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In Klevenow kleben geblieben

Uns Dörp: Die OZ unterwegs in Klevenow. In Klevenow kleben geblieben

Er lebte lange und glücklich in Kanada und den USA — bis Robert Knoop das Klevenower Schloss entdeckte.

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Das neugotische Schloss — hier eine aktuelle Ansicht vom zehn Hektar großen Park aus — ist seit Jahrhunderten das Wahrzeichen Klevenows. Einst, vom 14. bis zum 19. Jahrhundert, war es eine Wasserburg. Fotos (3): Anne Kubik

Klevenow. Nach 30 Jahren in Kanada, zehn in Tennessee (USA) und weiteren zwei Jahren im südamerikanischen Guyana war Robert Knoop neugierig auf sein Heimatland. „Ich wollte eigentlich nur wissen, wie es sich in Deutschland lebt“, verrät der gebürtige Hamburger. Eigentlich. Denn das Schloss in Klevenow zog ihn erst in den Bann und dann nach Vorpommern.

„Ich habe mir 56 Schlösser angeguckt — alle in Mecklenburg-Vorpommern“, erzählt Knoop. „Die Gegend interessierte mich. Außerdem wollte ich ans Wasser. Und ich wollte was Romantisches“, sagt er. In Klevenow fand er endlich, wonach er suchte. 2003 übernahm er mit seinem Sohn Steffen das Schloss Klevenow, und sie fingen mit den Renovierungsarbeiten an.

Mittlerweile ist das gesamte erste Stockwerk ausgebaut. „55 Meter sind es von einem Ende bis zum anderen“, sagt der 76-Jährige, der das gesamte Herrenhaus schon seit Jahren allein bewohnt. Dazu gehört auch der prächtige, zehn Hektar große Park mit den mehr als 600 Jahre alten Eichen. „Alles, was ich hatte, habe ich in das Schloss gesteckt“, berichtet er. Die alten Rundbögen in den Zimmern hat er in Regale verwandelt, in denen sich englische und deutsche Literatur stapelt. Über dem leicht knarrenden Holzfußboden liegen orientalische Teppiche, an der Fachwerkwand steht ein chinesischer rot-goldener Hochzeitsschrank. Robert Knoop ist ein Weltenbummler.

Dazu wurde er aber nicht freiwillig. Er wuchs in Hamburg auf — im zerbombten Hamburg der Nachkriegszeit. „Ich habe den Feuersturm nur durch reinen Zufall überlebt. Doch 1945 war in Hamburg alles tot, überall war der Verfall — das saß mir tief in den Knochen“, erzählt er. „Irgendwann bin ich abgehauen, zusammen mit fünf Freunden, ab zum Konsulat.“ Er bekam die Ausreisegenehmigung und den Tipp, erstmal bei der Bundeswehr anzufangen. Er tat es. „Das war ein guter Rat“, sagt er heute. Zwei Jahre lang arbeitete er für die Bundeswehr, um das Geld für die Überfahrt nach Kanada zusammenzusparen.

Dann war es endlich soweit: „Mit einem alten klapprigen Opel machten wir — meine Freundin und ich — uns auf den Weg von Bayern nach Hamburg. Ich mit einem Koffer, sie mit sechs. Bei jeder kleinen Bodenschwelle setzte das Auto auf, sodass die Funken flogen“, erinnert er sich lachend. Doch das Paar kam heil am Hafen an, verkaufte das Auto noch für zehn Mark. „Und dann ging es mit dem Schiff nach Montreal — das waren drei Monate, in denen ich nur seekrank war. Danach habe ich nie wieder ein Schiff betreten“, sagt er.

Doch die Überfahrt lohnte sich. 30 Jahre blieb Robert Knoop in Kanada. Erst besuchte er die Uni, dann wurde er selbst Professor für Educational Administration, sprich pädagogische Verwaltung. „Aber keiner, der seine Studenten drei Stunden lang in den Schlaf redete“, betont er. „Für mich war das Unterrichten ein einziges Fest.“

Nebenbei erledigte Robert Knoop immer wieder Jobs für die kanadische Regierung. So sollte er etwa vor Ort überprüfen, ob die Spenden der Kanadier für das karibische Bildungssystem auch tatsächlich dort ankamen, wo sie hin sollten. „Ich schnüffelte also in Jamaika rum — und stellte fest, dass die Kanadier für 50 Schulen gespendet hatten, es aber nur 20 gab“, erzählt er. Auch habe er den kanadischen Bundespolizisten das „richtige Schreiben“ von Berichten beigebracht. „Ja, ich hatte ein tolles Leben, ein buntes — so wie ich es wollte“, sagt er. In Klevenow sei es nun ruhig geworden — manchmal sogar zu ruhig für den 76-Jährigen, der sich gern mit Psychologie sowie dem Lesen und Schreiben von Büchern die Zeit vertreibt. Deshalb überlege er, dass Schloss wieder zu veräußern.

 

 



Anne Kubik

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Klevenow
Erntefest in Klevenow in den 1930er Jahren: Auf dem Bild sind alle Beteiligten versammelt, auch der Schlossherr von der Lancken-Wakenitz (ganz rechts).

Historisches Foto zeigt die Mutter der heute 80-jährigen Christel Rickelt.

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