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Im E-Auto ins verstrahlte Gebiet

Im E-Auto ins verstrahlte Gebiet

Der Grimmener Martin Scheitor erzählt im Interview über seine Hilfs-Tour nach Weißrussland

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Mit einem Elektro-Tesla fuhren die Grimmener Martin und Martina Scheitor in das Tschernobyl-Gebiet.

Quelle: privat

Grimmen /Dobrusch. Der Grimmener Martin Scheitor war am Morgen des 17. Oktober gemeinsam mit seiner Ehefrau Martina von Grimmen aus mit einem Tesla-Elektroauto nach Weißrussland ins Tschernobyl-Gebiet aufgebrochen. Im Namen des Vereins Tschernobyl-Hilfe Vorpommern brachten sie Spendengüter, unter anderem Schulbedarf, nach Dobrusch. Dort wollten sie viele neue Kontakte zu den Menschen vor Ort knüpfen, die Leute und auch ihre Bedürfnisse kennenlernen. Von unterwegs hatte Martin Scheitor für die OZ-Leser per Email über die Reise berichtet. Inzwischen sind die Scheitors wieder wohlbehalten in die Trebelstadt zurückgekehrt.

Sie haben im Tschernobyl-Gebiet ein Heim besucht, in dem geschädigte Kinder leben. Wie werden die Kinder dort betreut?

Martin Scheitor: Wir waren an einem Tag im Kinderheim in Gomel und haben eine Geldspende übergeben. Es ist ein sehr fortschrittliches Heim, in dem viel Wert gelegt wird auf psychische und physische Betreuung. Das kommt in anderen Einrichtungen oft zu kurz.

Sie hatten uns per Mail mitgeteilt, dass in dem Heim ein weiteres dreirädriges Fahrrad gebraucht wird, da vor Ort nur ein einziges vorhanden ist, um das sich die oft Kinder streiten...

Scheitor: Sie können auch noch zwei oder drei solcher speziellen Fahrräder gebrauchen, die für Jugendliche geeignet sein müssen und die wichtig sind für die Bewegung der jungen Leute. Mal sehen, ob wir das organisiert kriegen, vielleicht auch durch Spenden.

Haben Sie viele Leute in der Tschernobyl-Region kennenlernen können?

Scheitor: Ja, zum Beispiel die Verantwortliche für Bildung in einer Region, die so groß ist wie Nordvorpommern. Sie ist zuständig für 5500 schulpflichtige Kinder. Sie hat berichtet, dass von den Kindern nur 200 bis 250 pro Jahr die Chance haben, in einen Erholungsurlaub zu fahren.

Sie hatten zwischenzeitlich die Idee, statt Geld für den Aufenthalt der Tschernobyl-Kinder in Deutschland zu sammeln, die Summe alternativ für Projekte in Weißrussland zur Verfügung zu stellen?

Scheitor: Das stimmt. Unser Verein hat seit Beginn fast 1000 Kinder für Ferien nach Deutschland geholt. Das kostet jährlich jedesmal etwa 16000 Euro. Die Überlegung war, ob es bessser wäre, das Geld vor Ort in Weißrussland zu investieren. Der weißrussischen Kinderfonds beispielsweise hat nur 23000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Und das für ein Gebiet, das so groß ist wie Mecklenburg-Vorpommern. Aber man hat uns überall gesagt, dass es viel wichtiger sei, die Kinder für eine Zeit aus dem verseuchten Gebiet herauszuholen, egal wohin, damit sie sich von den Atomstrahlen erholen können. Die Arbeit des Tschernobyl-Hilfe-Vereins ist sehr hoch angesehen.

In Weißrussland spricht man Russisch. Wie haben sie sich während des einwöchigen Aufenthalts dort verständigen können?

Scheitor: Ich spreche etwas Russisch, weil ich das Fach in der Schule hatte. Allerdings mussten Hände und Füße bei der Unterhaltung auch immer mit gebraucht werden...

Wann waren Sie denn zurück in Grimmen – und gab es Probleme bei der Rücktour?

Scheitor: Wir waren am vorigen Sonntag gegen 16 Uhr wieder zu Hause. Die Rückfahrt hat keine Probleme mehr bereitet. Wir hatten ja auf der Hintour schon alles vorbereitet zum Laden der Auto-Batterien. An einer Ladestation in Weißrussland hatten wir eine Kraftsteckdose dagelassen, die schon montiert und mit Sicherungen versehen war, als wir zurückkamen. Wir konnten also schnell laden und dann weiterfahren.

Wie wurden Sie an der weißrussischen Grenze behandelt?

Scheitor: Ich war sehr erstaunt über die schnelle Grenzabfertigung. Normalerweise dauert das vier bis sechs Stunden. Diesmal brauchten wir nur zwei Stunden bei der Hinfahrt und lediglich 45 Minuten bei der Rücktour. Die Zöllner waren sehr bemüht, alles schnell abzufertigen. Wenn man ein kostenloses Visum vorzeigt, das wir ja dank der Einladung durch den Kinderfonds hatten, wird man schon bevorzugt behandelt. Obwohl wir mehr Gepäck mit hatten, als erlaubt. Die Grenzer haben sich bei der Kontrolle allerdings gewundert, dass unser Auto vorn keinen Motor drin hat...

Wie beurteilen Sie denn die lange Tour im Elektro-Auto?

Scheitor: Wir haben pro Tour sechsmal geladen, sind acht Stunden länger unterwegs als mit einem normalen Auto. Ich werde beim nächsten Mal wieder mit dem Tesla fahren, allein der Umwelt zuliebe. Übrigens bin ich 95 Prozent der Strecke mit dem Autopilot gefahren, das war sehr entspannend...

Welche Reaktionen erhalten Sie nach der Tour aus Ihrem Umfeld?

Scheitor: Ich werde überall darauf angesprochen. Die Leute haben Achtung vor der Leistung des Vereins. Ich bin erstaunt, wie viele Menschen über unsere Fahrt in der OZ gelesen haben.

Interview von Peter Franke

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