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Hoher Bedarf an Lebensmitteln

Grimmen Hoher Bedarf an Lebensmitteln

Zweimal wöchentlich öffnet die Grimmener Tafel / Horst Albrecht holt täglich Spenden der Supermärkte ab / Einrichtung ist oft auch auf Spenden anderer Tafeln angewiesen

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Brot, Obst, Gemüse und sogar Blumen: Horst Albrecht lädt die Spenden der Supermärkte aus dem Transporter.

Quelle: Fotos: Katharina Ahlers

Grimmen. Horst Albrecht betrachtet eine Packung mit sechs abgepackten Äpfeln. „Die sehen gut aus“, sagt er und zeigt auf einen Riss in der Plastikfolie. „Aufgrund der kaputten Verpackung wird das wohl niemand mehr kaufen.“

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Zweimal wöchentlich öffnet die Grimmener Tafel / Horst Albrecht holt täglich Spenden der Supermärkte ab / Einrichtung ist oft auch auf Spenden anderer Tafeln angewiesen

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Es ist traurig, wie viel wegge- schmissen wird.“Susanne Taraschinski,

Leiterin Tafel Grimmen

Seit acht Jahren arbeitet der 62-Jährige bei der Grimmener Tafel. Täglich fährt er die Supermärkte der Stadt an und holt Essensspenden ab. Brote, Obst, Gemüse und Milchprodukte – Waren, die aufgrund kleinerer Mängel nicht mehr angeboten werden.

„Die Menschen, die zu uns kommen, leben am Existenzminimum und freuen sich darüber. Das ist alles noch von guter Qualität“, sagt Albrecht. Er zeigt auf einen Joghurt. „Der ist gestern abgelaufen.

Aber das ist doch nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Den kann man noch essen.“

2000 Kunden sind bei der Grimmener Tafel registriert. Wer seine Bedürftigkeit nachweisen kann, etwa anhand eines Wohngeld- oder Hartz IV-Bescheides, darf einmal wöchentlich zur Einrichtung kommen.

„Unser Bedarf an Lebensmitteln ist hoch“, sagt Chefin Susanne Taraschinski. „Im vergangenen Jahr hatten wir durch die Flüchtlinge einen großen Zuwachs. Mittlerweile hat es wieder etwas abgenommen.“

Horst Albrecht beobachtet zudem einen Rückgang der Lebensmittelspenden. „In den ersten Jahre war es mehr“, sagt der Ehrenamtler. „Die Großmärkte planen besser und müssen daher nicht mehr so viel aussortieren.“ Nach Wochenenden und Feiertagen sei der Überschuss hingegen hoch und die Ausbeute für die Tafel entsprechend gut. „Wir freuen uns über jede Spende“, sagt Albrecht. „Ab und zu fahren wir sogar nach Hamburg und bekommen etwas von der Tafel in der Hansestadt ab.“

Begleitet wird Albrecht auf seinen Touren von Vasil Buhaiov. Der Ukrainer kam im April 2015 nach Deutschland. „Ich wollte der Bevölkerung etwas zurückgeben und für mein Geld arbeiten“, erklärt der 28-Jährige. „Also habe ich im Mai 2015 angefangen.“

Mit 20 Kisten kehren die beiden Männer zur Einrichtung im Heidebrinker Weg zurück. Dort werden die Waren von weiteren Mitarbeitern entgegengenommen. „Wir sortieren und überprüfen die Lebensmittel“, sagt Taraschinski. „Manchmal geht etwas beim Transport kaputt oder ein Produkt ist schon vor zu langer Zeit abgelaufen.“ Seit sie bei der Tafel arbeitet, hat die Leiterin ihr eigenes Verhalten stark verändert. „Bevor ich vor elf Jahren die Tafel eröffnet habe, hätte ich nie etwas gegessen, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum auch nur einen Tag abgelaufen ist“, sagt sie. „Und dann habe ich hier Leute gesehen, die lange anstehen für die aussortierte Ware, weil sie wirklich drauf angewiesen sind.“

Taraschinski kauft heute bewusster ein – im Einkaufswagen landet nur das, was sie auch wirklich aufbrauchen kann. „Es ist traurig, wie viel hierzulande weggeschmissen wird“, sagt sie.

Auch die Kunden würden sorgsam mit den Spenden umgehen. „Viele tauschen Rezepte untereinander aus“, sagt Taraschinski. „Wenn jemand nicht jeden Tag nur Müsli mit Milch essen möchte, dann erklären andere, wie man Müsli-Plätzchen herstellt oder zeigen, dass es auch im Joghurt gut schmecken kann.“

Die Tafelmitarbeiter appellieren für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln. „Wir bekommen zwischendurch Unterstützung von Schülern“, sagt die Chefin. „Wenn die hier waren und sehen, wie andere auf Spenden angewiesen sind, kommen sie ins Nachdenken.“

Tafeln in Deutschland

Mehr als 900 Tafeln gibt es derzeit deutschlandweit. Sie versorgen etwa 1,5 Millionen Bedürftige. Die Grimmener Einrichtung befindet sich im Heidebrinkerweg 1 11 Millionen Tonnen Lebensmittel werden nach Angaben der Verbraucherzentrale jährlich verschwendet – von der Produktion bis zum Verbraucher. Das entspricht einem Wert von circa 25 Milliarden Euro.

Pro Person werden durchschnittlich 80 Kilogramm Lebensmittel im Jahr entsorgt.

Katharina Ahlers

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