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Kam Quecksilber im Ryck aus der alten Chemie?

Greifswald Kam Quecksilber im Ryck aus der alten Chemie?

Grenzwerte für Fische werden zeitweise ums Fünffache überschritten / Bundesumweltamt sieht keine Gefahr für die meisten Menschen

Greifswald. Mit Quecksilber ist nicht zu spaßen. Es schädigt das Nervensystem. Besonders gefährdet sind noch ungeborene Kinder, Babys und Kleinkinder, wo das Schwermetall zu schweren Hirnschäden führen könne, heißt es auf der Internetseite des Bundesumweltamtes. „Risikogruppen wie Schwangere sollten keinen Fisch essen“, rät Felix Poetschke, Sprecher der Behörde. Denn die Wasserbewohner sind die Nahrungsmittel, über die in der Regel das Quecksilber aufgenommen wird.

Auch die Fische im Ryck sind mit Quecksilber belastet. 2014 wurde bei Messungen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) der von der EU festgelegte Grenzwert um das Fünffache überschritten. Auch im Wasser erfolgte 2013 eine Grenzwertüberschreitung um das 1,5-Fache. Das Fazit des LUNG für den chemischen Zustand des Ryck lautet „nicht gut“.

LUNG-Chef Harald Stegemann hält indes nichts von Panikmache. Beim Wasser seien die genannten erhöhten Konzentrationen „Ausreißer“ der langjährigen Messungen, die man indes nicht ignorieren dürfe.

Fische, der Fachmann spricht allgemeiner von Biota, würden erst seit kurzem untersucht. „Die Grenzwerte der EU werden weltweit überschritten, sie sind praktisch nicht sinnvoll“, schätzt Stegemann ein.

Dass es sich um ein allgemeines Problem in Deutschland handele, bestätigt Felix Poetschke und setzt hinzu: „Die Grenzwerte für Nahrungsmittel des Menschen liegen 25 Mal so hoch wie die für Biota. Bei Hechten, die sich ausschließlich von anderen Fischen ernähren, kann ein Risiko für diese Fische nicht ausgeschlossen werden.“ Der Ryck ist keinesfalls sehr hoch belastet. In der Elbe wurden schon zehnfache Überschreitungen der Grenzwerte gemessen. Zu den wichtigsten Quellen des Quecksilbers in den Fischen gehören Kohlekraftwerke und Vulkane, erläutert Stegemann.

Die Grenzwertüberschreitungen im Ryckwasser wurden übrigens vor der Steinbecker Brücke und bei Groß Petershagen gemessen. Der Greifswalder Biologe Dr. Henry Witt hat dafür eine Erklärung. „Ich gehe davon aus, dass das Quecksilber zum Teil aus den früheren chemischen Instituten in der Soldmannstraße stammt“, sagt er. „Denn zumindest ein Teil der Abwässer wurde über die Regenleitungen von der Fettenvorstadt zum Ryck entsorgt.“ Das sei Anfang der 1990er Jahre mittels „Vernebelung“ der Leitungen festgestellt worden . „Aus den Abflüssen in der Chemie kam Dampf“, erzählt er. Danach wurden Regen- und Abwasserentsorgung getrennt. Zweite Quelle sei die 1993 geschlossene Brauerei in der Grimmer Straße gewesen. „Auf deren Gelände wurden Fahrzeuge gewaschen, mit denen Braugerste angeliefert werden sollte. „Diese wurden auch für Saatguttransporte eingesetzt“, erinnert Witt. Gewaschen wurden die Fahrzeuge, weil das Saatgut in der DDR mit quecksilberhaltigen Pflanzenschutzmitteln gebeizt wurde. Über die Regenentwässerung der Brauerei wurde das Schwermetall Richtung Ryck transportiert und lagerte sich im Sediment ab, von wo es nun immer wieder ins Wasser gelangt. „1991 musste der Teich im Tierpark entschlammt werden“, erzählt Witt. Das Gewässer war Teil der Regenentwässerung der Fettenvorstadt, hatte eine Verbindung zum Stadtgraben. Witt nahm 1991 Messungen im Schlamm vor und wies dort erhöhte Konzentrationen der giftigen Schwermetalle Quecksilber und Cadmium nach.

„Seitens der Universität liegen dazu keine Erkenntnisse vor“, bedauert Sprecher Jan Meßerschmidt.

Eckhard Oberdörfer

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