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Grimmen Jahresgehalt von 47500 Euro ist drin
Vorpommern Grimmen Jahresgehalt von 47500 Euro ist drin
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00:13 26.04.2018
Der Bereich Zahntechnik hat sich bestens entwickelt. Hier fertigen Mitarbeiter des Dentallabors Kock in Richtenberg Prothesen an. Quelle: Foto: Ines Sommer

12295 Betriebe sind in die Rolle der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern eingetragen. Die Mehrheit schätzt ihre wirtschaftliche Situation als sehr stabil ein. Kammerpräsident Axel Hochschild, der seit 30 Jahren einen Malerbetrieb unterhält, äußert sich zu Wartezeiten, Fachkräftemangel und ländlichen Regionen.

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Handwerker in Vorpommern sehen optimistisch in die Zukunft: Die Auftragsbücher sind voll, die Zahl der Lehrlinge steigt.

Steigende Umsätze im Bauhauptgewerbe

32 Prozent der Unternehmen der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern erwarten steigende Umsätze. Das sind vor allem Betriebe aus dem Bauhauptgewerbe (Maurer, Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker, Straßenbauer, Gerüstbauer), aus dem Gesundheits- sowie Nahrungsmittelhandwerk.

62 Prozent (Ausbauhandwerke) sprechen von gleichbleibenden Umsätzen. Dienstleistungs- und Kfz-Handwerk rechnen mit weniger Umsatz.

Ist auch im regionalen Handwerk in Vorpommern die wirtschaftliche Entwicklung so gut, wie es die Konjunkturumfrage aussagt?

Axel Hochschild: Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und zeigen eine robuste Binnennachfrage. Der durchschnittliche Auftragsbestand beträgt elf Wochen. Die Geschäftslage wird von 90 Prozent der Betriebe in Vorpommern als gut bis befriedigend beurteilt.

Fachkräftemangel entwickelt sich zur konjunkturellen Bremse. Ist das Handwerk für junge Menschen attraktiv?

Absolut. Wir haben 130 Ausbildungsberufe und konnten wieder mehr Ausbildungsverträge abschließen. Ende 2017 waren es erneut drei Prozent mehr. Das ist erfreulich. Das Handwerk ist modern und innovativ. Die Digitalisierung hat in allen Branchen Einzug gehalten. Da gibt es den 3D-Drucker bei den Zahntechnikern, Smart-Home im Elektrohandwerk oder die CNC-Maschinen bei den Tischlern. Im Handwerk haben auch Jugendliche mit Startschwierigkeiten gute berufliche Chancen, ebenso Gymnasiasten und Studienaussteiger. Möglich ist auch ein Studium oder selbst Unternehmer zu werden. Darüber informieren wir in Schulen, auf Messen, im Internet oder mit Tagen der offenen Tür in Bildungszentren der Kammer.

Was ist besser – Ausbildung oder Studium?

Beides ist gut. Mancher Tischler studiert Architektur und wir haben Studienaussteiger, die Arzt werden wollten und nun Hörakustiker oder Zahntechniker sind.

Welcher Handwerkszweig hat sich besonders gut entwickelt?

Die Gesundheitshandwerke – Augenoptiker, Hörakustiker, Orthopädieschuhmacher, Orthopädietechniker und Zahntechniker. Sie fertigen individuell angepasste Produkte und zählen meist zu den kleinen und mittleren Unternehmen. In unserer Handwerkskammer gehören mehr als 260 Betriebe zu den Gesundheitshandwerken.

Wie ist die Verdienstmöglichkeit im Handwerk?

Als qualifizierter Handwerker verdient man ordentlich. Ein Meister kann mit einem Jahresnettoeinkommen von 33800 bis 47500 Euro rechnen. Damit steht er finanziell oft besser da als ein Viertel der Hochschulabsolventen.

Viele Handwerksbetriebe finden keine Nachfolger. Wie steuert die Handwerkskammer gegen diesen Negativtrend?

Im Bereich der Handwerkskammer stehen in den nächsten fünf Jahren mehr als 2500 Firmen vor dem Generationswechsel. Wir brauchen bei den Handwerksmeistern Nachwuchs und begrüßen deshalb die Unterstützung des Wirtschaftsministeriums MV mit dem Meister-Extra von 2000 Euro. Die Kammer bietet dazu berufsbegleitende Meisterschulen bzw. in Vollzeit wie im Kfz-Handwerk an. Erfreulich ist, dass die Handwerkskammer 2017 insgesamt 134 Meisterabschlüsse registrieren konnte, 2015 waren es noch 106. Aber vor allem im ländlichen Raum ist es oft schwer, Nachfolger zu finden.

Die ländlichen Regionen überwiegen aber in MV ...

Die ländlichen Regionen sind als Wirtschafts- und Wohnstandorte unsere Zukunfts-Räume. Das wachsende Interesse an Regionalität kann eine Chance fürs Handwerk sein. Vom Nahrungsmittel- bis zum Bauhandwerker werden Produkte und Leistungen nicht nur vor Ort, sondern auch via Internet angeboten. Dazu brauchen wir jedoch Glasfaser bis ins kleinste Dorf. Aber auch die Verkehrs- und Infrastrukturen müssen stimmen. Dann sind Unternehmen auch im ländlichen Bereich für Lehrlinge und Fachkräfte attraktiv. Nicht zu vergessen: Viele Handwerksfirmen unterstützen Vereine vor Ort.

Wo ist die Politik im Zugzwang gegenüber dem Handwerk?

In MV muss dringend die Reformierung des Mobilitätsprogramms für Berufsschüler erfolgen. Wir fordern auch geringere Klassenstärken an Berufsschulen sowie die Einführung des Azubi-Tickets. Und wir brauchen eine schnellere Breitbandversorgung im Land.

Handwerker kommen oft zu spät, weil sie im Stau stehen ...

Die vielen Baustellen im Land müssen zeitlich besser untereinander koordiniert werden. Entlastungen müssen weitere Ortsumgehungen bringen, wie beispielsweise in Wolgast. Seit 20 Jahren wird geredet und nichts passiert. Nicht nur Urlauber, auch Handwerker stehen auf der Insel Usedom oft mehr als zwei Stunden im Stau. Die Wolgaster Ortsumgehung muss in Schwerin Chefsache werden.

Interview: Cornelia Meerkatz

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