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In der alten Kreispoliklinik hat alles begonnen

Grimmen In der alten Kreispoliklinik hat alles begonnen

Der Grimmener Zahnarzt Dr. Trutz von Koß erinnert sich an seine Anfangsjahre als Mediziner und die Wirren nach dem Mauerfall, der sich heute zum 27. Mal jährt

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Dr. Trutz von Koß in seiner Grimmener Praxis in der alten Kreis-Poliklinik, Straße der Solidarität 7. Daneben Prophylaxe-Helferin Gundula Schuder, die sei 1. April 2016 bei ihm arbeitet. Sie hat sogar einst in der alten Poliklinik gelernt. Fotos (2): Reinhard Amler

Grimmen. Trutz von Koß würde es einfach schön finden, wenn man heute noch einmal in alter Runde zusammen käme. Mit den ehemaligen Kollegen. Auch den einstigen Chefs der Grimmener Kreispoliklinik, sagt der Kieferorthopäde und nennt Dr. Horst Endlicher und Dr. Dieter Bacher mit Namen. Denn in dem Gebäude, wo er heute noch praktiziert, in der Straße der Solidarität

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Der Grimmener Zahnarzt Dr. Trutz von Koß erinnert sich an seine Anfangsjahre als Mediziner und die Wirren nach dem Mauerfall, der sich heute zum 27. Mal jährt

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Das Raus aus der Poliklinik hieß damals gleichzeitig rein in die Niederlassung.“Dr. Trutz von Koß, Kieferorthopäde in Grimmen und Greifswald

7, habe schließlich alles einmal angefangen, sagt er. Dort hatte Trutz von Koß als junger Zahnarzt zu DDR-Zeiten seine erste Anstellung erhalten.

„Kurz vor Weihnachten 1990“, erinnert sich der heute 55-Jährige „haben wir dann unsere Kündigungen erhalten. Zum 30. Juni 1991.“ Die Stomatologische Poliklinik des Medizininischen Zentrums wurde aufgelöst. „Das war schon ein Hammer.“ Denn das Raus aus der Poliklinik hieß für alle damals in der Poliklinik tätigen Ärzte gleichzeitig das Rein in die Niederlassung.

Bloß was würde das bedeuten? „Wie frei würden wir in der angeblich ach so sozialen Marktwirtschaft unserem Beruf, unserer Berufung nachgehen können? Diese Fragen bewegten mich und meine Frau am meisten.“ Auch sie praktiziert heute noch in der alten Poliklinik. Als die Kündigung eintraf, war sie im Mutterschaftsurlaub. „Es bedurfte großen Mutes, sich aus dem sicher geglaubten Angestelltenverhältnis zu lösen“, blickt der Doktor zurück. Immer noch ein bisschen ehrfurchtsvoll. Offenbar wegen der eigenen Courage. „Mit einer DDR-Behandlungseinheit der Marke Probaset, zwei stomatologischen Schwestern, einer ersten Auszubildenden und einer gehörigen Portion Mut haben wir den Schritt zur Selbstverschuldung gewagt“, sagt er. „Selbst bei einer Kombination aus altem Poliklinik-Inventar und neu erworbener Technik konnten wir uns nicht davor bewahren, mit sechsstelligen Beiträgen zu kalkulieren“, blickt er zurück. Schon damals sprach man neudeutsch von Verbindlichkeiten.

Trutz von Koß kann heute natürlich stolz sein auf das, was er gemeinsam mit seiner Frau und seinen Angestellten in den Jahren nach dem Mauerfall, der sich an diesem Mittwoch übrigens zum 27. Mal jährt, geschaffen hat.

Und er ist es auch. Wenngleich immer ein Aber in seinen Worten mitschwingt. Denn der erreichte materielle Wohlstand, den er zweifellos besitzt, sei die eine Seite, sagt er. Die andere ist, dass er in den vergangenen Jahrzehnten auch erfahren musste, dass der Sozialismus zwar oft seelenlos war. Allerdings niemals so gnadenlos und tiefgekühlt wie der real existierende Kapitalismus, betont er.

Denn es gab nach der Wende nicht nur Aufbrüche. „Es gab auch Einbrüche und persönliche Zusammenbrüche“, sagt Trutz von Koß. Nie sei es leicht gewesen, solide von unsoliden Angeboten zu unterscheiden.

Zu erkennen, von wem ehrliche Beratung ausging und wer einem gleich eine ganze Klinik verkaufen wollte, sagt er.

Heute behandelt Trutz von Koß nicht nur in Grimmen seine Patienten, sondern auch in einer Greifswalder Praxis. Das Ehepaar bietet dabei nicht nur herkömmliche Zahnarztbehandlung an. „Meine Frau ist spezialisiert auf alle chirurgische Eingriffe, die mit dem Zahnfleisch zusammenhängen, ich auf Kieferorthopädie“. Deshalb haben die Praxen größere Einzugsgebiete, weit über die Städte hinaus. Die zusätzlichen Qualifikationen erwarben beide in den vergangenen 27 Jahren.

„Von 2003 bis 2005 habe ich noch einmal In Bonn und Kremß studiert“, erklärt Trutz von Koß. Mit dem Abschluss eines Master of Science. Auch das gehört in seine Biografie. Oder wie man heute neudeutsch sagt: in seine Vita.

Reinhard Amler

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