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Grimmen Investitionsstau bremst Jugendtourismus
Vorpommern Grimmen Investitionsstau bremst Jugendtourismus
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14:11 08.11.2018
Wasserwandern ist ein besonderes angebot am Jugendgästehaus „Graureiher“ in Nehrungen. Quelle: Amler Reinhard
Grimmen

Alte DDR-Baracken mit marodem Charme im ehemaligen Kreisschulheim in Thiessow auf Rügen, herunter gekommene und lange Zeit leer stehende Blockhütten und Planwagen in Bremerhagen sind nur zwei Beispiele – es gibt einen großen Investitionsstau in Einrichtungen des Jugendtourismus in Vorpommern. Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) weiß davon und sagt: “Wir arbeiten daran, wir schauen uns die Einzelfälle an und sehen, wie wir helfen können“. Ihm geht es um saisonverlängernde Maßnahmen, darum, mehr jugendliche Touristen ins Land zu holen. Dahlemann spricht von einigen sehr erfolgreichen Akteuren, weiß aber auch, dass es Einrichtungen wie Schullandheime und Waldschulheime gegenüber denen des Jugendherbergswerkes schwer haben. „Für sie gibt es generell erst einmal keine Förderung“, sagt er.

Noch immer DDR-Standard

Seit 67 Jahren findet im ehemaligen Kreisschullandheim in Thiessow auf Rügen unmittelbar am Ostseestrand - das sich übrigens immer noch Kreisschulheim nennt, aber in Privatbesitz ist – einmal im Jahr ein Schwimmlager mit Kindern aus Bergen und Umgebung statt. „Früher organisierte das dort die Stadt Bergen, seit Jahren wir als Ortsverein der DLRG“, informiert Jörg Wienberg von der Ortsgruppe. Die Einrichtung dort habe noch DDR-Standard, es müsste investiert werden. Aber er wisse, dass das für den privaten Betreiber nicht so einfach sei. „Die Kinder stört der Zustand der Einrichtung nicht. Auch viele Eltern, die dort am Ostseestrand selbst einst das Schwimmen unter Naturbedingungen lernten, sehen kein Problem darin, dass ihre Kinder jetzt dort ebenso im Sommer unter relativ einfachen Bedingungen unterkommen. „Wir Betreuer würden uns für alle schon ein bisschen mehr wünschen“, sagt Wienberg allerdings. Schlechter sollte der Zustand nicht werden, wünscht er sich. Mit jeweils 100 Kindern führt das DLRG Bergen in jedem Sommer für zehn Tage dort sein Schwimmlager durch.

Kirchenkreis als Träger des Hauses

Über 66 Betten verfügt das Schullandheim Sassen unter dem Dach des Landesverbandes der Schullandheime Mecklenburg-Vorpommern e. V. „Seit 2011“, sagt Pastor Matthias Bartels. Der vorpommersche Kirchenkreis ist Träger dieser Einrichtung, übernahm sie im Jahr 2000 auf Erbpachtbasis, kaufte das Gebäude 2011, investierte dann und erweiterte die Kapazität. Bartels: „So können wir parallel zwei Schulklassen aufnehmen.“ Genutzt werde die Einrichtung außerdem als Zentrum für die Konfirmanden- und Jugendarbeit im Kirchenkreis. Beispielsweise werden die Teamer, also Jugendliche, die selbst Verantwortung in ihren Gemeinden übernehmen wollen, in Sassen ausgebildet. „Solch ein Schullandheim, und eben auch unseres, wird nie ein zuschussfreies Unternehmen sein können. Das war uns als Kirchenkreis bereits vor der Entscheidung, es zu führen, bewusst“, sagt Bartels. Dennoch versucht auch er, die Einrichtung so gut wie möglich zu vermarkten: „Auch Sportvereine nutzen sie für Trainingslager. Und im Schullandheim Sassen kann man auch Familienfeste feiern.“ (Telefon: 039998/10624)

Neun Schullandheime unter Dachverband

Neun Schullandheime unter dem Dach des Landesverbandes gibt es insgesamt noch im Land. Im Grimmener Raum gehört jedoch ebenso wie auf den vorpommerschen Inseln keine Einrichtung dazu. Dabei hatte das in Bremerhagen bei Grimmen eine echte Erfolgsgeschichte bis in die Nachwendezeit hinein. Wohl kaum ein Kind aus der Grimmener Region, das ab den 80er-Jahren bis zur Jahrtausendwende dort nicht seine Ferien verbrachte. Seit 1978 wurde die Einrichtung zunächst als Touristenstation mit Planwagen zum Übernachten genutzt, bis 1983 entstanden die ersten drei Blockhäuser, weitere Planwagen und Blockhäuser kamen hinzu. Bis 2004 war die Einrichtung in Trägerschaft des Landkreises, dann übernahmen Vereine die Immobilie – ebenfalls um dort Kinder und Jugendlichen Ferienfreizeiten zu bieten. Der letzte Versuch scheiterte – ab 2017 stand das Schullandheim leer und wechselte in diesem Jahr in den Besitz des Chamäleon-Vereins Stralsund, der dort verschiedene Projekte aufbaut. „Freizeiten und Klassenfahrten ins Bremerhäger Schullandheim, das jetzt „Homeland Bremerhagen“ heißt, soll es aber auch in Zukunft wieder geben“, sagte Birgit Rubbert, Geschäftsführerin der Stationären Einrichtungen im Chamäleon Stralsund e.V. gegenüber der OZ. Finanzielle Mittel für Investitionen und Sanierungen sollen unter anderen durch Sponsoring eingeworben werden.

Schullandheime in MV unter dem Dachverband

Schullandheim Dierhagen in Dierhagen-Strand

Schullandheim Dreilützow in Dreilützow

Schullandheim Gehren in Strasburg

Schullandheim Hinterste Mühle in Neubrandenburg

Schullandheim Jugendschiff Likedeeler in Rostock

Schullandheim Sassen in Sassen

Schullandheim Schwerin-Mueß in Schwerin

Schullandheim Thünen-Museum-Tellow in Warnkenhagen

Schullandheim Ueckermünde in Ueckermünde

Erfolgsgeschichte Nehringen

Eine Erfolgsgeschichte schreibt das Jugendgästehaus „Graureiher“ in Nehringen, ebenfalls bei Grimmen, das allerdings nie ein reines Schullandheim war und erst nach 1990 als Jugendbegegnungsstätte, zuerst in Trägerschaft der Gemeinde Grammendorf, auch mit europäischen Mitteln, aufgebaut wurde. Finanziell rund läuft es aber auch dort nicht, obwohl die Einrichtung des Nieparser Vereins „Storchennest“ steigende Übernachtungszahlen verzeichnet. „2017 gab es 3847 Übernachtungen“, informierte die Leiterin Simone Wagner. Besonders beliebt seien die beiden Bettenhäuser (+23 Prozent), die Anzahl der Übernachtungen in Blockhütten und Zelten sei hingegen leicht gesunken. Schulen nutzen das Angebot besonders häufig. Viele besondere Angebote, wie beispielsweise das Steinzeitlager, dass den Unterricht ergänzt, oder Kanutouren locken. Trotz dieser Zahlen fällt die Bilanz des Jugendgästehauses für 2017 ernüchternd aus: Einnahmen von knapp 76000 Euro standen 120000 Euro an Ausgaben gegenüber: ein Minus von 44000 Euro.

Vorreiterrolle in Gefahr

„Jedes der neun Schullandheime unter unserem Dach ist rechtlich und wirtschaftlich selbstständig“, erklärt der Vorsitzende des Landesverbandes der Schullandheime MV, Stefan Baerens. „Finanziell sei es bei fast allen auf Kante genäht. Da sei es kein Wunder, dass es so wenige Einrichtungen gebe. “Bis auf das Schullandheim in Dierhagen sind die verbliebenen aber relativ gut aufgestellt“, meint der Landesvorsitzende. Vermutlich könne der Träger das Haus wirtschaftlich nicht halten, eine Auskunft dazu direkt vom Betreiber war leider nicht zu bekommen. „Wir kämpfen darum, dass Häuser, die gemeinnützig betrieben werden und Kindern und Jugendlichen dienen, gefördert werden, aber bisher ist das nur in Ausnahmefällen möglich“, bedauert Baerens. „Wenn man in diesem Land die Gemeinnützigkeit dieser Einrichtungen behalten möchte, muss sich die Politik dazu bekennen. Sonst geht die Vorreiterrolle, die MV auf dem Gebiet des Jugendtourismus einst hatte, total verloren“, sagt er.

Almut Jaekel

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