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Gemeinsam singen, essen und über Kulturen diskutieren

Willerswalde Gemeinsam singen, essen und über Kulturen diskutieren

Im vergangenen Jahr kamen Asylbewerber in die Region / Knapp zwölf Monate später berichteten sie am Dienstag in Willerswalde über ihre Erfahrungen in Deutschland

Willerswalde. Osama Alahmad aus Quneitra in Syrien blickt auf den Text des Volksliedes „Die Vogelhochzeit“. Er lacht. „Das kannte ich nicht“, erklärt er. „Mir gefallen deutsche Gedichte und Lieder.“ Von Pastor Bernd-Dietrich Krummacher wurden der 36-Jährige und drei Landsleute am Dienstag in die Kapelle in Willerswalde (Gemeinde Süderholz) eingeladen, um gemeinsam mit Deutschen zu essen, zu sprechen und zu singen.

Ende 2015 flüchteten die Männer nach Deutschland und kamen in Unterkünften in Franzburg und Richtenberg unter. „Ich bin damals hingegangen, um sie kennenzulernen“, sagt Krummacher. Es folgten regelmäßige Treffen. „Unter den Flüchtlingen waren viele aus interessanten Berufsgruppen. Vom Taxifahrer bis zum Anwalt.“

Alahmad war in seiner Heimat Mathematik-Lehrer. „Ich hoffe, auch hier unterrichten zu können“, sagt er. „Aber erst einmal möchte ich irgendeinen Job finden.“

Nachdem sein Asylstatus anerkannt wurde, ist der Mann nach Stralsund gezogen. Dort wohnt er mit seiner schwangeren Frau und der vierjährigen Tochter Malak zusammen. „Sie lernt im Kindergarten fleißig Deutsch“, erzählt der Familienvater stolz. Er selbst hat in der vergangenen Woche seinen Sprachkurs erfolgreich beendet. Einzig die Aussprache falle ihm noch schwer. „Kontakt zu Deutschen habe ich nicht“, sagt Alahmad. „Ich lerne zuhause und gehe nur zu den Prüfungen zur Schule.“

Krummacher betont jedoch, dass der Kontakt zur Bevölkerung wichtig für die erfolgreiche Integration ist. Der Pastor unterstützt die Männer. Zum Treffen in Willerswalde sind sechs Menschen aus der Region erschienen. Sie wollen erfahren, wie es den Syrern knapp ein Jahr nach der Flucht geht. Themen wie verschiedene Essgewohnheiten, Religionen und Freizeitbeschäftigungen wurden besprochen.

„Ich gehe oft laufen. Als ich in Franzburg gewohnt habe, habe ich am Richtenberger See trainiert“, erzählt Faisal Alsayd, syrischer Meister im Marathon. „Im Oktober nehme ich am Rügenmarathon teil“, erzählt der 22-Jährige.

Gerhard Hensel nickt anerkennend. „Es gibt viele Meinungen über Flüchtlinge. Ich möchte mir selbst ein Bild machen“, erklärt der 74-Jährige seine Teilnahme an der Begegnung. „Die vier Männer machen einen kooperativen Eindruck. Wer bereit ist, sich zu integrieren, ist willkommen.“ Doch der Grimmener sieht auch Probleme. „Die Kulturen unterscheiden sich stark voneinander. Das wird noch viel Arbeit“, sagt er.

Osama Alahdab aus Hama in Mittelsyrien konnte bereits einige Kontakte knüpfen. „Ich fühle mich wohl“, sagt der 31-Jährige, der im November über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland kam. „Die Richtenberger haben mich gut aufgenommen.“ Aufgrund seiner Englischkenntnisse hatte er als Dolmetscher in den Unterkünften geholfen und deutsche Helfer kennengelernt. Nun wohnt er ebenfalls in Stralsund. „Die Stadt ist wunderschön“, schwärmt er. „Außerdem mag ich den Strand.“ Alahdab kann sich vorstellen, in der Hansestadt zu bleiben – vorausgesetzt, er findet eine Arbeit. „Meine syrischen Zeugnisse wurden bisher noch nicht anerkannt“, sagt der Apotheker. „Das dauert lange.“

Beim Treffen unterhält sich Alahdab angeregt mit Jacob Hansen. Der gebürtige Willerswalder ist vor Kurzem nach Stralsund gezogen. „Ich werde dich mal besuchen kommen“, verspricht er. „Ich finde es interessant, was die Syrer zu erzählen haben und mich berühren ihre Schicksale.“ Dass es auch Bürger gibt, die Flüchtlingen mit Skepsis entgegentreten, kann der 21-Jährige teilweise nachvollziehen.

„Aber ich habe keine Berührungsängste. Auch in meiner Klasse sitzen drei Syrer“, sagt der Schüler.

Die Männer wünschen sich eine Zukunft in Deutschland. „In unserer Heimat ist alles zerstört“, sagt Muhammad Suliman, der vierte Syrer in der Runde, traurig. „Meine Frau ist in Aleppo. Ich hoffe sehr, dass sie bald wieder bei mir ist.“

Katharina Ahlers

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