Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen „Ich lerne plattdeutsch, damit ich meine Oma verstehe“
Vorpommern Grimmen „Ich lerne plattdeutsch, damit ich meine Oma verstehe“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:26 04.05.2018
Petra Schwan-Nandke nutzt auch Spiele, wie den „Plumpsack“, um Kindern die plattdeutsche Sprache beizubringen. Quelle: Foto: Reinhard Amler

Horst. „Wat steiht up’n disch“, will Petra Schwan-Nandke wissen. Die Kinder, die im Horster Pfarrhaus um sie herum sitzen, antworten wie aus der Pistole geschossen: „Tass, Töller, Schöddel.“ Eierbaker und Bodder zählen sie ebenfalls auf. Und sie müssen gar nicht überlegen.

„Auch als es darum geht, sich persönlich vorzustellen, kommen die Antworten schnell und präzise. Selbst der kleine Albrecht aus Jager hat damit kein Problem. „Ick bünn fiff Johr alt, seggt hei. Er ist der Jüngste in der Runde. „Mir macht es viel Spaß, plattdeutsch zu lernen“, gibt der kleine Pfiffikus dann auch unumwunden zu, wobei seine Augen leuchten. Fine (8) aus Horst ergänzt: „Meine Oma spricht platt. Nun kann ich sie endlich gut verstehen und mit ihr diskutieren.“

Seit dem 12. Januar 2018 gibt es die kleine Lerngruppe in Horst, berichtet Petra Schwan-Nandke, die hier die Lehrerin gibt, obwohl sie keine ist. Aber die bekannte Schauspielerin aus Wilmshagen kann wunderbar mit Kindern umgehen. Dabei setzt sie natürlich Mimik und Gestik geschickt ein, so dass die Kinder regelrecht an ihren Lippen hängen. „Alle sind sehr lernwillig“, erklärt sie „Aber sie wollen auch unterhalten werden, fügt sie hinzu. „Dafür sind es ja nun mal Kinder“, ergänzt Petra Schwan-Nandke.

Und deshalb wechseln sich bei ihr auch Unterricht, Spiel und Bewegung im Freien ab. Meggie (8) aus Bremerhagen sagt zum Beispiel, dass ihr die gemeinsamen Spiele am besten gefallen. Denn kaum haben die Kinder ihre Unterrichtszettel mit den Vokabeln abgearbeitet, werden schon Memory-Karten ausgeteilt oder sich zum Stuhltanz versammelt. Draußen wird dann „Herr Fischer, Herr Fischer, wie tief ist das Wasser“ gespielt. Anderthalb Stunden dauert der Plattdeutsch-Unterricht. Er findet jeden Freitagnachmittag statt.

„Die Kinder sind in einem Alter, in dem sie die Sprache spielend nebenbei erlernen“, sagt Petra Schwan-Nandke. Vieles sortiere sich dabei von allein im Gehirn, meint sie. Es sei jetzt ein gutes Alter für alle Fremdsprachen.

Zehn Mädchen und Jungen sind in ihrem Kurs angemeldet. „Ich hätte nie gedacht, dass wir mal so viele werden“, sagt die Leiterin. Obwohl die Treffs im Horster Pfarrhaus gegenüber der Kita stattfinden, haben sie nichts mit der Kirche zu tun, denn die Plattdeutsch-Nachmittage sind ein neues Tätigkeitsfeld des Opernale-Vereins, der im benachbarten Jager seinen Sitz hat. Er macht sich seit Jahren dadurch einen Namen, dass er große Kunst in entlegene Orte bringt.

„Ich habe Petra im vergangenen Sommer angesprochen und sie gefragt, ob sie sich nicht vorstellen könne, für die Kinder in Horst solch einen Plattdeutsch-Kurs anzubieten“, erklärt Henriette Sehmsdorf, die künstlerische Leiterin des Opernale e.V. Ziel sei es natürlich, die Kinder später auch zu befähigen, kleine plattdeutsche Szenen einzustudieren, ergänzt Sehmsdorf. Und das dürfte garantiert nicht schwerfallen, denn schon nach gut vier Monaten gehören plattdeutsche Gedichte und Lieder zum festen Repertoire der Plattsnackers aus Horst. Wenn Petra Schwan-Nandke zum Beispiel „Miene Oma fährt im Heunerstall Motorrad“, anstimmt, dann wird schon jetzt nicht nur eine Strophe, sondern das komplette Lied von den Kindern mitgesungen.

Reinhard Amler

Trauerfeier in Grimmener Marienkirche

04.05.2018

KSV-Kämpfer holen Medaillen in Rostock und weihen Trainingsstätte ein

04.05.2018

Im letzten Spiel empfängt der HSV Grimmen die Reserve des Stralsunder HV

04.05.2018