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Grimmen Gute Aussichten für Vorpommern
Vorpommern Grimmen Gute Aussichten für Vorpommern
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04:30 03.01.2018
Harry Glawe, Wirtschaftsminister M-V und Grimmens Stadtpräsident, im Interview. Quelle: Raik Mielke
Ribnitz-Damgarten/Bergen/Grimmen/Stralsund/Greifswald

OSTSEE-ZEITUNG: Was war Ihr schönstes und was ihr negativste Erlebnis 2017?

Harry Glawe: Das schönste ist, dass es mit den Werften, vor allem in Stralsund, wieder vorangeht. In der Auftragsliste stehen hier bekanntlich drei Luxusschiffe, die fürs Nordmeer gedacht sind. Jedes der Schiffe hat einen Umfang von 300 Millionen Euro. Damit können rund 500 Leute in Arbeit gehalten werden. Auch die Zulieferbetriebe profitieren davon. Das ist ein gutes Signal für Vorpommern. Ein negatives Erlebnis fällt mir auf Anhieb gar nicht ein.

Gilt somit auch für Vorpommern, was für ganz Deutschland gilt, dass die Wirtschaft wächst und wächst?

99,6 Prozent der Unternehmen in der Region sind mittlere Betriebe mit einem bis 249 Arbeitnehmern. Und die haben meist volle Auftragsbücher. Suchen Sie mal einen Maler, der ihnen ihre Wohnung renoviert, da müssen sie oft bis zu einem halben Jahr drauf warten. Auch die Zahl der Arbeitslosen ist zurückgegangen. Aktuell sind es in Vorpommern-Rügen 9,3 Prozent, im Sommer waren es deutlich weniger. Das sind schon gute Werte. Wobei sich die Region Grimmen im Vergleich zu anderen Regionen immer noch positiv hervorhebt.

Wenn Sie über positive Zeichen der Wirtschaft reden, nennen Sie oft das Pommerndreieck als Beispiel. Aber außer einem Aldi ist dort 2017 nichts Neues hinzugekommen.

Auf dem Pommerndreieck mit seinen insgesamt 300 Hektar arbeiten mittlerweile 1200 Menschen. Man darf dabei nicht nur den Teil in der Gemeinde Süderholz sehen. Auch das komplette Grimmener Gewerbegebiet „Am Stadtwald“ mit seinen 63 Hektar gehört zum Pommerndreieck. Hier sind allein 1000 Menschen tätig. 150 bis 200 Arbeitsplätze kommen demnächst dazu. Unter anderem bei der AkkuSys Akkumulator und Batterietechnik Nord GmbH. Das Hamburger Unternehmen errichtet hier eine Betriebsstätte mit 30 neuen Arbeitsplätzen. Den Rohbau sieht man bereits. Die Produktion soll in einem Jahr starten. Seitens des Landes betreiben wir sowohl fürs Pommerndreieck als auch für einen Standort in Pasewalk eine Offensive, um damit den Aufholprozess in Vorpommern zu beschleunigen. Derzeit werden für 2,5 Millionen Euro 10 Hektar Fläche am Pommerndreieck weiter erschlossen.

Viele Menschen befürchten mit dem Beginn der Urlaubersaison noch größeres Chaos wegen der abgesackten A 20 bei Tribsees. Was dann?

Die Landesregierung ist dabei, eine Umfahrung um Langsdorf einzurichten, die Entlastung bringen soll. Dabei befinden wir uns jetzt in der Planungsphase. Wichtig ist, dass der Bund zugesagt hat, die entsprechenden Kosten dafür zu tragen. Komplett fertig sein wird die A 20 aber frühestens in vier bis fünf Jahren. Darauf müssen wir uns einstellen. Das kaputte Teilstück stellt uns alle vor Herausforderungen. Dabei ist viel Aufklärungsarbeit zur Situation von allen Beteiligten nötig. Hier sind Hotels, Pensionen und auch die Tourismuszentralen gefordert.

Es gibt ja leider für Urlauber nicht einmal eine Alternative auf dem Schienenweg. Von Hamburg nach Greifswald existiert eine einzige IC-Verbindung pro Tag. Ab 8. Januar bis in den April fällt auch diese weg. Dann müssen Reisende wegen Bauarbeiten in Bad Kleinen dreimal umsteigen und brauchen weit über drei Stunden mit dem Regionalzug allein von Schwerin. Warum lassen wir uns so etwas von der Bahn bieten?

Nur eine Direktverbindung nach Greifswald ist vor allem auch für die Studenten unbefriedigend. Aber dafür ist der Bund verantwortlich. Dem Land obliegen nur die Regionalverbindungen. Zwei Jahre beträgt die Vorlaufzeit, um Änderungen zu erreichen. Die Landesregierung setzt sich dafür ein. Allerdings bedarf es des Zusammenschlusses aller politischen Kräfte, um hier etwas zu erreichen. Übersehen dürfen wir dabei allerdings auch nicht, dass im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern 88 Prozent aller Reisenden mit dem Pkw unterwegs sind.

Als Gesundheitsminister sind Sie auch für die ärztliche Versorgung der Bevölkerung zuständig, die im ländlichen Bereich immer schwieriger wird. Was die Hausarztversorgung betrifft, trägt die Region Grimmen bundesweit die rote Laterne. Gibt es Auswege?

In Grimmen könnten sofort 7,5 Ärzte angesiedelt werden. Man muss hier bereits von einer Unterversorgung sprechen, was natürlich kein gutes Zeichen für die Region ist. Es muss daher schnell etwas geschehen. Wir haben Professor Hoffmann von der Community Medicine in Greifswald beauftragt, uns dazu Vorschläge zu unterbreiten. Dabei geht es um eine sektorübergreifene Versorgung, in die ambulant wie stationär tätige Mediziner eingebunden werden sollen. Vor fünf Wochen haben wir das Thema mit der für die Ärzteversorgung zuständigen kassenärztlichen Vereinigung ausführlich beraten und dabei massiv eingefordert, dass sich hier bald etwas ändert.

Etwas ändern sollte sich ab 1. Januar 2018 auch in der Theaterlandschaft. Das Theater Vorpommern in Stralsund und Greifswald und die Theater- und Orchestergesellschaft Gesellschaft Neubrandenburg/Neustrelitz sollten zum Staatstheater Nordost fusionieren. Über drei Jahre wurde Kraft und Zeit in die Verhandlungen investiert. Jetzt erklärt die Landesregierung alles für null und nichtig.

Was heißt die Landesregierung. Die Träger der Theater, also die Kommunen und Landkreise, haben Sorge, dass die Fusion nicht zu den gewünschten Zielen führt. Deshalb wird jetzt über eine Kooperation der Häuser diskutiert.

Diese kann doch nichts anderes beinhalten, als Stücke in Form von Gastspielen auszutauschen. Damit ändert sich aber nichts an Strukturen und vor allem an der Finanzierung?

So ist es. Es wird immer wieder Geld fehlen, welches das Land beisteuern soll. Über diese Frage muss man jetzt weiter diskutieren.

Ende 2016 haben Sie gesagt, dass Grimmen von einigen seiner Industriebrachen befreit wird, nämlich der von GutsGold und jener der alten Ziegelei. Passiert ist aber nichts.

Das Programm ist leider erst im Herbst ausgeschrieben worden. Wir hoffen, dass der Zuschlag bald erteilt werden kann. 2018 muss hier aber etwas passieren.

In der Straße der Befreiung harrt ein leergezogener Block der Grimmener Wohnungsgesellschaft GWG weiter auf den längst geplanten Abriss. Warum?

In der Gesellschaft ist man aber nicht untätig. In Friedland haben sich Vertreter gerade angeschaut, wie Rückbau kostengünstig vonstatten gehen kann und wie man moderne Wohnungszuschnitte, die den Mieterinteressen entgegen kommen, erreicht. Wir warten jetzt auf Entscheidungen. Es betrifft ja auch weitere Blöcke. Die Wohnungsgenossenschaft, als zweitgrößte Grimmener Wohnungsgesellschaft, ist schon etwas weiter. Sie wird bekanntlich an der Orenburger Straße einen Block barrierearm umgestalten und mit Aufzügen ausrüsten.

Aber zurück zur stadteigenen Grimmener Wohnungsgesellschaft. Auf einem OZ-Forum im Sommer, als es ums Wohnen in Grimmen ging, glänzte die GWG durch Abwesenheit. Jetzt hört man sogar, dass das Unternehmen verkauft werden soll?

Sicher gibt es immer mal wieder Anfragen, die insgesamt zu wenig konkret sind. Unternehmen und Aufsichtsrat sind hier zunächst gefordert, damit umzugehen. Fakt ist, dass der Sanierungsprozess bei der GWG läuft. Wir haben in den vergangenen Jahren eine Menge bewegt. Die Stadt schießt Geld dazu, so dass hier keine Schieflage entsteht.

Ein ebenso wichtiges Thema in Grimmen sind die dringend notwendigen Anbauten an die Neubauer- und die Robert-Koch-Schule, weil beide Einrichtungen aus allen Nähten platzen. Bei der Neubauerschule wurde kurz vor Weihnachten noch die Grundplatte gegossen, aber was ist mit der Regionalschule?

Bei der Neubauer-Schule feiern wir am 29. Januar die Grundsteinlegung. Sie soll noch 2018 fertig werden. Der Anbau für die Regionalschule wird jetzt geplant. Ich hoffe, dass Ende 2019, aber spätestens 2020 Baubeginn sein wird. Wir müssen da massiv Druck machen. Vor allem muss das Grimmener Bauamt personell verstärkt werden, weil vor ihm ein Batzen Arbeit liegt. Es geht schließlich um acht Millionen Euro und darum, die Region zukunftssicher zu machen. Auch der Tierpark muss in der Antragsstellung unterstützt werden. Hier stehen Investitionen von über zwei Millionen Euro an. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, wollen wir 2018 starten. Das Wirtschaftsministerium wird das Vorhaben entsprechend begleiten.

In Miltzow in der Gemeinde Sundhagen soll sogar eine Grund- und eine weiterführende Schule komplett neu errichtet werden. Auch das zieht sich hin. Schon im Sommer 2016 war im Beisein der Bundeskanzlerin und Ihnen werbewirksam ein Bauschild aufgestellt worden.

Dort geht es um insgesamt 13 Millionen Euro. Die Ausschreibungen mussten deshalb europaweit erfolgen, dadurch hat sich eine Verzögerung ergeben. Aber es ist besser so. Denn wäre später festgestellt worden, dass gegen Ausschreibungkriterien verstoßen wurde, hätte die Gemeinde möglicherweise dafür zahlen müssen, was sie gar nicht gekonnt hätte. 4,8 Millionen Euro fließen hier in die Grundschule, weitere acht Millionen Euro in die Regionalschule. Am Ende steht dann hier ein Objekt, das modernsten Standards entsprechen wird. Plus eine Zweifelder-Sporthalle. Baubeginn ist spätestens 2019.

2018 ist auch ein politisch wichtiges Jahr. Am 27. Mai sind Landratswahlen und Ralf Drescher, mit dem Sie nicht immer einer Meinung waren, tritt nicht mehr an.

Wichtig ist, dass die Menschen am Wahltag an die Wahlurne gehen. Die demokratischen Kräfte müssen weiter gestärkt werden. Da zählt jede Stimme. Die CDU hat mit dem Kommunalpolitiker und Bäderverbandpräsidenten Andreas Kuhn einen erfahrenen Kandidaten aufgestellt, der die Verwaltung, die Menschen und den Landkreis bestens kennt. Er hat die Region touristisch vorangebracht. Seine langjährigen Kontakte sind uns wichtig, um die Wirtschaft in Vorpommern-Rügen auch weiter voranzubringen.

Reinhard Amler

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