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Gut behütetes Wissen aus Jahrhunderten

Barth Gut behütetes Wissen aus Jahrhunderten

Einmal pro Woche können Besucher der Kirchenbibliothek einen Blick auf 600 Jahre alte Schätze werfen

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Hiltrud Uphues öffnet für die Besucher den lange Zeit gehüteten Schatz in der Barther Kirchenbibliothek.

Quelle: Carolin Riemer

Barth. Etwa vier Kilogramm wiegt das Buch, das Hiltrud Uphues vorsichtig auf den Schreibtisch legt. Gedruckt wurde das „Theatri Europaeum“ im Jahr 1667. Behutsam schlägt die 71-Jährige es auf. Ein Raunen entfährt den acht Gästen, die sich dem Rundgang durch die Barther Kirchenbibliothek anschlossen.

So winzig hätte sich wohl niemand von ihnen die lateinische Schrift in dem großen Buch vorgestellt. In dem Werk ist die Geschichte des 17. Jahrhunderts in Europa dargestellt. Nun gehört es selbst zur Geschichte. „Ein wahrer Schatz“, sagt Kristina Beck als sie die Illustrationen betrachtet. Es handelt sich um Kupferstiche des deutsch-schweizerischen Künstlers Matthäus Merian (1593 bis 1650).

Sieben meterhohe Regale tragen das Wissen der vergangenen Jahrhunderte. 4000 Bücher sind es insgesamt. Die „Biblioteca Bardensis“ wurde erstmals im Jahr 1451 erwähnt und ist etwas besonderes, erklärt Hildtrud Uphues. „So eine Bibliothek in der Kirche gibt es deutschlandweit nämlich kein zweites Mal.“

Besucher Wolfgang Marks aus Zingst brennt eine Frage auf der Seele. „Warum wussten so lange nicht einmal die Mitglieder der Kirchgemeinde, dass es hier eine Bibliothek gibt?“ Marks wurde in der Barther Kirche getauft, besuchte sie regelmäßig. Trotzdem erfuhr er erst jetzt von dem Kulturschatz hinter den alten Gemäuern. Hildtrud Uphues, die seit sechs Jahren die Kirchenbibliothek ehrenamtlich betreut, kann nur eine Vermutung anstellen. „Wahrscheinlich, um die Werke zu schützen.“ Die Geheimhaltung habe auf jeden Fall etwas Gutes bewirkt. „So wurden sie zu DDR-Zeiten nicht gegen Devisen verkauft.“ Vor drei Jahren wurde die Büchersammlung feierlich wiedereröffnet und kann besichtigt werden.

Im vergangenen Winter wurden alle Kostbarkeiten in Leipzig von Spezialisten gereinigt, getrocknet und vom Schimmel befreit. 100 Bücher restaurierte Cornelia Hanke aus Berlin. 40 000 Euro kostete das Projekt.

Hiltrud Uphues zieht behutsam ein weiteres Buch aus dem Regal - eine hebräische Bibel aus dem Jahre 1552. „Darf ich so ein Buch bei Ihnen ausleihen?“, fragt Wolfgang Marks lächelnd. „Natürlich nicht“, antwortet Bibliothekarin Uphues. Die Kirchenbibliothek ist eine ruhende Bibliothek. „Sie können aber bei berechtigtem Interesse hier studieren.“

Jeden Mittwoch führt Hildtrud Uphues Gruppen durch den kleinen Raum im hinteren Teil der Kirche. Hauptsächlich theologische Schriften, aber auch mathematische, geschichtliche und Kirchengesetzestexte sind in den Reihen der schweren, in Leder gebundenen Bücher zu finden. Darunter, die komplette private Sammlung des Barther Reformators Johannes Block. 1545 vermachte er seine Bücher der Barther Kirche. Nun gehören sie zu den ältesten der Sammlung. Die Inhalte, festgehalten in Latein und Hebräisch, sind jedoch schwer zu erschließen. Hildtrud Uphues kann nur vereinzelte Passagen übersetzen.

Interesse weckt bei den Besuchern auch das Barther Tageblatt. In einer Ausgabe von 1918 betrachten sie Schlachtenkarten und besonders ausgiebig die Anzeigen. „Damals gab es noch einen Pferdeschlachter in Barth“, sagt Wolfgang Marks und tippt auf die Seite. „Sie können hier auch nachlesen, wann Kaiser Wilhelm zur Kur fuhr, oder ob er gerade unter einem Schnupfen litt“, erzählt Hiltrud Uphues.

Eigentlich sollte der Rundgang nur eine halbe Stunde dauern, damit die Luftfeuchtigkeit in der Bibliothek möglichst gering bleibt. Mittlerweile ist eine Stunde vergangenen. Die Besucher sind entzückt. „Eine wahre Schatztruhe haben Sie hier für uns geöffnet“, sagt Kristina Beck und verabschiedet sich.

Führung mittwochs, 14 Uhr

Von Carolin Riemer

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