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Grimmen „Hä, heute wieder das Tank-Auto?“
Vorpommern Grimmen „Hä, heute wieder das Tank-Auto?“
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00:00 29.08.2018
Hier gibt’s Platz zum Laden, aber sonst kaum Möglichkeiten: Die Ladestation auf dem Gelände der Stadtwerke Greifswald. Quelle: Fotos: Benjamin Fischer
Greifswald

Die Enttäuschung stand meinem dreieinhalbjährigen Sohn ins Gesicht geschrieben, nachdem wir das Elektroauto der Stadtwerke Stralsund einen Tag lang auch in Greifswald getestet hatten und dann wieder zurückgeben mussten. „Hä, heute wieder das Tank-Auto?“, presste er sogleich heraus, als es nach dem Test wieder mit dem Verbrenner in Richtung Kita ging.

Verbrenner – das scheint unter E-Auto-Fahrern eine Art abfälliger Wir-sind-Fortschritt-Kampfbegriff für Fahrzeuge zu sein, die noch mit Benzin oder Diesel angetrieben werden. Man lernt das beim Reden an der Stromtankstelle, wo E-Autos und die Menschen darin aufeinander treffen. Das Fahren mit dem Elektroauto ist anders als im Verbrenner eine Art der Mobilität mit kommunikativen Begleiterscheinungen voller Anerkennung, die an einer konventionellen Tankstelle undenkbar wären. „Wie weit kommt der denn?“, fragt ein Rentner, der beobachtet, wie ich das Ladekabel abziehe und wegdüsen will. „300 Kilometer!“ Der Mann staunt. „Das ist ja schon richtig was.“ Derartige Gespräche gehören zum Tagesprogramm, wenn man so ein Auto fährt. Neben der Faszination, die ein eingestecktes Ladekabel bei vielen Menschen hervorzurufen scheint, gibt es einen zweiten Grund, der diese Gespräche befördert: Ladesäulen sind dann besonders beliebt, wenn sie mitten im Leben stehen, wo viele Menschen unterwegs sind: direkt in der Innenstadt, am Schwimmbad oder neben dem Einkaufsmarkt.

Und das Leben mit dem Renault Zoe, so heißt mein Modell für diesen Tag, ist viel einfacher, wenn man ihn dort laden kann, wo es sich aushalten lässt. Deshalb folgender Plan am Nachmittag: Eis essen auf dem Greifswalder Markt und nebenbei laden. Als wir die Ladesäule ansteuern, sind alle Plätze belegt. Ein großer schwarzer, etwas bonzig aussehender Tesla und ein E-Golf ziehen Strom. Ob beide nicht längst vollgeladen sind und hier nur noch kostenlos parken, bleibt im Dunkeln. Eis gab’s aber trotzdem. Dafür in der nahe gelegenen Tiefgarage keine Ladestation. Am nächsten Morgen das gleiche Spiel. Wieder kein Platz an der Ladesäule am Rathaus. Ab zum Freizeitbad, auch hier alles voll. Ausgerechnet in einer von einem Grünen-OB regierten Stadt gibt’s inzwischen offenbar zu wenig Ladesäulen, obwohl in Greifswald bisher nur 25 E-Autos zugelassen sind (Stralsund: 18). Am Stadtrand, auf dem Gelände der Stadtwerke Greifswald, sind indes alle Ladeplätze frei. Nur womit soll man sich hier draußen die Zeit vertreiben?

Fazit: Wenn Ladesäulen sich dort befinden, wo wir die Autos im täglichen Leben sowieso abstellen, dann funktioniert der Alltag mit dem E-Auto super – auch für Pendler, die in einem Mehrfamilienhaus leben und deshalb keine eigene Ladebox in der Auffahrt haben.

Benjamin Fischer

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