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Grimmen Grünzeug für Bundespreis nominiert
Vorpommern Grimmen Grünzeug für Bundespreis nominiert
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00:10 15.03.2018
Dorow

Zu gut für die Tonne ist Schnelles Grünzeug aus Dorow. Deshalb wurde dieses Projekt unter 150 Bewerbungen für die Nominierung für einen Bundespreis ausgewählt.

Olaf Schnelle probiert ein neues Produkt und ist sichtlich zufrieden: Der fermentierte Sellerie mit Thymian scheint gelungen. Quelle: Foto: Almut Jaekel.

Fermentieren

Beim Fermentieren wird zerkleinertes Gemüse mit zwei bis drei Prozent Salz in Gläsern vermengt.

Die Bakterien bilden Milchsäure, die das Gemüse haltbar macht und ihm einen ganz speziellen, sauren Geschmack verleiht.

„Zu gut für die Tonne“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, mit der auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam gemacht und die vor allem verhindert werden soll.

15 Projekte gegen Lebensmittelverschwendung von 150 Bewerbungen kamen jetzt in die engere Wahl. Darunter eben auch das fermentierte Gemüse von Olaf Schnelle in der Kategorie Landwirtschaft &

Produktion. Durch Fermentation macht der Dorower die Produkte aus seiner Gärtnerei natürlich haltbar und verhindert, dass sie schnell verderben und weggeworfen werden müssen. Weitere Kategorien sind Handel, Gastronomie sowie Gesellschaft & Bildung.

„Ich wurde aufgefordert, mich zu bewerben, habe das gemacht und das Ganze dann vergessen“, erzählt Olaf Schnelle ganz trocken. Umso überraschter war er, als er Anfang März eine Mail aus dem Bundeszentrum für Ernährung erhielt, in der er über die Nominierung informiert wurde. „Es freut uns sehr, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Ihrer Einreichung Schnelles Grünzeug von der Jury für den Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung 2018 nominiert wurde“, hatte Felicitas Arndt vom Bundeszentrum geschrieben. Getagt hatte die Fachjury unter der Leitung von Bärbel Diekmann, der Präsidentin der Welthungerhilfe, in Berlin im Februar. Aus der Kategorie Landwirtschaft & Produktion, für die Schnelles Grünzeug nominiert ist, wurden drei Projekte ausgesucht. Die Chancen für Olaf Schnelle sind also gut. Die Entscheidung für den Bundespreis und eventuelle Förderpreise für Projekte in der Start- und Entwicklungsphase wird am 18. April verkündet. „Dann bin ich auf jeden Fall dabei, das lasse ich mir nicht entgehen“, sagt Olaf Schnelle. Aber auch schon über die Nominierung freue er sich sehr.

„Das passt sehr gut. Die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung war eines meiner Ziele, weshalb ich mit der Fermentation überhaupt begonnen habe“, sagt Schnelle. Möglich sei das Projekt aber nur mit Hilfe gewesen: Er nutzte das so genannte Crowdfunding: Im Internet bot der Unternehmer gegen Zahlung auf sein „Krautfunding“-Konto fermentiertes Gemüse, Fermentations-Sets, Einkaufsgutscheine, Workshops, Seminare und anderes an. Zuschüsse in Größenordnung für das Projekt kamen auch aus dem Fördertopf des Programms „Land(auf)Schwung“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

„Jetzt steht das ’Zentrum für Gemüsefermentation im Trebeltal’“, sagt der Unternehmer, der einst mit den „Essbaren Landschaften“ von sich reden machte und mittlerweile in Dorow in Gärtnerei und Fermentation wieder fünf Angestellte beschäftigt. Ganz neu ist die Inneneinrichtung im „Container“ für die Fermentation. „Wir haben lebensmittelechte Kunststoffe als Arbeitsflächen verbaut, weil bei der Fermentation Produkte entstehen, die selbst Edelstahl angreifen.“ Aber diese Konservierung macht das Gemüse auf natürliche Art eben auch lange haltbar. Und so vermeidet Olaf Schnelle, dass Überschüsse aus der nahen Gärtnerei weggeworfen werden müssen. „Außerdem passt Fermentation sehr gut in die Zeit, weil die Produkte gesund sind“, sagt er. Die Lebensmittel würden ohne Konservierungsstoffe und ohne sie zu erhitzen, haltbar gemacht. Schnelle: „Schon vor sechs bis sieben Jahren habe ich mich mit dieser Verarbeitungsmethode befasst. Mittlerweile ist es in den USA ein großer Trend, der so langsam zu uns überschwappt.“ Und die Fördermöglichkeit habe es außerdem genau zum richtigen Zeitpunkt gegeben. „Alles passt zusammen.“ Und so ist Olaf Schnelle in Deutschland derjenige, der die Fermentation auf diese vollkommen natürliche Art und Weise als erster wiederbelebt hat. „Natürlich gibt es auch die Sauerkrauthersteller, aber die arbeiten anders“, informiert er.

In Leipzig, München, Nürnberg und Düsseldorf würden Fermentierungsbetriebe ähnlich dem seinen bestehen, aber „wir in Dorow sind am weitesten“, sagt Schnelle.

Von Nominierungen und möglichen Ehrungen allein kann Olaf Schnelle aber nicht leben und schon gar nicht seine fünf Mitarbeiter bezahlen. Deshalb hat er einen Online-Shop für „Schnelles Grünzeug“

aufgebaut. „Aber ich will auch in den Einzelhandel“, sagt er. Deshalb befasst sich der Wahl-Dorower, der ursprünglich aus Thüringen stammt, mit der Produktanalyse. „Die Produkte müssen nach der Fermentation noch drei bis vier Wochen lang in den Verkaufsverpackungen in den Regalen der Märkte haltbar sein“, sagt er. Außerdem arbeite er an Rezepten für die Verarbeitung des fermentierten Produktes. „Denn leider kommt es nicht bei allen so gut an, wie geplant. Vielen ist es zu sauer, das sind wir nicht gewöhnt.“ Und da reiche der Gesundheitsaspekt nicht aus, um zu überzeugen. Deshalb will Olaf Schnelle solche Rezepte entwickeln, in denen die „sauren Spitzen“ genommen werden. Ausprobieren, Dokumentieren, Fotografieren gehören so gerade zu seinen Hauptaufgaben. Olaf Schnelle: „Das alles ist sehr spannend, aber auch sehr zeitaufwändig.“

Genügend Produkte zum Verkaufen und Ausprobieren stehen übrigens bereit: Zwei Tonnen fermentiertes Gemüse lagern, nachdem sie mindestens vier bis acht Wochen bei unterschiedlichen Temperaturen für den extra Geschmack fermentierten. Und egal ob Sellerie, Kohl oder Möhren – fast alles ist in Schnelles Gärtnerei in Dorow gewachsen. „Was fehlt, kaufen wir aus Biogärtnereien in der Nähe dazu.“

Almut Jaekel

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