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Immer mehr Stralsunder spielsüchtig

Stralsund Immer mehr Stralsunder spielsüchtig

Einarmiger Bandit oder Flipper: 98 Prozent der Betroffenen sind abhängig von Automaten.

Stralsund. Über 580 Frauen und Männer haben im vergangenen Jahr Hilfe bei der Sucht- und Drogenberatung Stralsund gesucht. Dies waren 90 mehr als 2013. „Insgesamt wurden 3311 Beratungsgespräche geführt“, sagt Angelika Löscher, die Leiterin der Einrichtung in der Wallensteinstraße. Den Anstieg führt sie darauf zurück, dass sich mehr Leute ihrer Probleme bewusst werden und Süchte in der Gesellschaft nicht mehr tabuisiert werden. Die Hemmschwelle, sich Hilfe zu suchen, ist gesunken.

Zu denen, die immer häufiger Beratung brauchen, gehören die Menschen, die ein Problem mit Glücksspielen haben. „Im vergangenen Jahr hatten wir 30 Klienten, 24 männliche und sechs weibliche“, sagt Nora Glawe, die seit Oktober 2014 diesen Bereich leitet. „In 98 Prozent der Fälle geht es um die pathologische Spielsucht an Automaten“, erklärt die Sozialarbeiterin. Themen sind jedoch auch Lotterien und Sportwetten. Derzeit versucht Nora Glawe, sich einen Überblick zu verschaffen, wie viele Verlockungen es für Süchtige im Einzugsgebiet der Sucht- und Drogenberatung, das den gesamten Landkreis Vorpommern-Rügen umfasst, gibt. „Allein in Stralsund sind es elf Spielotheken“, schaut sie auf die Zahlen.

„Wir gehören zu den vier Kompetenzzentren in Mecklenburg—Vorpommern“, führt Nora Glawe weiter aus. Deren wichtigste Aufgabe ist neben der Beratung von Süchtigen und Betroffenen vor allem die Präventionsarbeit. Dazu zählen die sogenannten Multiplikatorenschulungen. „Wir gehen in Institutionen wie etwa die Arbeitsagentur oder die Schuldnerberatung und versuchen, die Mitarbeiter dort für das Problem des pathologischen Glücksspiels zu sensibilisieren.“ Das heißt, Anzeichen für eine mögliche Sucht bei Kunden oder Klienten zu erkennen und Hilfe anzubieten.

Spitzenreiter bei den Abhängigkeiten ist nach wie vor der Alkohol. Von den 463 männlichen Klienten haben 335 ein Alkoholproblem. Bei den Frauen sind es 68 von 120. Gleich nach dem Alkohol folgen bei den Männern die Opioide (32 Klienten), zu denen Substanzen wie Heroin zählen. Eine auffällig hohe Zahl gibt es bei den Frauen: 18 von ihnen suchten nicht als Selbst-Süchtige Hilfe, sondern als Betroffene. „Angehörige von Menschen mit Suchtproblemen finden bei uns genauso Hilfsangebote wie die Süchtigen selbst“, sagt Angelika Löscher. Neben unterschiedlichen Gesprächsmöglichkeiten bietet die Einrichtung auch die psychosoziale Begleitung von Substituierten an, genauso wie die Vermittlung zu Ärzten oder Selbsthilfegruppen.

Künftig wird sich in der Wallensteinstraße 7 zudem das Büro für das ambulant betreute Wohnen (Abw) befinden. Bei diesem Angebot kümmern sich zwei Sozialarbeiter darum, Menschen, die bereits eine Therapie hinter sich haben, in der Häuslichkeit zu helfen. „Es geht einfach darum, den Weg in die Selbstständigkeit zurück zu finden und um Unterstützung, die Abstinenz im Alltag zu festigen“, erklärt Angelika Löscher.

Und es gibt noch mehr Neuigkeiten, denn am Montag wird in Ribnitz-Damgarten eine Außenstelle der Sucht- und Drogenberatung eröffnet.

 



Miriam Weber

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