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Brandshagen Im Dienste der Königin

Berliner Orgelbauer repariert Instrument in der Brandshagener Kirche

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Beengt und dunkel ist der Arbeitsplatz von Dagobert Liers, der hier die Membranenleiste der Brandshagener Orgel anschraubt.

Quelle: Fotos: Claudia Noatnick

Brandshagen. Komfortabel ist der Arbeitsplatz von Dagobert Liers nicht gerade. Wenn der Berliner seinem Beruf nachgehen will, muss er einige Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen – sein Arbeitsplatz ist eng, schwer zugänglich und dunkel. Und doch liebt der 74-Jährige seinen Job, steht er doch quasi im Dienste der Königin. Dagobert Liers ist Orgelbauer. Und das aus Leidenschaft.

OZ-Bild

Berliner Orgelbauer repariert Instrument in der Brandshagener Kirche

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Derzeit repariert und restauriert er die Königin der Instrumente, wie die Orgel auch genannt wird, in der Brandshagener Kirche. „Angeblich sollte sie Schrott sein, völlig hinüber“, erinnert er sich an eines der ersten Gespräche. Der Spezialist jedoch war anderer Meinung. „Sie war furchtbar verwurmt und irgendwann schon einmal unsachgemäß repariert worden, aber noch zu retten“, sagt Liers, der so schnell keine Orgel abschreibt.

Vor zehn Jahren war er schon einmal in Brandshagen. Kurz vor Weihnachten war das. Damals reparierte Liers die Orgel soweit, dass sie während der Gottesdienste in der Adventszeit gespielt werden konnte. Nun erfährt das Instrument eine weitreichende Überholung. Elf Register habe die Brandshagener Orgel, das bedeutet 978 Membranen, die restauriert werden müssen. „Allein an Materialkosten wären das schon rund 3000 Euro“, sagt Liers. Da er aber um die Klammheit der Kirche wisse, versuche er, die Kosten so gering wie möglich zu halten.

Deshalb erneuere er eben nicht jede Membran, sondern wirklich nur die, die einfach nicht mehr zu retten sind. Komplett erneuert dagegen hat er die Membranenleisten. „Die waren aus Fichte und komplett von Würmern zerfressen“, so der Orgelbauer. Er habe deshalb das Fichtenholz durch das der Sibirischen Lärche ersetzt. „Die mögen Holzwürmer nicht“, weiß der Experte. Zudem säuberte er sämtliche Schrauben und behandelte sie mit Ballistol, wodurch sie künftig vor Rost geschützt werden.

Der Aus- und Einbau der Membranen ist eine knifflige Angelegenheit. Dagobert Liers muss dazu regelrecht in das Instrument hineinkriechen. Einmal geschafft, ist nicht mehr viel Bewegungsfreiheit. Da gerät es ihm zum Vorteil, dass er ein nicht eben großer Mann ist. Unbequem jedoch bleibt es. Im Licht eines Scheinwerfers schraubt Liers die reparierten Membranenleisten wieder an, verbindet die einzelnen Membranen mit der pneumatischen Traktur, der Koppelung jeder einzelnen Taste am Spieltisch zum Tonventil im Orgelwerk. Sind alle Reparaturarbeiten abgeschlossen, will Liers sämtliche Holzkonstruktionen des Instrumentes noch mit einem Holzschutzmittel behandeln, um erneutem Wurmbefall entgegenzuwirken. „Remmers Aidol“ heißt seine Lasur, die zwar noch lebende Insekten nicht tötet, wohl aber verhindert, dass aus abgelegten Eier irgendwann einmal neue Schädlinge schlüpfen.

Seit einer Woche ist Liers dabei, dem angeblich hoffnungslosen (Orgel)Fall wieder Leben einzuhauchen. „Ich hoffe, dass ich heute fertig werde“, sagt der 74-Jährige, der bereits gut 300 dieser Instrumente in seinem Leben bislang wieder instand gesetzt hat. Hinzu kommen 14 neu gebaute Orgeln, zwei weitere Aufträge für Neubauten liegen bereits auf seinem Tisch.

Orgelinfiziert

Die Orgel wird auch als „Königin der Instrumente“ bezeichnet.

Schon Mozart schrieb in einem Brief an seinen Vater (1777): „Die Orgel ist doch in meinen Augen und Ohren der König aller Instrumente“.

Die Brandshagener Orgel wird derzeit von Dagobert Liers überholt.

Der Berliner ist seit frühester Jugend „orgelinfiziert“, studierte einst Kirchenmusik.

Später wandte er sich jedoch der Elektrotechnik zu, bevor er einen kleine Orgelbaubetrieb gründete, der sich mit pneumatischen Orgeln befasst.

Claudia Noatnick

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