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Hausärzte: Grimmen ist deutschlandweit Schlusslicht

Berlin/Grimmen Hausärzte: Grimmen ist deutschlandweit Schlusslicht

Aktueller Ärzteatlas der AOK bescheinigt der Trebelstadt eine Unterversorgung mit Allgemeinmedizinern / Sieben Praxen könnten sofort besetzt werden

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Vielfach ist das bereits Realität. Karikatur: Walter Stoy

Berlin/Grimmen. Nun ist es auch amtlich. Grimmen ist, was Hausärzte angeht, unterversorgt. Der aktuelle Ärzteatlas des Wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) bescheinigt der Region eine Versorgung von lediglich 67,3 Prozent. Zum Vergleich: Deutschlands führende Stadt in der Hausärzteversorgung, Westerland auf Sylt, hat einen Versorgungsgrad von 208,7 Prozent. Im benachbarten Greifswald sind es 128 Prozent. Deutschlandweit liegt der Schnitt bei 109,6 Prozent. Das bestversorgte Bundesland ist Berlin mit 118 Prozent.

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Aktueller Ärzteatlas der AOK bescheinigt der Trebelstadt eine Unterversorgung mit Allgemeinmedizinern / Sieben Praxen könnten sofort besetzt werden

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Wie kommt man nun auf diese Zahlen? Joachim Klose, einer der Autoren der Studie, erläutert, dass laut Bedarfsplanungsrichtlinie von einem niedergelassenen Allgemeinmediziner pro 1671 Einwohnern ausgegangen wird. Werden diese Zahlen exakt erfüllt, kommt man auf 100 Prozent. Ab 110 Prozent spricht man von einer Überversorgung, ab 75 Prozent von Unterversorgung.

Deutschlandweit gehören in die letzte Kategorie acht der insgesamt 914 Planungsbereiche. Neben Grimmen liegen sie in Westfalen (2), Nordrhein (1), Bayern (1), Baden-Württemberg (2), Hessen (1).

Wie kommt es nun zu den unterversorgten Gebieten? Klose sagt, dass es dazu keine allgemeingültige Aussagen gibt. Die Gründe seien regional oft unterschiedlich. Auf jeden Fall spiele die Attraktivität der Orte eine große Rolle, meint er. Oft fehlten Arbeitsmöglichkeiten für die Partner von Ärzten, meist gibt es zu wenig Angebote für Kinder oder auch keine attraktiven Praxisräume. Deshalb rät Klose allen Beteiligten, angefangen von den Kassenärztlichen Vereinigungen bis hin zu den Kommunen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Warum nun ausgerechnet Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern so schlecht dasteht, könne er nicht sagen.

Die Folge dieser Unterversorgung spüren natürlich die Patienten. Nicht nur bei langen Wartezeiten in den noch zur Verfügung stehenden Praxen, sondern auch dadurch, dass Ärzte kaum noch neue Patienten annehmen. Erst vor wenigen Wochen schilderten wir den Fall eines aus Schleswig-Holstein zugezogenen älteren Ehepaares, das erst nach langem Hin und Her in Grimmen einen Arzt fand, der es jetzt behandelt.

Was sagt die Stadt dazu? Bürgermeister Benno Rüster (CDU) ist die prekäre Situation natürlich seit langem bekannt. „Deshalb sind wir ja auch ständig bemüht, Kontakte zu Ärzten zu knüpfen, die sich hier ansiedeln würden. Aktuell gibt es auch ein positives Signal“, verrät er. „Denn ein Mediziner wird demnächst wohl eine Praxis eröffnen.“ Ein anderes Vorhaben, einen ukrainischen Arzt in Grimmen anzusiedeln, habe sich dagegen zerschlagen, weil dessen Ausbildung in Deutschland leider nicht anerkannt wird. Rüster sei aber auch klar, dass mit einem neuen Arzt das Problem nicht gelöst ist, weil eine andere Praxis demnächst schließen wird. „Die Stadt ist bereit, alle möglichen Voraussetzungen zu schaffen, damit sich Ärzte ansiedeln“, betont er und nennt als Beispiel freie Wohnungen bei der städtischen Wohnungsgesellschaft, die kurzfristig in Praxen umgewandelt werden können. „Auf jeden Fall“, versichert Rüster, „wird jeder versorgt, der dringend medizinische Hilfe benötigt“ und verweist aufs Krankenhaus Bartmannshagen.

Rüsters Stellvertreterin Heike Hübner meint, dass viele junge Ärzte sich scheuen würden, eine eigene Praxis zu eröffnen. Sie würden lieber in Kliniken gehen, wo sie geregelte Dienstzeiten haben.

Dennoch sieht auch sie die Kommune in der Pflicht, alle notwendigen infrastrukturellen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich Ärzte ansiedeln können. Sie spricht von Anreizen, die geschaffen werden müssen. Dies könne Grimmen aber nicht allein, so Hübner. Deshalb will sie auf die Kassenärztliche Vereinigung und das Sozialministerium zugehen.

Im Land gibt es bereits einen Förderkatalog für Allgemeinmediziner, die sich im ländlichen Bereich ansiedeln wollen. Darin steht, dass bis zu 50 000 Euro an Zuschüssen für eine Praxisgründung gezahlt werden. Außerdem werden Weiterbildungen für junge Ärzte angeboten, die auch betriebswirtschaftliche Themen beinhalten.

In Grimmen gibt es noch acht praktizierende Hausärzte. Sieben Stellen können sofort besetzt werden. Darauf verweist die aktuelle Bedarfsplanung der kassenärztlichen Vereinigung in Mecklenburg-Vorpommern.

Was in Grimmen in Sachen hausärztlicher Unterversorgung bereits jetzt Realität ist, kann demnächst auch andere Regionen im Land betreffen, denn in Mecklenburg-Vorpommern ist ein Viertel aller Allgemeinmediziner schon heute älter als 60 Jahre. Ihr Durchschnittsalter liegt landesweit bei knapp 54 Jahren.

Hausärzte

7Hausarztstellen könnten in Grimmen sofort besetzt werden. Die Region gehört zu den acht als unterversorgt geltenden Planungsbereichen in Deutschland.

109,6 Prozent beträgt der durchschnittliche Versorgungsgrad mit Hausärzten in der BRD. Oben in der Liste steht Westerland (Sylt) mit 208,7 Prozent. Mit 118 Prozent ist Berlin als Bundesland am besten versorgt. In Greifswald beträgt die Versorgung 128 Prozent.

1671 Einwohner sollten im Idealfall auf einen Hausarzt kommen. Das ergibt einen Versorgungsgrad 100 Prozent.

Reinhard Amler

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