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Grimmen Grimmener Judo-Turnier: Leichtgewichte und Favoritensiege
Vorpommern Grimmen Grimmener Judo-Turnier: Leichtgewichte und Favoritensiege
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19:39 03.12.2018
Paul Päplow (u.) reißt seinen Kontrahenten Daniel Bauer vom JSV Rammenau mit einer Yoko-Tormoenage zu Boden. Der Grimmener gewann die Gewichtsklasse der Männer bis 81 Kilogramm souverän, siegte in allen Kämpfen. Quelle: FOTOS: Horst Schreiber
Grimmen

Chris Löhrke schlurft in die Umkleidekabine der Sporthalle des Grimmener Gymnasium. Es ist Sonnabend, kurz vor neun Uhr morgens. Etwas schläfrig stellt er seine Sporttasche ab und tauscht seine Freizeitklamotten gegen den weißen Keikogi. Doch bevor Chris sich in seinen Judomantel wirft, steigt der Schüler auf die Waage. 30,7 Kilogramm zeigt das Gerät an. „Ich dachte, ich wiege mehr“, meint der Achtjährige erstaunt.

Während sich der Athlet des KSV Grimmen in aller Ruhe umzieht, herrscht in der Halle schon aufgeregtes Gewusel. Hunderte Kinder toben auf den Matten, spielen Fange oder werfen sich gegenseitig zu Boden. Dann gesellt sich Chris dazu und umkurvt im Laufschritt mit Teamkollege Alex Konrad das Durcheinander. Die beiden Judo-Talente machen sich warm für ihre Kämpfe beim 24. Internationalen Weihnachts- und Kaderturnier des KSV, bei dem insgesamt 565 Sportler an zwei Tagen antreten. Chris muss sich in einer Vierergruppe der U 9 bis 30,9 Kilogramm beweisen. Nervös sei er nicht.

„Im Training ist er eine Granate!“, meint sein Trainer Ralf Päplow stolz, ergänzt aber: „Im Wettkampf ist er im Kopf manchmal etwas schläfrig.“ Davon war bei Chris’ Auftaktkampf aber nichts zu spüren: Nach sechs Sekunden schickt er seinen Kontrahenten, den Zinnowitzer Jonny Müller, auf die Matte. Doch im zweiten Duell hapert’s. Gegen Lenny Kiphut (Malchin) kommt der Grimmener nicht zum Zug. „Feuer jetzt! Beide Hände ran und dann Feuer“, fordert Päplow vom Mattenrand aus. „Chris, du musst jetzt was machen, dich eindrehen!“ Die Anfeuerungen hlfen nichts. Chris muss sich gegen den späteren Sieger geschlagen geben.

„Ich bekomme das schon mit, wenn von Außen reingerufen wird. Nur manchmal ist es eben schwer, das umzusetzen“, zuckt der Judoka mit den Achseln. Doch mit Artur Medwejew (Rostock) hatte er dann wieder keine Probleme. „Oh, der kann so schön werfen“, staunt Päplow über seinen Schützling, der sich damit die Silbermedaille in seiner Gruppe sicherte.

Chris sei ganz zufrieden. Er weiß, dass ihn eine Unachtsamkeit den Sieg gekostet hat. „Weil ich im zweiten Kampf wieder nicht aufgepasst habe“, ärgert sich der Grundschüler.

Vor dem Silbertriumph von Chris Löhrke durfte der gastgebende KSV Grimmen bereits einen Doppelsieg feiern. Bei den U-9-Mädchen bis 25,8 Kilogramm standen sich im Finalkampf Mariia Drozda und Katerina Postemskaya gegenüber. „Mariia lässt mir nie eine Chance“, empört sich die unterlegene Katerina, die behauptet: „Eigentlich sind wir gleichstark“. „Aber manchmal schläfst du“, hakt Mariia ein. Die beiden Achtjährigen kämpfen seit ihren ersten Judoschritten mit- und gegeneinander. „Wenn sie abnimmt, nehme ich auch ab. Wenn sie zunimmt, nehme ich auch zu“, strahlt Katerina. Diese anscheinende Unzertrennlichkeit sorgt dafür, dass die Mädels, dessen Familien zwar aus derselben ukrainischen Stadt Winniza kommen, sich aber erst in Grimmen kennengelernt haben, stets in derselben Gewichtsklasse antreten und sich um den Sieg streiten.

An diesem Wochenende kam eine Ausnahme hinzu: Mariia trat zusätzlich in der U 11 an und holte Bronze bei den Älteren.

Fast 600 Judokas duellierten sich am ersten Dezember-Wochenende in der Trebelstadt.

Der Bruder hebt das eigene Leistungsniveau

Während Chris, Mariia und Katerina auf ihre Siegerehrungen warten, hat sich Paul Päplow seine Kapuzenjacke übergeworfen und geht seine kommenden Kämpfe durch. Mit den Armen fuchtelt er durch die Luft, übt „trocken“ Judogriffe. Über Kopfhörer dröhnt Motivationsmusik in seinen Ohren. „Klassiker“, meint Päplow: „Final Countdown und so.“ Der 20-Jährige hatte erst vor einer Woche das Ticket zur Deutschen Meisterschaft in Stuttgart Anfang 2019 gebucht. Das Turnier in Grimmen will er nutzen, um Techniken zu festigen. „Ich habe noch Probleme, den gegnerischen Arm vom Revers zu lösen“, gesteht der KSV-Athlet.

Die Aufgaben beim eigenen Weihnachts- und Kaderturnier löste der Grimmener souverän, gewann alle fünf Kämpfe bei den Männern bis 81 Kilogramm. Dass Paul Päplow zu den besten Judokas im Norden gehört, hat er auch seinem älteren Bruder Hannes zu verdanken. Hannes ist der Trainer von Paul. „Er kann mir noch einiges beibringen. Hannes hat mich leistungsmäßig noch einmal nach vorne gebracht“, bemerkt Paul. Der Ältere weiß um die Stärken des Jüngeren: „Er kämpft seine Linie durch, ist gut in der Hüfte.“ Das Zusammenspiel während des Kampfes funktioniert gut zwischen beiden. „Paul macht, was man ihm sagt. Aber wenn er mir ein Zeichen gibt, dass die Ansage nicht geht, vertraue ich ihm. Meist reicht ein kurzes Nicken oder Zwinkern“, gibt Hannes preis.

Auch beim Turnier am Sonnabend harmonierte das Gespann gut. Bei jeder Kampfpause mimte Hannes an der Seite Verbesserungsvorschläge am Stil von Paul. Der Jüngere blickte kurz auf, nickte ab und warf seine Gegner zu Boden.

Doch trotz der Triumphe von Päplow, Drozda, den beiden Silbermedaillen von Löhrke und Postemskaya und weiteren KSV-Edelmetallen reichte es für die Grimmener Mannschaft nicht, den Pokal für das beste Team in der Trebelstadt zu halten. Den schnappte sich Asia Sport Neubrandenburg mit überragenden 16 Gold-, elf Silber- und acht Bronzeplaketten. Zweiter wurde der JSV Rammenau (7/13/21) vor dem KSV Grimmen (6/10/16).

Horst Schreiber

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