einrücken der Roten Armee in Königsberg ins Landesinnere gebracht worden. Eine Möglichkeit, die zum Beispiel Autor Günter Wermusch nicht ausschließt. Er behauptete 2009 gegenüber OZ, einen Wehrmachtspiloten ausfindig gemacht zu haben, der die Kisten mit dem Bernsteinzimmer per Flugzeug auf die Halbinsel Wustrow transportiert haben will.

Auch das DDR-Ministerium für Volksbildung in Berlin schloss nicht aus, dass das Bernsteinzimmer 1945 ins Landesinnere gebracht worden sein könnte. Im Januar 1950 jedenfalls ging vom Volksbildungsministerium bei der mecklenburgischen Landesregierung ein Schreiben ein, das sich im Landeshauptarchiv Schwerin befindet. Darin heißt es: „Nachdem ursprünglich mit einem völligen Verlust des wertvollen Objektes gerechnet wurde, gibt es neuerlich Hinweise, die erneute Nachforschungen notwendig machen“. Welcher Art diese „neuerlichen Hinweise“ waren, wurde allerdings nicht mitgeteilt.

Da man aber nicht ausschloss, dass das Bernsteinzimmer noch existieren könnte, wurden alle Volksbildungsämter, Museen und Landesdenkmalpfleger aufgefordert, sofortige Nachfragen in ihren Bezirken zu veranlassen. Besonders interessant ist, dass die genannten Dienststellen ausdrücklich angehalten wurden, sich bei ihren Erkundigungen auch an Uhrmacher und Juweliergeschäfte zu wenden, um zu prüfen, „ob bearbeiteter alter Bernstein nach 1945 aufgetaucht ist“.

Alle Suchaktionen nach dem „Achten Weltwunder“ führten ins Leere

Das Bernsteinzimmer wurde im Auftrag des ersten preußischen Königs Friedrich I. gefertigt. König Friedrich Wilhelm I. schenkte es dann 1716 dem russischen Zaren Peter der Große. Fast zwei Jahrhunderte lang befand sich das Bernsteinzimmer dann im Katharinenpalast in Zarskoje Selo bei Sankt Petersburg. Im Oktober 1941 wurde es demontiert und in 28 Kisten verpackt von der Wehrmacht nach Königsberg gebracht und ab 1942 im Königsberger Schloss ausgestellt. Nach einem Brand in einem Ausstellungsraum 1944 soll die Wandverkleidung demontiert und im Keller des Schlosses in Kisten eingelagert worden sein. Danach verliert sich die Spur. Seit 2003 befindet sich im Katharinenpalast eine originalgetreue Nachbildung des Bernsteinzimmers. Nach dem Original wird bis heute gesucht. Wo es abgeblieben sein könnte, darüber gibt es mittlerweile so viele Vermutungen und Spekulationen, dass sie kaum noch zu überblicken sind. Unüberschaubar ist auch die Zahl der Orte, wo es verborgen sein soll.

Von Edwin Sternkiker

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