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Grimmen Imker Werner Poggendorf: Es kommt kaum Nachwuchs
Vorpommern Grimmen Imker Werner Poggendorf: Es kommt kaum Nachwuchs
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00:25 12.06.2018

GrimmenWer etwas über Bienen wissen will, befragt in Grimmen nicht Google, sondern geht zu Werner Poggendorf. Der 83-Jährige ist so etwas wie ein wandelndes Lexikon. Und er bereichert sein Wissen mit eigener Erfahrung, die er in jahrelanger Praxis gesammelt hat. Und oft auch mit einer Prise Humor.

Imker Werner Poggendorf zeigt Wachs, mit dem die Bienen in der Wabe den Honig verdeckeln, wie es fachmännisch heißt. Quelle: Foto: Reinhard Amler

Werner Poggendorf ist seit 1962 Imker. Davor half er bereits seinem Vater. Von ihm stammt noch heute manch praktisches Gerät, das der heute schon 83-jährige Sohn für die Aufzucht der Bienen oder Pflege seiner Bienenstöcke nutzt.

Drei Völker und einen Schwarm betreut Imker Poggendorf auf seinem Grundstück am Grimmener Eiskeller. 60 000 bis 80 000 Bienen summen somit bei ihm um die Wette. „Im Sommer“, schränkt Werner Poggendorf ein. „Im Winter reduziert sich ihre Zahl auf 20 000 bis 40000 Bienen.“ Den Schwarm, so erzählt er, habe er Mitte Mai eingefangen. Zu solchen Aktionen werden die Imker öfter mal gerufen, damit die Bienen wieder fachmännisch betreut werden und keinen Schaden anrichten können.

„Es gibt aber leider immer weniger Imker“, beklagt der Rentner. Es fehle leider der Nachwuchs. Woran das liegt? „Die damit verbundene Arbeit will kaum einer mehr auf sich nehmen“, meint er. Imkerei sei nicht nur Spaß, sondern bedeute auch viel Arbeit. Und reich werde man davon natürlich auch nicht.

Etwa vier Stunden pro Tag beschäftigt sich Werner Poggendorf mit seinen Bienen. Seine Tätigkeiten reichen vom Schleudern, Sieben und Abfüllen des Honigs, über die Pflege der Bienenstöcke bis hin zur Winterfütterung. Denn nach der letzten Honigernte, die meist im August stattfindet, gibt der Imker seinen Bienen Futterteig oder Flüssigzucker, damit diese Wintervorräte anlegen können.

Klar könne man mit Honigverkauf auch Geld verdienen, sagt Werner Poggendorf. Er habe auch einen festen Kundenstamm. „Aber Bienenzucht kostet auch viel Geld“, entgegnet er sofort. „Das darf nicht vergessen werden.“ Für ein Volk mit zehn Waben zahle man 130 Euro, für eine Königin lege man schon mal 150 Euro hin, rechnet der Fachmann vor. „Und jedes Bienenvolk benötigt eine Königin.“

Zu DDR-Zeiten habe es mehr Imker gegeben, erinnert sich der Spezialist. Damals habe es auch noch ein sogenanntes Standgeld gegeben, wenn ein Imker mit seinem Bienenwagen auf die Felder vorfuhr.

Die landwirtschaftlichen Betriebe hätten meist sogar An- und Abtransport übernommen, sagt er. „Schließlich hatten sie auch ihren Nutzen von uns Imkern.“ Denn zusätzliche Bestäubung durch die Bienen brachte höhere Erträge. Das sei auch heute so.

„Immer weniger Imker bedeuten auch immer weniger Bienen“, bringt Werner Poggendorf die aktuelle Entwicklung auf den Punkt. Die sich verändernde Witterung und vor allem die Umweltgifte, die zum Beispiel zur Bekämpfung des Rapsglanzkäfers eingesetzt werden, tragen weiter dazu bei, meint er. Was den Rapsglanzkäfer betreffe, habe man jetzt schon Düsen entwickelt, die dafür sorgen, dass das Gift unterhalb der Rapsblüten aufgesprüht wird. Eine Lösung sei das aber auch nicht, meint Werner Poggendorf. Angesichts massiver Schädlingsbekämpfung hält er es für einen Witz, das mancherorts von Öko-Honig die Rede ist. „Den kann es gar nicht geben“, sagt er. Das sei lachhaft. Denn eine Biene fliege bis zu fünf Kilometer. „Niemand weiß, was wer in solch einem Umkreis an Schädlingsbekämpfungsmitteln oder auch an Dünger eingesetzt hat“, begründet er.

Imker Poggendorf wünscht sich, dass den Kindern auch in der Schule die Imkerei wieder näher gebracht wird. „Es gab Zeiten“, erzählt er, „da sind regelmäßig junge Leute auch auf mein Gehöft gekommen, um hier Honig mitzuschleudern“. Die Frauen, die bei ihm dann Stullen mit der süßen Leckerei schmierten, seien gar nicht so schnell nachgekommen, wie die Kinder sie verspeist haben. Auch Vorträge an Schulen habe er gehalten. „Aber auch in dieser Hinsicht scheint das Interesse erlahmt zu sein“, beklagt Werner Poggendorf.

Reinhard Amler

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