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Jahrelang war im Herrenhaus eine Schule

Jahrelang war im Herrenhaus eine Schule

Nachdem 1927 das alte Gebäude abbrannte, wurde sofort das neue Haus errichtet

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Ein historischer Blick auf das Gutshaus. Zu jener Zeit wurde es als Schule genutzt.

Quelle: Sammlung Wolfgang Marder (4), Raik Mielke (1), Archiv Der Ostsee-Zeitung (1)

Kirch Baggendorf Von welchem Gutshaus in der Region außer Kirch Baggendorf lässt sich schon behaupten, dass es direkt vor der Eingangstür einen großen Swimmingpool hat?

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Nachdem 1927 das alte Gebäude abbrannte, wurde sofort das neue Haus errichtet

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Quellen und Literatur

Marder, Wolfgang: Güter und Dörfer im Kreis Grimmen, 2008.

Dorfchronik von Kirch Baggendorf

• Internet: http://www.gutshaeuser.de/herrenhaeuser/gutshaeuser_k/kirch_baggendorf

Auch wenn die blaue Riesenwanne nicht direkt zum Gutshaus gehört, hätte der erste bekannte Gutsbesitzer Bodinus diesen Luxus sicher auch gern genossen. In unserer Serie „Prunk, Zerfall und Wiederaufbau“ blicken wir heute auf die Geschichte des Gutshauses in Kirch Baggendorf.

Aus der Anfangsgeschichte des Gutes ist nur sehr wenig bekannt. Die Ansiedlung soll um 1220 stattgefunden haben. In alten Dokumenten wird im Jahre 1242 der Ritter Egertus Bekendorpe genannt. Zum Mittelpunkt des Dorfes wurde wenig später die 1250 erbaute Kirche. Über die Besitzer des Gutes ist nur sehr wenig bekannt. Erst aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind die ersten Namen überliefert. So kaufte zu jener Zeit der bereits angesprochene F. Bodinus das über 480 Hektar große Rittergut. Jener hatte sich, wie damals üblich auf die Schafzucht spezialisiert. Aus dem

Grimmer Kreis-Wochenblatt vom November 1878 ist darüber folgendes zu erfahren: „Im November 1878 gab es bei den Schaflämmern zu Kirch-Baggendorf eine Pockenseuche. Alle Schafe mussten geimpft werden.“

In den Ställen Bodinus‘ lebten zu jener Zeit über 500 Schafe und 52 Pferde. Letztere kamen vor allem beim Einbringen der Ernte zum Einsatz. Die Fertigstellung der Kleinbahnstrecke Greifswald— Grimmen—Tribsees und dem in der Nähe liegenden Bahnhof in Voigtsdorf brachte dem Gut bessere Möglichkeiten, das Erntegut und Lebendvieh in die Städte zu transportieren.

Nach dem Tod von Bodinus ging das Rittergut in den Besitzt seiner Frau über. Die Gutsverwaltung wurde daraufhin einige Jahre von Carl Röper übernommen.

Um 1927 wurde auf dem Gut vorrangig die Schweinzucht betrieben. Zur damaligen Zeit waren es 340 Schweine, über 140 Kühe, 340 Schafe und immer noch über 50 Pferde.

Das alte Gutshaus gab es damals schon mindestens seit dem frühen 14. Jahrhundert, was die im Inneren beeindruckenden Malereien bewiesen. Das Herrenhaus stand in einem großen Park, in dem ein außergewöhnlicher Baumbestand zu verzeichnen war. Aus den Quellen geht hervor, dass man damals von einer erhöhten Stelle am Ende des Parks einen herrlichen Blick über die Trebelwiesen hatte. Zum Gutshof gehörten der Pferdestall, der 1926 gebaute Kuhstall sowie die in einem Gebäude untergebrachte Schmiede und Stellmacherei. Im selben Gebäude befand sich damals ein großer Wagenschuppen und in unmittelbarer Nähe die 1912 gebaute Scheune.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine Molkerei in Kirch Baggendorf gebaut, die aber 1928 aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb wieder einstellen musste. Danach befand sich in der Molkerei eine Schule mit Pension, welche auch die Kinder der Gutsbesitzer aus der näheren Umgebung besuchten. In der Folgezeit wurde dieses Gebäude als Kolonialwarenladen weitergeführt.

Im Jahre 1927 brannte das alte mit Rohr gedeckte Gutshaus vollständig ab. Obwohl die wirtschaftliche Lage des Betriebes nicht gut war, ließ Anna Bodinus ein neues Gutshaus bauen. Dieser Prachtbau wurde nicht wie das vorherige Gebäude mit der Vorderfront sondern mit der Giebelseite zur Straße errichtet. An dem Bau waren damals unter anderem die Grimmener Maurerfirma Arno Höhne und Zimmerei Höflinger beteiligt. Da der Bau damals 80000 Reichsmark verschlang, wurde der zuerst mitgeplante linke Seitenflügel dann einfach nicht mit errichtet. Aufgrund der schlechten Ernte von 1927 konnten die Verbindlichkeiten, die durch den Bau entstanden waren, nicht mehr realisiert werden und Anna Bodinus war gezwungen, Insolvenz anzumelden.

1928 wurde das Rittergut durch die Pommersche Landesgesellschaft mit Sitz in Stettin aufgesiedelt. Es entstanden 20 Siedlungen mit einer Größe von zehn bis 17 Hektar. Die Siedler kamen aus Westpreußen und Westfalen. Die Siedlungsgesellschaft ließ Häuser und Stallungen bauen, die dann von den Siedlern auf Rentenbasis übernommen und teilweise später gekauft wurden. Das Restgut übernahm Ulrich Rückert und zog seinerseits ins Gutshaus. Im Jahre 1940 erfolgte der Neubau von zwei Silos auf dem Gutshof.

Nach der Besetzung des Dorfes durch die Rote Armee befand sich im Gutshaus bis zum Juli 1945 deren Kommandantur. Zunächst waren hier zehn Flüchtlingsfamilien untergebracht. Ab 1948 wurde in einem Raum des ehemaligen Herrenhauses der Schulbetrieb aufgenommen. In der Folgezeit diente das Haus auch als Verkaufsstelle, Standesamt, Bürgermeisterei, Polizeistation und Friseursalon, bis es die Gemeinde gänzlich als Schule umbaute. 2012 fanden sich für das Gutshaus bei einer Versteigerung neue Eigentümer. Vom ehemaligen Wirtschaftshof blieb ein Stall erhalten, weitere Gebäude wurden zu Wohnungen ausgebaut.

Die Geschichte des Gutshauses auf einen Blick

Im frühen 13. Jahrhundert war in Kirch Baggendorf der Ritter Egertus Bekendorpe ansässig.

Im 19. Jahrhundert erwarb Herr Bodinus das Rittergut, nach seinem Tode führte seine Frau den Betrieb weiter.

Als es in den 1920er Jahren mit der wirtschaftlichen Lage des Gutes bergab ging, brannte 1927 auch noch das alte Gutshaus ab und Frau Bodinus ließ ein neues Herrenhaus errichten.

Kurz darauf musste sie Konkurs anmelden und das Gut wurde durch die Pommersche Landgesellschaft aufgesiedelt. Das Restgut erwarb Herr Rückert, der mit seiner Familie das Gutshaus bewohnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog erst die russische Kommandantur in das Gutshaus ein, später kamen hier Flüchtlinge unter.

Ab 1972 war es ein Schulgebäude.

Von Raik Mielke

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