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Jetzt wird‘s ernst: Stralsund will Kulturhauptstadt Europas werden

Stralsund Jetzt wird‘s ernst: Stralsund will Kulturhauptstadt Europas werden

Hansestadt plant erste Vorbereitungen, um im Jahr 2025 den Titel und damit viel Aufmerksamkeit zu erlangen

Stralsund. Die Hansestadt Stralsund als Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2025 — an der Verwirklichung dieses fernen, weil vor allem sehr finanzintensiven Traumes wird nun konkreter als bisher im Rathaus gearbeitet.

Zunächst soll es nach Angaben der Stadtverwaltung am 10. März eine Konferenz mit allen Kulturvereinen und -akteuren aus ganz Vorpommern geben, um das Potenzial und die Möglichkeiten für eine Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ zu eruieren. Während dieser als Workshop organisierten Veranstaltung sollen auf Grundlage entsprechender EU-Kriterien mögliche Ziele für eine Bewerbung formuliert werden, sagte der Beauftragte der Stadt für den Kunst- und Kulturbesitz, Burkhard Kunkel.

Frühere Pläne, denen zufolge sich die Städte Stralsund und Wismar gemeinsam um den Titel bewerben, seien verworfen worden, betonte Kunkel. Grund dafür sei, dass beide Hansestädte nicht so als eine gemeinsame Bewerberregion in den entsprechenden Antrag aufgenommen werden könnten wie es die EU vorsieht. Die Altstädte von Wismar und Stralsund waren von der Unesco 2002 zusammen zum Weltkulturerbe erklärt worden, weshalb zunächst die Idee geprüft worden war, auch bei dem Wettbewerb als Kulturhauptstadt eine gemeinsame Bewerbung auf den Weg zu bringen. Stattdessen laute der grobe Arbeitstitel für eine mögliche Bewerbung, die schon in den vergangenen Monaten immer mal wieder Thema in den städtischen Gremien war (die OZ berichtete), „Stralsund in Pommern“.

Diese Ausrichtung ist, betonte Kunkel, „eine gute Voraussetzung, um den Antrag zu stellen“. Zu der Konferenz seien Vertreter von Museen, Theatern und Kulturträger-Vereinen aus Barth, Greifswald, Anklam, von der Insel Rügen aber auch aus Polen eingeladen worden.

Der für den Kulturbereich zuständige Vize-OB Holger Albrecht (CDU) weist darauf hin, dass es unabhängig von den realen Chancen Stralsunds, am Ende wirklich eine erfolgreiche Bewerbung einzureichen, „zunächst wichtig ist, im Kulturbereich nachhaltige Kooperationen aufzubauen“. Deshalb die Konferenz.

Unter den Fraktionen der Bürgerschaft zeichnet sich unterdessen eine Zustimmung ab. Auch die CDU-Fraktion habe sich nach einer anfänglichen Skepsis inzwischen etwas geöffnet, sagte die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Ann-Christin von Allwörden. Noch vor einem Jahr hatten die Christdemokraten in den Vordergrund gestellt, dass eine Bewerbung nicht zwangsläufig einen Nutzen für Stralsund haben müsse. Friederike Fechner (Grüne) versucht diese Bedenken zu zerstreuen: „Wir sollten auch die Erfahrungen anderer Städte einbeziehen, die mit ihrer Bewerbung gescheitert sind, damit wir einen besseren Start haben.“ Zudem könnte Stralsund ebenso wie die Stadt Görlitz auch von einer gescheiterten Bewerbung profitieren. „Görlitz wird seitdem von viermal so vielen Touristen besucht“, sagte Fechner. Die Wählergemeinschaft Bürger für Stralsund (BfS) kann mit den Plänen trotzdem nichts anfangen. „Hier sollten keine Luftschlösser gebaut werden“, kritisierte BfS-Stadtvertreter Michael Philippen. „Wir haben genug andere Probleme, als Kulturhauptstadt zu werden.“ Die Kosten für die Bewerbung scheinen in der Tat imposant zu sein. Weimar, eine der früheren Kulturhauptstädte, hat sich das Spektakel insgesamt 24 Millionen Euro kosten lassen. Mannheim will bereits 2020 diesen Titel bekommen und investiert zurzeit allein in das Bewerbungsprocedere etwa 100 000 Euro pro Jahr. Die Bewerbung für das Jahr 2025 müsste die Stralsunder Stadtverwaltung spätestens 2019 einreichen.

Benjamin Fischer

 



OZ

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