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Gelebte Inklusion: Wenn Anderssein Normalität wird

Stralsund Gelebte Inklusion: Wenn Anderssein Normalität wird

Willi Trost (19) ist nahezu bewegungsunfähig / Am Fachgymnasium möchte er sein Abitur ablegen / Schulbegleiter Dirk Brandt unterstützt den 19-Jährigen

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Max Schmidt, Fabian Müggenborg, Willi Trost, Schulbegleiter Dirk Brandt und Maximilian Geßmann (v. l.) im Unterricht am Fachgymnasium.

Quelle: Foto: Miriam Weber

Stralsund. Mit dem Auto zur Schule, dann in den Unterricht, in den Pausen quatschen, ab nach Hause. Ganz normaler Schulalltag. Oder vielleicht doch nicht?

Ein normaler Schultag beginnt für Willi Trost damit, dass er von einem Fahrdienst abgeholt und zum Fachgymnasium an der Lübecker Allee gebracht wird. Dort geht es mit dem Fahrstuhl zum Klassenzimmer, denn Willi sitzt im Rollstuhl. Der 19-Jährige leidet unter Muskeldystrophie des Typ Duchenne, eine Erkankung, die die Muskulatur zerstört. Bei dem Stralsunder bedeutet das, dass er mittlerweile nicht einmal mehr die Arme bewegen kann.

Doch wie kann dann ein Schulbesuch klappen? Erstaunlich gut, denn Willi Trost hat ein gut funktionierendes Team um sich. Unverzichtbar ist für Willi Dirk Brandt. Der 53-Jährige ist Schulbegleiter und seit fünf Jahren an Willis Seite. „Irgendwie wird man da alles“, sagt Dirk Brandt mit einem Lachen. „Freund, Beschützer, Kumpel.“ Dirk Brandt blättert die Seiten der Bücher um, die Willi liest, erledigt Mitschriften, gibt Willi das Frühstück und in den Pausen machen die beiden Atemtherapien, Entspannungsübungen oder notwendige Massagen.

Für die 26 anderen Schüler in der Klasse ist das mittlerweile normal. „Er ist zwar kein Mitschüler wie jeder andere, aber für uns ist das Alltag“, sagt Fabian Müggenborg. Oft wird in Gruppen gearbeitet, was die Kommunikation etwas vereinfacht. „Willi ist ein kreativer Kopf, und das bringt er oft im Unterricht mit ein“, sagt sein Mitschüler Jannes Schöttke.

„Als es hieß, dass an unserer Schule der Gedanke der Inklusion in die Praxis umgesetzt werden soll, waren wir gespannt, was das für uns als Lehrer bedeutet“, erinnert sich Klassenlehrer Dirk Paprott.

Nach knapp zwei Jahren, die Willi nun schon in der Klasse lernt, ist er zu dem Ergebnis gekommen: „Eigentlich ist es gut umzusetzen, aber es braucht viel Organisation und auch Vertrauen.“ Für die schriftlichen Leistungskontrollen etwa mussten individuelle Lösungen gefunden werden. Um die Mitschüler nicht zu stören, werden Kontrollen von Willi und seinem Schulbegleiter Dirk Brandt in einem anderen Raum geschrieben. Unter der Aufsicht eines Lehrers diktiert Willi Dirk Brandt die Antworten. „Die Versuchung, Dirk etwas zu fragen, ist nicht groß“, sagt Willi. „Da bin ich ehrlich.“ Und Dirk Brandt fügt mit einem Lachen hinzu: „Eigentlich lerne ich in manchen Fächern wie Geschichte eher etwas von Willi.“ Ähnlich wie einige seiner Mitschüler, denen Willi beim Lernen hilft.

Sowohl Dirk Brandt als auch Willi sind begeistert, wie gut alles an der Schule funktioniert. „Damit meinen wir sowohl die organisatorischen Fragen, die viele Absprachen benötigen, als auch das Miteinander“, sagt Dirk Brandt. Willi fühlt sich wohl, ist in seiner Klasse angekommen. „Ich kann zwar nicht an allen Aktivitäten teilnehmen, versuche aber, dabei zu sein“, sagt Willi. Und so steht er in seinem Rollstuhl beim Sportfest schon mal am Rand, um seine Mitschüler anzufeuern.

Doch auch wenn es im Fall Willi mit der Inklusion gut klappt, ist niemand blauäugig. „Das ist ein einziger Schüler“, sagt Dirk Paprott. „Das kriegen wir mit viel Aufwand organisiert.“ Doch wenn es sich um mehr Schüler handeln würde, die in irgendeiner Art und Weise besondere Unterstützung brauchen, würde die Schule, wie derzeitig auch fast alle anderen Schulen, an ihre Grenzen stoßen. Sowohl auf personeller als auch räumlicher Ebene.

Willis Traum von New York

Willi Trost leidet an Muskeldystrophie Typ Duchenne. Diese Krankheit zerstört die Muskulatur, Arme und Beine kann der 19-Jährige nicht mehr bewegen, sitzt in einem speziellen Rollstuhl. Trotz allem hat der Stralsunder den Traum, einmal in seinem Leben nach New York zu reisen. Gemeinsam mit den Sundkonzerten, der Aktion Kindertraum und der OSTSEE-ZEITUNG kann dieser Wunsch wahr werden.

Denn wenn am 10. Juni die Band Silbermond auf der Mahnkeschen Wiese ihr Konzert spielt, wird Veranstalter Marcel Glöden von jeder verkauften Eintrittskarte 50 Cent für die Reise spenden. Und auch viele Leser der OZ haben bereits für Willi Trost gespendet, damit die Reise, die Willi wegen des Transports mit dem Rollstuhl nur mit dem Schiff antreten kann, am 21.

August startet.

Miriam Weber

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