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Grundschul-Jungs werden zu Altenpflegern und Therapeuten

Grimmen Grundschul-Jungs werden zu Altenpflegern und Therapeuten

Viertklässler der Friedrich-Wilhelm-Wander-Schule besuchen das Kursana-Pflegeheim / Zahl der männlichen Bewerber für Pflegeberufe steigt – ist aber noch immer gering

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Aufgabe in der Sportgruppe: Philipp Schumacher erhält von Anneliese Knoll (l.) ein Säckchen und gibt es an Ursel Kroß weiter.

Quelle: Fotos: Katharina Ahlers

Grimmen. Der zehnjährige Philipp Schumacher fängt das Säckchen, das Anneliese Knoll ihm zuwirft. Kaum hat er es an die 88-Jährige Ursel Kroß weitergereicht, wirft Knoll bereits das nächste Kissen. „Dieser Sport ist anders als der, den ich kenne“, sagt Philipp. „Aber dieses Spiel hier macht auch Spaß.“

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Viertklässler der Friedrich-Wilhelm-Wander-Schule besuchen das Kursana-Pflegeheim / Zahl der männlichen Bewerber für Pflegeberufe steigt – ist aber noch immer gering

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Mit 13 Klassenkameraden verbringt der Viertklässler der Grimmener Wander-Grundschule den Tag im Senioren- und Pflegeheim „Kursana“ und nimmt unter anderem am Sportprogramm teil.

Der Besuch wird zeitgleich zum landesweiten „Jungs-Tag“ veranstaltet, der Schülern ab der fünften Klasse die Möglichkeit bietet, Berufe auszuprobieren, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden.

Die Grundschule nimmt den Aktionstag zum Anlass, bereits den Viertklässlern einen ersten Einblick in Altenpflege und Ergotherapie zu ermöglichen und das Interesse für den Berufszweig zu wecken.

„Besonders bei männlichem Fachpersonal ist der Bedarf groß“, sagt Silvia Reich, Qualitätsbeauftragte bei Kursana. „Das hängt unter anderem mit der steigenden Zahl männlicher Pflegebedürftiger zusammen.“ Derzeit seien 20 Prozent der 110 Heimbewohner männlich – vor einigen Jahren waren es nur zwei Prozent. „Neben 55 Frauen arbeiten fünf Männer bei uns im Haus und in der Pflege“, sagt die stellvertretende Pflegedienstleiterin. „Die Zahl der Bewerber steigt zwar leicht, ist aber gering.“

Philipp könnte sich gut vorstellen, später mit älteren Menschen zu arbeiten. „Ich freue mich immer, wenn wir zu meinen Großeltern fahren“, sagt der Zehnjährige. „Alte Leute wissen viel und wir können einiges von ihnen lernen.“ Sein Freund Marlon Holtz nickt zustimmend. „Ich weiß jetzt, dass ich vorsichtig sein muss, weil viele etwas schwächer sind“, sagt der Zehnjährige. „Manchmal muss ich auch lauter sprechen, damit sie mich verstehen. Aber das ist okay.“

Um sich noch stärker in die Situation der Senioren hineinversetzen zu können, begleiten die Schüler nicht nur die Sport- und die Sitztanzgruppe, sondern führen auch Selbstversuche durch, die Hilflosigkeit simulieren. Sie setzen sich beispielsweise Brillen auf, die die Sicht verschlechtern, oder nehmen in einem Patientenlift Platz. „Dieser hilft uns, Pflegebedürftige zu heben, um sie auf einen Stuhl zu setzen oder zu waschen“, erklärt Silvia Reich den Jungs. „Den möchte ich mal ausprobieren“, ruft Marlon.

„Es ist schön zu sehen, wie aufgeschlossen die Kinder mit den Senioren umgehen“, lobt Doreen Baarhs, Integrationsbegleiterin der Grundschule. „Ich glaube, sie verstehen nun, dass der Job körperliche Arbeit erfordert und auch Männern Spaß machen kann.“

Auch die Senioren freuen sich über den Besuch. „Die Kinder sind so lieb und gleichzeitig aufgeweckt“, sagt die 84-Jährige Anneliese Knoll. „Die meisten von uns haben Enkel. Auch wenn meine beiden schon erwachsen sind, erinnert mich das an die Zeit, als sie klein waren.“ Ursel Kroß fühlt sich vielmehr an ihre eigene Kindheit erinnert. „Als ich klein war, habe ich mich gefreut, wenn die Erwachsenen mit mir gespielt haben, heute freue ich mich, wenn Kinder zu uns kommen“, sagt sie und lächelt.

Jungs-Tag in Mecklenburg-Vorpommern

19,3 Prozent der Lehrlinge im Pflegebereich sind laut Bildungswerk der Wirtschaft MV männlich. Auch in anderen sozialen und pädagogischen Berufszweigen seien Männer unterrepräsentiert. In der Grundschulpädagogik seien es 14,6 Prozent, in der Hauswirtschaft lediglich 5,1 Prozent.

Für Jungen ab der fünften Klasse gab es gestern, wie jedes Jahr am zweiten Mittwoch vor den Herbstferien, den „Jungs-Tag“. Organisiert wird er von der Vereinigung der Unternehmensverbände für MV sowie dem DGB Nord.

• Internet: www.jungstag-mv.de

Katharina Ahlers

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