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Goldstaub Schulsozialarbeiter

Grimmen Goldstaub Schulsozialarbeiter

Nur wenige Grundschulen im Raum Grimmen haben derzeit eine Fachkraft.

Grimmen. Sie haben immer ein offenes Ohr für Nöte und Sorgen, sie bieten Zuflucht, sie sind einfach da: Schulsozialarbeiter. „Mein Hauptjob ist es, dafür zu sorgen, dass kein Kind hinten runterfällt“, sagt Anke Peters. Sie ist in der Grundschule Grammendorf als Schulsozialarbeiterin tätig. Ihr Wirken ist, so Schulleiterin Annette Buck, nicht mit Gold aufzuwiegen.

„Sie nimmt uns soviel Arbeit ab. Dinge, für die wir als Lehrer keine oder nur wenig Zeit finden. Sie ist für die Kinder vor allem in sozialen Dingen ein Fels in der Brandung“, sagt sie.

Sozialarbeiter sind selten an Grundschulen

Die Grammendorfer haben Glück. Sozialarbeiter an Grundschulen sind – anders als an weiterführenden Schulen – nicht selbstverständlich. So können beispielsweise die Grundschulen in Brandshagen und Horst nicht auf einen Sozialarbeiter zurückgreifen, anders als die beiden Grimmener Grundschulen, die je eine Schulsozialarbeiterin beschäftigen.

Muss Schulsozialarbeit schon an den Grundschulen sein? „Ja“, sagt Jenny Bast. Das habe ihre Arbeit an der Grimmener Wander-Schule gezeigt. Auch Mandy Andres kann nur zustimmen. „Die soziale Kompetenz unter den Kindern verschlechtert sich, wir werden gebraucht“, so die Schulsozialarbeiterin an der Neubauer-Schule.

Da gibt es ein Gefälle von gut situierten Familien und solchen, die jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Da gibt es Sticheleien, wenn ein Kind keine Markenklamotten trägt. Ausgrenzung, sogar Mobbing können Folgen sein. Da gibt es Kinder, die darunter leiden, dass ihre Eltern berufsbedingt wenig Zeit für sie haben. Manche Kinder reagieren mit Einigelung, andere mit Aggression. „Wir reden mit den Schülern, nehmen ihre Sorgen und Nöte ernst“, sagt Jenny Bast. Und dass es egal ist, um welches Problem es sich handelt. Was für Erwachsene eine Lappalie ist, kann für ein Kind ein Riesenproblem sein.

Gespräche und Projekte im Angebot

Die Schüler nehmen die Hilfsangebote gern an. Neben Einzel- und auch Gruppengesprächen sind es vor allem Projekte, die die Schulsozialarbeiter an den Bildungseinrichtungen anbieten. „An unserer Schule ist es die Streitschlichter-AG“, erzählt Mandy Andres. Hier gehe es vor allem darum, die Kommunikation unter den Schülern zu fördern, sie zu sensibilisieren, ihre Empathie zu stärken. Die Nachfrage ist groß. Mandy Andres Aufgabe ist es, die jungen Streitschlichter per Rollenspiel auf verschiedene Situationen vorzubereiten und ihnen zu vermitteln, wie sie Konflikte entschärfen oder bestenfalls gar verhindern können. „Das ist etwas, was Lehrer von der Zeit her gar nicht leisten können“, sagt Andres, die sich selbst als eine Art Krisenmanagerin sieht und versucht, mit ihrer Arbeit soziale Auffälligkeiten bei Schülern zu vermindern bzw. zu verhindern und das Schul- und Klassenklima dadurch zu verbessern.

Ein ganz anderes Problem hat Anke Peters beobachtet. „Ich habe mir viele Gedanken über den ländlichen Raum gemacht“, sagt die Kirch Baggendorferin. Ihre Feststellung: Die Kinder vereinsamen, vor allem in abgelegenen kleinen Dörfern. „Dort fehlt einfach die Kindergemeinschaft, es sind keine Kumpels zum Spielen da.“, sagt sie. Der beste Freund wohnt vielleicht drei Dörfer weiter, doch Busse fahren selten und noch seltener hätten Eltern Zeit, ihre Kinder hin- und herzufahren.

Theater in den Schulferien gegen Vereinsamung

„Deshalb habe ich in den Ferien u.a. ein Theaterprojekt angeboten“, so Peters. Ein voller Erfolg. Die Kinder waren begeistert von dem klassenübergreifenden Projekt, bauten voller Eifer Kulissen und bastelten Kostüme, hatten Spaß beim Rollen lernen und spielen – und waren vor allem nicht alleine zu Hause. Dass die Aufführung des Stückes vor Eltern und Großeltern super ankam, war ein zusätzliches Bonbon.

Auch die Technisierung sei ein Problem. Kaum ein Schüler, der heute kein Handy besitzt. „Auf die Gefahren, die im Internet lauern, hat sie aber kaum einer vorbereitet, noch darauf, was sie selbst mit ihren Äußerungen in sozialen Netzwerken auslösen können“, sagt Jenny Bast.

Politik: Stellen erst ab Klasse 5 notwendig

Dennoch sind ihre Stellen in Gefahr. Die Finanzierung der Schulsozialarbeit erfolgt über Projektmittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und derzeit noch einem Bundesprogramm (BuT). Nach Auffassung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sollte die Finanzierung der Schulsozialarbeit jedoch Landesaufgabe sein und nicht über zeitlich befristete Projektmittel erfolgen. Hieraus resultiert die prekäre Arbeitssituation der Schulsozialarbeiter, deren Verträge für die Förderperiode befristet sind und Ende August auslaufen.

Ob es weiter geht, ob ein Verein oder die Gemeinde ihre Stellen weiter finanziert – keiner weiß es. Die Politik, so scheint es, halte Schulsozialarbeit erst ab der 5. Klasse für notwendig. Mandy Andres kann diese Ansicht nicht teilen. „Gerade im Grundschulalter kann ich bei Schülern viel erreichen, bewältigen, festigen“, appelliert sie. „Mein Herz hängt an den Schülern und der Schule“, sagt auch Jenny Bast. Sie habe mit Kollegen an Demos zur Erhaltung der Stellen in Schwerin teilgenommen, habe gekämpft, doch der Hoffnungsschimmer werde immer geringer. Eine Erfahrung, die auch Anke Peters macht. „Die Endlichkeit macht die Nachhaltigkeit unserer Arbeit schwer“, sagt sie. „Ich glaube, dass ein Loch entsteht, sollten unsere Stellen nicht verlängert werden.“

Claudia Noatnick

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