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Hier lernen die Schüler in Epochen

Schulnavigator: Die OZ stellt weiterführende Schulen vor Hier lernen die Schüler in Epochen

Waldorfschule Greifswald bietet alternative Konzepte / Lebensnahe Inhalte werden vermittelt

Grimmen/Greifswald. Die Waldorfschule ist anders. Das wird bereits vor dem Unterricht deutlich. Jeden Morgen begrüßt ein Lehrer die Schüler an der Eingangstür – per Handschlag. In der Klasse wird vor dem Unterricht der Morgenspruch gesagt. „Ich schaue in die Seele, die mir im Innern lebet. Der Gottesgeist, er webt im Sonn- und Seelenlicht“, lautet ein Teil.

Anders ist auch die Schulorganisation. Sie wird im Kollektiv erledigt. Jeden Donnerstag gibt es eine Lehrerkonferenz. So wird der Schulalltag der 340 Schüler geplant. Die Schüler behandeln im Hauptunterricht für zwei Stunden sogenannte Epochen, das sind Themen wie Heimatkunde oder Mathematik. Nach vier Wochen wird ein neues Thema begonnen, das alte ist für das laufende Schuljahr beendet.

Im Fachunterricht werden Themen individuell mit Vorträgen oder Aufsätzen vertieft.

Die Schüler sollen ihren eigenen Zugang zum Unterrichtsstoff finden. „Wir trichtern unseren Kindern nicht einfach Standardisiertes ein“, erklärt Rene Walter (46), „denn das entspräche nicht den individuellen Begabungen und Entwicklungsmöglichkeiten.“ Walter sitzt im Vorstand der „Initiative der Freien Waldorfschule Greifswald“ und ist Mitglied der 17-köpfigen Schulleitung. Einen klassischen Leiter gibt es hier nicht.

„Es ist faszinierend, die Welt im Zusammenhang zu betrachten“, findet Matthes Korthase (18) aus der 13. Klasse. „Wenn ich Mathematik beim Thema Wachstum in Biologie anwenden kann, sehe ich, wie die Formel in der Welt wirkt.“

Durch den individuellen Ansatz entwickelt sich „ein eigener Antrieb, der nicht auf Noten oder Zwang angewiesen ist“, meint Leoni Miller (13) aus der 8. Klasse. Denn erst am Ende der 11. Klasse werden Noten vergeben, damit die Schüler einen Abschluss machen können. Bis zur 10. Klasse beschreiben Lehrer die Entwicklung eines Schülers in Berichten, die sowohl die Leistung als auch erworbene Fähigkeiten, etwa im Handwerk oder in Mathe, berücksichtigen. Zudem haben Schüler von der 1. bis zur 8. Klasse den selben Klassenlehrer, ab der 9. Klasse übernehmen die Epochenlehrer. In der 12.

Klasse erwerben die Schüler die mittlere Reife. Danach entschließen sich erfahrungsgemäß zwei Drittel der Schüler, das Abitur zu machen.

Die Klassen bestehen aus 24 bis 32 Schülern. Für den Fachunterricht werden sie in kleinere Gruppen aufgeteilt, etwa im Handwerk, der Eurythmie und den Fremdsprachen. Ab der 1. Klasse werden Englisch und Russisch angeboten, ab der 7. Klasse können Schüler Spanisch oder Latein lernen. In Eurythmie, einer Bewegungslehre, werden Laute und Musik mit bestimmten Körpergesten verbunden. „Eine schöne Abwechslung zum normalen Unterricht“, nennt Mathes Korthase das. Zudem führen die Schüler in der 8. und 12. Klasse ein selbst gewähltes Theaterstück auf.

Pflichtpraktika werden in den Klassenstufen 7 bis 12 absolviert. In der 11. und 12. Klasse findet ein Sozialpraktikum statt. In sozialen Einrichtungen arbeiten Schüler zum Beispiel mit geistig Behinderten zusammen. „Dort kann man einen guten Impuls in die Welt setzen und sich selbst besser kennenlernen“, meint Nora Druckenbrod (17) aus der 11. Klasse. Das Schulgeld beträgt 170 Euro für ein Kind, 216 Euro für zwei und 246 Euro für drei oder mehr Kinder. Ermäßigungen werden für ein Jahr gewährt. Auch Eltern mit niedrigem Einkommen sollen ihre Kinder anmelden.

Christopher Gottschalk

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