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„Grüsse aus der DDR“

Bansin/Leipzig „Grüsse aus der DDR“

Sturmtief „Axel“ spült Flaschenpost an den Bansiner Strand

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Zwischen Ästen, Seegras und Wurzeln fand die Fotografenmeisterin diese kleine Flaschenpost (r.).

Quelle: Foto: Gabriela Messlin

Bansin/Leipzig. Gabriela Messlin ist kein typischer Strandgutjäger. Doch als sich das Hochwasser nach dem Sturmtief „Axel“ dieser Tage von Usedoms Küste wieder zurückgezogen hatte, ging auch die Bansiner Fotografenmeisterin an den Strand. „Ich war neugierig, wollte sehen, was das Hochwasser angerichtet und vielleicht auch angeschwemmt hat“, sagt sie.

OZ-Bild

Sturmtief „Axel“ spült Flaschenpost an den Bansiner Strand

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Ein wenig hoffte sie, dass sie zwischen all dem Geröll, Ästen, Wurzeln und was die See sonst noch an den Strand gespült hatte, auf etwas Spannendes stoßen würde. „Das sah schon ganz schön schlimm aus. Da waren viele Leute, die sich das genau ansahen und suchten. Die meisten wahrscheinlich, wie ich, nach Bernstein.“

Doch dieses Glück widerfuhr der 50-Jährigen an diesem Morgen nicht. Dafür zog etwas Anderes ihre Aufmerksamkeit an. Sie bestaunte gerade, welch bizarre Naturgebilde die tobende See geschaffen hatte, als ihr Blick auf eine kleine Glasflasche fiel. Sie war mit einem weißen Plastedeckel verschlossen, der nur ein wenig Wasser eingelassen hatte. „Da wurde ich neugierig. Als ich genau hinsah, entdeckte ich an der Flaschenwand einen vergilbten Zettel“, erzählt sie.

Die Wortfetzen „werden gegenwärtig“ und „zuständige Organe der DDR“ waren deutlich zu lesen und weckten noch mehr Neugier. „Ich fand das spannend, fotografierte alles, nahm die Flasche erst einmal mit in den Laden und zeigte sie stolz herum“. Abends versuchte sie gemeinsam mit ihrem Mann Andreas, an den Zettel, der offensichtlich ein Zeitungsschnipsel war, zu kommen. „Weil er ein wenig nass geworden war, klebte er fest an der Flasche. Dass wir den Deckel abbekamen, brachte uns nicht weiter. Wir mussten das Glas zerschlagen. Dabei riss der nasse Zettel leider ein wenig ein.“ Später bereute Gabriela Messlin, nicht gewartet zu haben, bis der Inhalt getrocknet war. Der Zettel bekam einen Riss. Dennoch stand dort gut lesbar: „Grüsse aus Leipzig über Loppe/Ostsee – Tel. 46184“.

Aus dem Schriftzug und der Tatsache, dass „Grüsse“ mit „ss“ geschrieben war, wie sie es von ihrem Opa aus Altenburg kannte, schlussfolgert die Bansinerin, dass der Absender ein älterer Mensch war:

„Ob er überhaupt noch lebt? Ich mache mir darüber Gedanken, wie die Flasche in die Ostsee kam. Unter dem Eindruck von Lagerfeuer- Romantik? Alles wirkt improvisiert. Vielleicht waren Kinder dabei, die sich freuen zu erfahren, dass ihre Flasche angespült wurde, wer weiß.“

Ihr kriminalistischer Eifer war geweckt. Im Internet stieß die Fotografin unter „Loppe“ auf einen Flohmarkt in Dänemark. Sehr unwahrscheinlich, dass ein DDR- Bürger von dort Grüße per Flaschenpost sandte, die auch noch ankamen. „Weil doch aber im Sächsischen häufig ein P als B gesprochen wird, kann es sein, dass sich der Absender vertan hat und die Flasche in Lobbe auf Rügen, nicht in Loppe, ins Wasser warf . . .“

Mit Hilfe der Kollegen von der Leipziger Volkszeitung wird heute nach dem Absender gesucht. Die Zeitung startet mit der Veröffentlichung dieser Geschichte einen Aufruf, in dem auch die Telefonnummer aus DDR-Zeiten veröffentlicht wird. Redakteur Björn Meine und seine Kollegen durchforsten unterdessen ein altes Telefonbuch der Sachsenmetropole. Gabriela Messlin ist sehr gespannt, was die Suche bringt, und die OZ bleibt dran.

Angelika Gutsche

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