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Grimmen Jäger: Die Schweinepest ist nicht aufzuhalten
Vorpommern Grimmen Jäger: Die Schweinepest ist nicht aufzuhalten
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17:13 16.02.2018
Wildschweine sind scheue Tiere und erkrankte Tiere ziehen sich eher zurück. Eine Begegnung im Wald ist unwahrscheinlich. Quelle: Foto: Deutscher Jagdverband

16 Gesellschaftsjagden haben die Mitarbeiter des Forstamtes Poggendorf seit November organisiert – zwei mehr als traditionell, mehr als 500 Wildschweine wurden dabei erlegt. „Wir versuchen alles, um den Schwarzwildbestand zu reduzieren und die Afrikanische Schweinepest aufzuhalten. Gelingen wird es uns nicht“, sagt Matthias Sandmann, Sachbearbeiter für Holzvermarktung und Jagd im Forstamt.

Matthias Sandmann wirft einen „Pürzel“ in die Konfiskatentonne. FOTOS (2): ALMUT JAEKEL
Wildfleisch ist ein Lebensmittel erster Güte, wegen der großen Mengen bekommen wir es aber nicht verkauft.Harald Zimmermann Jäger, Zarrendorf

Die Viruserkrankung kommt aus afrikanischen Ländern, betrifft ausschließlich Schweine, hat sich bereits bis Ostpolen und Tschechien ausgebreitet, komme immer näher und endet in nahezu allen Fällen mit dem Tod der Tiere, erklärt Sandmann. In unseren Breiten wird sie von Tier zu Tier übertragen oder über kontaminierte Gegenstände. „Es soll aber im schlechtesten Fall auch ausreichen, wenn jemand ein kontaminiertes Salamibrötchen wegwirft, um die Seuche einzuschleppen, sagt er. Besonders effizient sei die Übertragung über Schweiß. „Der sehr resistente Erreger ist für den Menschen absolut unschädlich“, klärt Sandmann auf. Aber der Mensch transportiert diesen Erreger. Und im schlimmsten Fall eben auch in Hausschweinebestände.

Im laufenden Jagdjahr, das noch bis zum 1. April geht, wurden allein vom Poggendorfer Forstamt 534 Wildschweine erlegt. „Das sind gut 30 Prozent mehr als sonst“, sagt der Forstamtsmitarbeiter. Die einzelnen Jäger kämen mit ihren Abschüssen noch dazu. Der Bauernverband fordert, 70 Prozent des gesamten Wildschweinbestandes zu töten. „Das ist nicht zu schaffen“, sagt Sandmann. Wildschweine hätten eine Vermehrungsrate von 300 Prozent. Bisher hätten die Jäger immer versucht, den natürlichen Zuwachs zu erlegen. Aber auch das sei schon nicht gelungen. Dazu komme, dass es in den letzten drei Jahren so gut wie keinen Winter und dadurch viel Nahrung für die Schweine gegeben habe und die Tiere sich super entwickeln konnten. Sandmann: „Sonst sterben frühe Frischlinge auch schon mal vermehrt in kalten Wintern mit wenig Futter.“ Und im Sommer hätten die Wildschweine in den großen Maisfeldern hierzulande sowieso mehr als ausreichend zu fressen. Im Winter würden sie in die Wälder oder auch in die Städte, wie beispielsweise nach Greifswald, ziehen, wo es massive Probleme mit ihnen gibt.

Die Reduzierung der Bestände sei gut und wichtig, bekräftigt Matthias Sandmann. Denn je größer die Population sei, desto größer sei die Seuchengefahr. „Die Schwarzwildreduktion funktioniert“, hatte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) in der vergangenen Woche in Tribsees gesagt. Für 9000 Stück Schwarzwild werde mittlerweile schon die sogenannte Pürzelprämie gezahlt. Auch in Naturschutzgebieten sei es möglich, Streifen zu mähen, um die Jagd der Wildschweine zu erleichtern. Trotz aller Maßnahmen könne die Afrikanische Schweinepest aber nicht aufgehalten werden, meint auch der Minister. Backhaus: „Jeden Monat kommt sie aus Osten etwa fünf Kilometer näher.“ Deshalb plädiere er für einen regelrechten Gürtel nach Polen, der absolut wildschweinfrei gehalten werden solle.

Um die Jäger zu motivieren, noch mehr Wildscheine zu erlegen, gibt es nun die sogenannte Pürzelprämie – für jedes erlegte Stück Schwarzwild werden 25 Euro gezahlt. Und als Beweis müssen die Jäger den Pürzel, also den Schwanz des Tieres, im Forstamt abgeben. Harald Zimmermann aus Zarrendorf brachte am Donnerstag drei Pürzel ins Amt. Zuvor bekamen die erlegten Schweine Ohrmarken als Kennzeichnung.

Und es gibt ein Papier, das belegt, wo, von wem und wann das Schwein geschossen wurde. Im Forstamt stellt Harald Zimmermann die Anträge auf die Pürzelprämie. Der danach nutzlose Schwanz wird entsorgt. „Von Ende Dezember bis Ende Januar haben wir im Einzugsgebiet des Forstamtes so schon 15000 Euro ausgezahlt, also für noch einmal 600 erlegte Wildschweine durch unsere Jäger“, sagt Sandmann.

„Das ist für alle Beteiligten ziemlich viel Aufwand“, meint Harald Zimmermann. Besonders die Forstamtsmitarbeiter würden mit diesen Tätigkeiten belastet. Der Jäger sieht jedoch noch ein ganz anderes Problem: „Wohin mit dem Wildschwein-Fleisch? Wir brauchen Unterstützung bei der Vermarktung.“ Das wäre für ihn sinnvoller als die Pürzelprämie. Denn Wildfleisch sei ein Lebensmittel erster Güte, aufgrund der enormen Wildschweinmengen bekämen die Jäger es aber nicht mehr verkauft. „Der Markt für Wildschwein-Fleisch ist weggebrochen“, sagt auch Sandmann. „Sonst wurde es nach Frankreich und Italien exportiert. Diese Länder nehmen aufgrund der Seuchengefahr nichts mehr ab.“ Und der Binnenmarkt sei voll. Der Wildschweinfleisch-Preis sank von 1,55 Euro pro Kilogramm auf 50 Cent pro Kilo.

Die Afrikanische Schweinepest

An Afrikanischer Schweinepest erkrankte Tiere ziehen sich zurück und sind normalerweise nicht auffällig wie beispielsweise tollwütige Tiere, erklärt Matthias Sandmann vom Forstamt Poggendorf.

Spaziergänger sollten dennoch die Augen offenhalten und dem Landkreis melden, wenn sie beispielsweise taumelnde Wildschweine oder gar tote Tiere gesehen haben.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Viruserkrankung und für den Menschen unschädlich.

Übertragen wird sie von Tier zu Tier, durch kontaminierte Gegenstände oder über den Menschen.

Almut Jaekel

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