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Haus an der Trebel – die letzte Heimat für Flori

Grimmen Haus an der Trebel – die letzte Heimat für Flori

Angehörige dankbar: Schwerkranker 22-Jähriger wurde bis zu seinem Tod in Grimmener Heim liebevoll betreut.

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Hartmut Schnell und Sarina Adam trauern um Florian Adam, der unheilbar krank war.

Quelle: Almut Jaekel

Grimmen. Sarina Adam und ihr Lebensgefährte Hartmut Schnell trauern um Florian. Mit gerade mal 22 Jahren ist der Sohn von Sarina Adam Ende Oktober gestorben. Und doch sind beide voller Dankbarkeit. Denn Florian Adam, der seit seinem neunten Lebensjahr an der unheilbaren Krankheit Chorea Huntington litt, wurde während der letzten vier Jahre seines Lebens im Grimmener Schwerstbehindertenheim „Haus an der Trebel“ des Pommerschen Diakonievereins umsorgt.

Diagnose war ein Schock

Eigentlich tritt die Krankheit erst bei Erwachsenen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf, hatte Sarina Adam erfahren, als nach langwierigen Untersuchungen die Diagnose bei ihrem Sohn vor gut zwölf Jahren feststand: Chorea Huntington, eine unheilbare Krankheit, die ihr Kind vollständig zerstören wird. „Das war ein Schock für uns“, erinnert sie sich.Florian wurde als ihr sechstes Kind geboren. „Er war zwar etwas kleiner und leichter als meine anderen Kinder, aber es war zunächst alles in Ordnung“, erzählt die heute 57-Jährige, die damals in Greifswald, seit einigen Jahren aber in Krien – knapp 40 Kilometer südlich der Hansestadt lebt. Als Florian fünf war, lernte Sarina Adam Hartmut Schnell kennen. Auch damals schien der Steppke noch gesund. Aber auffällig sei der Junge schon vor seinem neunten Geburtstag gewesen, erzählt sie. Nie habe sie jedoch Schlüsse daraus gezogen, dass Florian beispielsweise viel öfter hingefallen sei als ihre anderen Kinder. Von einem Tag auf den anderen sei dann der rechte Fuß nach innen verdreht gewesen. Alles wurde immer schlimmer, bis schließlich mit einer Blutuntersuchung die Erbkrankheit festgestellt wurde. „Florian verlernte schließlich das Laufen und das Sprechen“, beschreibt Sarina Adam.

Acht Jahre lang zu Hause gepflegt

Bis Florian 18 war, haben ihr Mann und sie ihn acht Jahre lang zu Hause gepflegt. Doch das Haus in Krien ist nicht behindertengerecht, hat Stufen, ist recht verwinkelt und teilweise eng gebaut. Florian saß mittlerweile im Rollstuhl. „Während seiner letzten drei Jahre hier in Krien war es eine Tag- und Nacht-Pflege. Es wurde immer schwieriger, Florian immer kräftiger, obwohl er sehr dünn war. Wir waren am Ende.“ Sarina Adam konnte die Pflege des erwachsenen jungen Mannes sowohl körperlich als auch nervlich nicht mehr stemmen. „Zunächst hatten wir die Möglichkeit, einen sogenannten Pflegeurlaub zu nehmen, und Florian wurde in dieser Zeit drei Wochen lang im Grimmener ’Haus an der Trebel’ betreut“, erinnern sich die beiden. „Die Bedingungen und vor allem die liebevollen Mitarbeiter haben uns sehr gut gefallen und schnell überzeugt“, begründet Hartmut Schnell die endgültige Entscheidung für dieses Haus.

Im Heim auf Wünsche eingegangen

„Diese letzten vier Jahre waren für uns alle – auch für Florian – sehr wichtig und richtig“, sind sie heute überzeugt. „Wir konnten unseren Flori besuchen, wann immer wir wollten“, erzählen sie. Beide hatten aber auch zumindest zeitweise wieder ein eigenes Leben. Begeistert waren Hartmut Schnell und Sarina Adam vor allem, weil im Grimmener Heim so gut auf die Wünsche und Bedürfnisse ihres Sohnes eingegangen wurde. Beispielsweise wollte er partout nicht in einem Bett schlafen, wälzte sich stattdessen auf dem Boden, verletzte sich sogar und brachte seine Eltern um die Nachtruhe. Deshalb hätten die Heimmitarbeiter ihm ein richtiges ausgepolstertes Nest gebaut und Schritt für Schritt daran eingewöhnt.Ganz zuletzt hat Florian seine Eltern wohl nicht mehr erkannt, konnte auch nicht mehr in einem richtigen Rollstuhl sitzen, wurde über eine Magensonde ernährt. „Aber Flori hat bestimmt gespürt, dass wir da waren“, meint seine Mutter, die beim letzten Besuch lange seine Hand hielt. „Zum Schluss war er schon mehr auf der anderen Seite“, fügt Hartmut Schnell an. Aber die Liebe und Freundlichkeit im Pflegeheim habe er bestimmt mitbekommen, sind sie überzeugt. „Deshalb sind wir dankbar, dass er dort sein durfte und dort auch friedlich einschlafen konnte“, sagen sie heute. Die Mitarbeiter haben ermöglicht, dass beide sich anschließend persönlich von Florian verabschieden konnten und auch ein paar Tage später eine Andacht organisiert.Übermorgen wird Florian in Krien beerdigt. „Wir wollen ihn hier haben“, sagt seine Mutter. Und die gesamte Familie wird dann dort sein, um Florian Tschüss zu sagen.

Unheilbare Krankheit:

Chorea Huntington ist eine bis heute unheilbare erbliche Erkrankung des Gehirns, gekennzeichnet durch unkoordinierte Bewegungen bei schlaffem Muskeltonus.

Betroffene leiden an der fortschreitenden Zerstörung eines Bereichs des Gehirns, der für Muskelsteuerung und grundlegende mentale Funktionen wichtig ist, des Striatums.

Meist kommt es um das 40. Lebensjahr zu ersten Krankheitssymptomen wie Bewegungsstörungen und psychischen Symptomen. Die Krankheit nimmt immer einen schweren Verlauf und führt im Durchschnitt 15 Jahre nach den ersten Symptomen zum Tod.

Das „Haus an der Trebel“ des Pommerschen Diakonievereins bietet insgesamt bis zu 48 schwerstmehrfach-behinderten pflegebedürftigen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mittel- bis langfristig ein Zuhause.

Almut Jaekel

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