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In Grimmen fehlen sieben Ärzte

In Grimmen fehlen sieben Ärzte

Der Politiker Harry Glawe (CDU) über wirtschaftliche Höhepunkte, die kaputte A 20 und weite Wege für Patienten.

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Grimmen hat zwar sein Ärztehaus in der Ossietzkystraße, es mangelt aber an niedergelassenen Hausärzten.

Quelle: Foto: Reinhard Amler

Was war Ihr schönstes und was ihr negativstes Erlebnis 2017?

OZ-Bild

Der Politiker Harry Glawe (CDU) über wirtschaftliche Höhepunkte, die kaputte A 20 und weite Wege für Patienten.

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Das schönste ist, dass es mit den Werften, vor allem in Stralsund, wieder vorangeht. In der Auftragsliste stehen hier bekanntlich drei Luxusschiffe, die fürs Nordmeer gedacht sind. Jedes der Schiffe hat einen Umfang von 300 Millionen Euro. Damit können rund 500 Leute in Arbeit gehalten werden. Auch die Zulieferbetriebe profitieren davon. Das ist ein gutes Signal für Vorpommern. Ein negatives Erlebnis fällt mir auf Anhieb gar nicht ein.

Wenn Sie über positive Zeichen der Wirtschaft reden, nennen Sie oft das Pommerndreieck als Beispiel. Aber außer einem Aldi ist dort 2017 nichts Neues hinzugekommen.

Derzeit werden für 2,5 Millionen Euro zehn Hektar Fläche am Pommerndreieck weiter erschlossen. Auf dem insgesamt 300 Hektar großen Areal arbeiten mittlerweile 1200 Menschen. Man darf dabei nicht nur den Teil in der Gemeinde Süderholz sehen. Auch das komplette Grimmener Gewerbegebiet „Am Stadtwald“ mit seinen 63 Hektar gehört zum Pommerndreieck. Hier sind allein 1000 Menschen tätig.

150 bis 200 Arbeitsplätze kommen demnächst dazu. Unter anderem bei der AkkuSys Akkumulator und Batterietechnik Nord GmbH. Das Hamburger Unternehmen errichtet hier eine Betriebsstätte mit 30 neuen Arbeitsplätzen. Den Rohbau sieht man bereits. Die Produktion soll in einem Jahr starten.

Viele Menschen befürchten mit dem Beginn der Urlaubersaison das Vollchaos wegen der abgesackten A 20 bei Tribsees. Was dann?

Die Landesregierung ist dabei, eine Umfahrung um Langsdorf einzurichten, die Entlastung bringen soll. Dabei befinden wir uns jetzt in der Planungsphase. Wichtig ist, dass der Bund zugesagt hat, die entsprechenden Kosten dafür zu tragen. Komplett fertig sein wird die A 20 aber frühestens in vier bis fünf Jahren. Darauf müssen wir uns einstellen. Das kaputte Teilstück stellt uns alle vor Herausforderungen. Dabei ist viel Aufklärungsarbeit zur Situation von allen Beteiligten nötig. Hier sind Hotels, Pensionen und auch Tourismuszentralen gefordert.

Als Gesundheitsminister sind sie auch für die ärztliche Versorgung der Bevölkerung zuständig, die im ländlichen Bereich immer schwieriger wird. Was die Hausarztversorgung betrifft, trägt die Region Grimmen bundesweit die rote Laterne. Gibt es Auswege?

In Grimmen könnten sofort sieben, acht Ärzte angesiedelt werden. Man muss hier bereits von einer Unterversorgung sprechen, was natürlich kein gutes Zeichen für die Region ist. Es muss daher schnell etwas geschehen. Wir haben Professor Hoffmann von der Community Medicine in Greifswald beauftragt, uns dazu Vorschläge zu unterbreiten. Dabei geht es um eine sektorübergreifende Versorgung, in die ambulant wie stationär tätige Mediziner eingebunden werden sollen.

Ende 2016 haben Sie gesagt, dass Grimmen von einigen seiner Industriebrachen befreit wird, nämlich der von GutsGold und jener der alten Ziegelei. Passiert ist aber nichts.

Das Programm ist leider erst im Herbst ausgeschrieben worden. Wir hoffen, dass der Zuschlag bald erteilt werden kann. 2018 muss hier aber etwas passieren.

In der Straße der Befreiung harrt ein leergezogener Block der Grimmener Wohnungsgesellschaft GWG weiter auf den längst geplanten Abriss. Warum?

In der Gesellschaft ist man aber nicht untätig. In Friedland haben sich Vertreter gerade angeschaut, wie Rückbau kostengünstig vonstatten gehen kann und wie man moderne Wohnungszuschnitte, die den Mieterinteressen entgegen kommen, erreicht. Wir warten jetzt auf Entscheidungen. Es betrifft ja auch weitere Blöcke. Die Wohnungsgenossenschaft, als zweitgrößte Grimmener Wohnungsgesellschaft, ist schon etwas weiter. Sie wird an der Orenburger Straße einen Block barrierearm umgestalten und mit Aufzügen ausrüsten.

Aber zurück zur stadteigenen Grimmener Wohnungsgesellschaft. Auf einem OZ-Forum im vergangenen Sommer, als es ums Wohnen ging, glänzte sie durch Abwesenheit. Jetzt hört man sogar, dass das Unternehmen verkauft werden soll?

Sicher gibt es immer mal wieder Anfragen, die insgesamt zu wenig konkret sind. Unternehmen und Aufsichtsrat sind gefordert, damit umzugehen. Fakt ist, dass der Sanierungsprozess bei der GWG läuft. Die Stadt schießt Geld dazu, so dass hier keine Schieflage entsteht.

Ein ebenso wichtiges Thema in Grimmen sind die dringend notwendigen Anbauten an die Neubauer- und die Robert-Koch-Schule, weil beide Einrichtungen aus allen Nähten platzen. Bei der Neubauer-Schule wurde kurz vor Weihnachten noch die Grundplatte gegossen. Aber was ist mit der Regionalschule?

Bei der Neubauer-Schule feiern wir am 29. Januar die Grundsteinlegung. Sie soll noch 2018 fertig werden. Der Anbau für die Koch-Schule wird jetzt geplant. Ich hoffe, dass Ende 2019, aber spätestens 2020 Baubeginn sein wird. Wir müssen da massiv Druck machen. Vor allem muss das Grimmener Bauamt personell verstärkt werden, weil vor ihm ein Batzen Arbeit liegt. Es geht schließlich um acht Millionen Euro und darum, die Region zukunftssicher zu machen. Auch der Tierpark muss in der Antragsstellung unterstützt werden. Hier stehen Investitionen von über zwei Millionen Euro an. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, wollen wir 2018 starten.

In Miltzow, in der Gemeinde Sundhagen, soll sogar eine Grund- und eine weitergehende Schule komplett neu errichtet werden. Auch das zieht sich hin. Schon im Sommer 2016 war im Beisein der Bundeskanzlerin und ihnen werbewirksam ein Bauschild aufgestellt worden.

Dort geht es um insgesamt 13 Millionen Euro. Die Ausschreibungen mussten deshalb europaweit erfolgen, dadurch hat sich eine Verzögerung ergeben. Aber es ist besser so. Denn wäre später festgestellt worden, dass gegen Ausschreibungskriterien verstoßen wurde, hätte die Gemeinde möglicherweise dafür zahlen müssen, was sie gar nicht gekonnt hätte. 4,8 Millionen Euro fließen hier in die Grundschule, weitere acht Millionen Euro in die Regionalschule. Am Ende steht dann hier ein Objekt, das modernsten Standards entsprechen wird. Plus eine Zweifelder-Sporthalle. Baubeginn ist spätestens 2019.

2018 ist auch ein politisch wichtiges Jahr. Am 27. Mai sind Landratswahlen und Ralf Drescher, mit dem Sie nicht immer einer Meinung waren, tritt nicht mehr an.

Die CDU hat mit dem Kommunalpolitiker und Bäderverbandspräsidenten Andreas Kuhn einen erfahrenen Kandidaten aufgestellt, der die Verwaltung, die Menschen und den Landkreis bestens kennt. Wichtig ist, dass die Menschen am Wahltag an die Wahlurne gehen. Die demokratischen Kräfte müssen gestärkt werden. Da zählt jede Stimme.

Harry Glawe – vom Krankenpfleger zum Minister

Am 15. Dezember 2017 wurde Harry Glawe 64 Jahre alt.

Seit 15. November 1994 ist er Mitglied des Landtages Mecklenburg-Vorpommern. Im selben Jahr wurde er auch in die Stadtvertretung von Grimmen gewählt und ist seit diesem Jahr deren Präsident. Ebenfalls errang er 1994 ein Mandat für den damaligen Kreistag von Nordvorpommern (heute: Vorpommern-Rügen). Ihm gehört er bis heute an.

Seit 2011 ist er Wirtschaftsminister in Mecklenburg-Vorpommern.

Von Beruf ist der in Greifswald geborene Glawe Krankenpfleger. 1989 schloss er ein Hochschulfernstudium an der Humboldt-Universität Berlin zum Diplomkrankenpfleger ab.

Interview: Reinhard Amler

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