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Grimmen „In Deutschland ist sogar der Wald aufgeräumt“
Vorpommern Grimmen „In Deutschland ist sogar der Wald aufgeräumt“
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00:01 29.07.2016

Als Alexe Eyenga Ntyam (26) das erste Mal am Fischländer Strand war, stand er kurz unter Schock: „Überall nackte Omis und Opis. In Afrika darf man nicht mal die eigenen Eltern nackt sehen, das ist eine Art Fluch“, erklärt der 26-Jährige lachend.

Doch genau wegen dieser Unterschiede ist der junge afrikanische Lehrer für insgesamt drei Wochen nach Deutschland gereist: Er möchte die deutsche Kultur hautnah erleben – die Menschen, das Essen und Zusammenleben studieren. Und das macht er seit zwei Wochen bei Familie Krüger in Ribnitz. Die Krügers sind erfahren im Umgang mit Austauschschülern und Studenten. Unzähligen jungen Menschen boten sie ein Heim auf Zeit.

In seiner Heimatstadt Foumban im westlichen Kamerun unterrichtet Eyenga Ntyam seit drei Jahren Deutsch. Seine Klasse besteht aus 100 Schülern – eine normale Klassenstärke in Kamerun, wie Ntyam sagt.

Bereits in der Schule begann er Deutsch zu lernen. Nach dem Abitur studierte er Germanistik an einer Universität im Norden des Landes. Die Sprache sei bei seinen Landsleuten beliebt, erzählt der junge Afrikaner: „Weil es dann einfacher ist, eine Arbeit in Kamerun zu finden. Außerdem träumen viele junge Leute, eines Tages Deutschland zu besuchen.“

Alexe Eyenga Ntyam ist selbst zum ersten Mal in Europa. Er stamme aus einer armen Familie. Der Vater starb früh, die Mutter arbeitet auf dem Feld und drei seiner insgesamt 16 Geschwister studierten an Universitäten. In Deutschland habe er nun einen „Kulturschock“ erlitten, sagt er. „Die Häuser sind gemütlicher, Mahlzeiten werden täglich zu den gleichen Uhrzeiten eingenommen und hier ist sogar der Wald aufgeräumt.“ Seine Gastmutter Andrea Krüger lacht herzlich über diese Formulierung: „Als wir ihm unsere Wälder zeigten, hat er uns ausgelacht und nach Kamerun eingeladen – damit mir mal einen echten Wald sehen.“ Alexe hat in den vergangenen Wochen etliche Vorurteile abgebaut: „An der Universität wurde viel von einem rassistischen Deutschland gesprochen. Das habe ich nicht erlebt.

Die Menschen sind gastfreundlicher und herzlicher, als ich es mir vorgestellt habe.“

Das einzige Problem habe es beim Essen gegeben. Unglaublich „pingelig“ sei Alexe, erzählt Andrea Krüger. „Erdbeeren schmecken ihm nur mit Zucker und viel Sahne. Gemüse mag er überhaupt nicht.“ Das bestätigt der Kameruner gern: „Es gab eigentlich nichts, was mir richtig geschmeckt hat.“ Wenn er morgen wieder nach Hause fliegt, freut er sich schon auf ein Gericht aus Maniok-Blättern. Und er freut sich darauf, das Erlebte mit seinen Schülern zu teilen. Alexe Eyenga Ntyam wird ihnen erzählen, dass er das erste Mal Eis in Form von Skulpturen gesehen hat, dass in Deutschland viele Autos fahren, die im Gegensatz zu Kameruner Verhältnissen selten hupen. Dass man in Deutschland seinen Geburtstag ein Leben lang feiert und nicht nur bis zum achten Lebensjahr, wie es in Afrika üblich sei.

Und der evangelische Christ wird von alten Kirchen mit hohen Türmen berichten. „In Kamerun sind unsere Kirchen neue Gebäude – einfache Häuser.“

Seine Gastfamilie wird ihn vermissen. „Es ist jedes Mal so, als hätten wir unsere Familie erweitert. Wir pflegen mit allen noch Kontakt“, sagt Andrea Krüger. Aus China, Argentinien, Italien, Brasilien, Togo, Syrien, Tunesien und Indien hatten sie bereits Gäste. „Wir können nicht die ganze Welt bereisen und holen uns so ein Stück der Welt nach Hause.“ Schlechte Erfahrungen habe Familie Krüger noch nie gemacht. „Im Gegenteil, die jungen Leute bereichern unser Leben ungemein.“

Gasteltern für Kurz-und Langzeitaufenthalte gesucht

Experiment e.V. ist die weltweit älteste Austausch-Organisation. Sie wurde 1952 gegründet. Auch der Aufenthalt von Alexe Eyenga Ntyam wurde von dem gemeinnützigen Verein organisiert und entstand in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut. Seit 40 Jahren besteht diese Zusammenarbeit, bei der Pädagogen an einer einwöchigen theoretischen Fortbildung in Berlin ihre Deutschkenntnisse erweitern und zwei Wochen in Gastfamilien untergebracht werden, um den deutschen Alltag kennenzulernen.

In dem Verein mit Sitz in Bonn engagieren sich etwa 600 ehrenamtliche Mitarbeiter. Er fördert gegenseitige Verständigung, Achtung und Toleranz.

• Internet: www.experiment-ev.de

Carolin Riemer

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