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Grimmen Heite: Amt ist die Schreibstube der Gemeinden
Vorpommern Grimmen Heite: Amt ist die Schreibstube der Gemeinden
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00:05 07.04.2016
Der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Miltzow, Andreas Heite, berichtete beim Männerfrühstück über seine Arbeit. Quelle: Almut Jaekel

Der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Miltzow war zu Besuch beim beim Männerfrühstück. Zum ersten mal sei Andreas Heite nach Abtshagen eingeladen worden, um über sich und seine Arbeit zu sprechen. Dabei reichen seine familiären Beziehungen nach Abtshagen weit bis ins vorige Jahrhundert zurück: Sein Großvater sei damals als Förster aus Schlesien nach Abtshagen gekommen. Andreas Heite hatte alte Fotos seines Großvaters von 1914 mitgebracht; darauf entdeckte die Männerrunde beispielsweise die Gastwirtschaft.

Heite selbst stammt aus einer Försterdynastie und wäre um ein Haar selbst Förster geworden. Zumindest hatte er Forstwirt gelernt. Doch dann wurde Heite, der jetzt 54 Jahre alt ist, im Jahr 1987 mit 25 Jahren jüngster Bürgermeister der Region in Horst. Bis zur politischen Wende habe er schon jede Menge Lehrgeld bezahlen müssen und auch das eine oder andere Fettnäpfchen erwischt — nicht zuletzt, weil auf dem Land fast jeder mit jedem verwandt sei. 1989 überzeugte ihn der Ur-Horster und „mein politischer Ziehvater Alfred Jesse“ — wie Heite sagte — als Bürgermeisterkandidat für Horst anzutreten. Als 1991 die Ämter gegründet wurden, ließ der junge Mann sich wieder überzeugen und ist jetzt seit 24 Jahren Leiter im Amt Miltzow.

22 Mitarbeiter hatte das Amt damals als Dienstleister für 6500 Einwohner. 2004 kamen nach der Auflösung des Amtes Kronskamp Elmenhorst und Wittenhagen dazu und 2009 wurde aus sieben Gemeinden die Großgemeinde Sundhagen, so dass heute mit Sundhagen, Wittenhagen und Elmenhorst drei Gemeinden mit gut 7000 Einwohnern zum Amt gehören. Die 21 Mitarbeiter sehen ihr Amt nach wie vor als „Schreibstube der Gemeinden“. Wir sind keine Aufsichtsbehörde. Die Entscheidungen fallen nicht bei uns sondern in den Gemeinden“, betonte Heite. Verständnis hat er für die Wittenhäger Abgeordneten, die sich auf neue Verhältnisse einstellen mussten: Die finanzielle Ausstattung sei überall schlechter geworden, aber die anderen Gemeinden des Amtes Miltzow waren das aufgrund der Misswirtschaft des Abwasserzweckverbandes und der damit verbundenen Verschuldung schon früher gewöhnt. „Sparen ist neu für Wittenhagen“, sagte er deshalb. Aber die Gemeinde könne das auf einem hohe Niveau: In den Ortsteilen gebe es einen guten Ausbauzustand. Jetzt sei allerdings die Schwierigkeit, alles zu erhalten.

Andreas Heite sprach nicht nur über den Ist-Zustand, sondern er nahm die Anwesenden auch mit auf eine Reise in die Vergangenheit als beispielsweise ein einziger kleiner Computer die Arbeit unterstützte. Damals gab es sogar die Möglichkeit, einem Reisenden, der vergessen hatte, sich einen neuen Ausweis für den Urlaub zu besorgen, schnell am Sonnabendabend eine neuen auszustellen. „Jetzt ist der Ausweis sicherer, aber wir sind viel technikabhängiger“, sagte er.

Heite erzählte auch, dass in den zurückliegenden 24 Jahren im Amt Miltzow wohl schon fast jeder Mitarbeiter ein Fundtier mit nach Hause genommen hatte. Der Fundhund, der bei Familie Heite bleiben durfte, genoss das viele Jahre. Fundtiere seien im Durchreisegebiet nach Rügen sowieso ein großes Problem. Genauso wie wilde Müllverkippungen.

Aktuell diskutiert werden in allen amtsangehörigen Gemeinden der geplante Neubau der Schule in Miltzow. „Ängste und Bedenken seien völlig normal. Es ist aber sehr schade, dass es zu Streitigkeiten zwischen den Gemeinden zu kommen scheint“, sagte Heite. Sundhagen plant, beide Grundschulen sowie die weiterführende Schule in einem Schulneubau in Miltzow zu konzentrieren. Wittenhagen fürchtet in diesem Zusammenhang um die Zukunft der eigenen Grundschule. „Unsere Aufgabe als Amt besteht darin, dafür zu sorgen, dass alle miteinander reden.“

Aktuell würden sich auch im Amt Miltzow Mitarbeiter mit der Asylproblematik beschäftigen, sagte Heite. Wittenhagen sei dabei ein Vorreiter. 48 Flüchtlinge — sie stammen vorrangig aus der Ukraine und Syrien, dabei ist aber auch ein Asylbewerber aus der russischen Förderation sowie ein Staatenloser — werden derzeit in Abtshagen betreut. Auch die Gemeinde Sundhagen erwarte die Zuweisung von Asylbewerbern.

Von Almut Jaekel

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