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Grimmen Klevenow: Jahrhunderte alte Kanonenrohre dienen als Poller
Vorpommern Grimmen Klevenow: Jahrhunderte alte Kanonenrohre dienen als Poller
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12:13 09.01.2019
Jürgen Albrecht aus Grimmen entdeckte die Kanonenrohre vor einigen Jahren bei einer Radtour durch Klevenow. Quelle: Raik Mielke
Klevenow

 Täglich fahren Hunderte Menschen am Eingangstor der einst prachtvollen Gutsanlage in Klevenow südlich von Grimmen vorbei. Das im Tudorstil errichtet Portal befindet sich direkt an der Dorfstraße. Doch sicher die Wenigsten haben sich die beiden Poller, welche den befahrbaren Torbereich schützen sollen, bis dato genauer angesehen. Warum auch? Solche Metall-Poller sind ja nun auch nicht besonders spannend. Falsch gedacht! Denn was dort mit weiß-roter Farbe gekennzeichnet wurde, sind zwei Kanonenrohre, die höchst wahrscheinlich mehrere hundert Jahre alt sind. Dies behaupt der geschichtsinteressierte Grimmener Jürgen Albrecht, dem die beiden Kanonenrohre bereits vor vielen Jahren aufgefallen sind.

Direkt vor der Einfahrt zum Gutspark in Klevenow stehen die beiden Kanonenrohre. Quelle: Raik Mielke

„Bei einer Radtour weckten die beiden Metallrohre, welche als Mauerschutz dienen, meine Aufmerksamkeit“, erzählt der Rentner und erklärt: „Ich erinnerte mich, dass ich diese schon zu Schulzeiten, also vor mehr als 40 Jahren, gesehen hatte und schaute sie mir genauer an.“ Was Jürgen Albrecht dann entdeckte, konnte er kaum fassen. „Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit unserer Heimatgeschichte und insbesondere mit der Zeit des 30-jährigen Krieges in unserer Region“, sagt er und beschreibt: „Die als Poller getarnten Rohre sind tatsächlich Kanonenrohre eines Vorderlader-Geschützes. Die Bauweise lässt vermuten, dass diese aus dem 17. Jahrhundert sind.“

Diese historische Aufnahme zeigt, dass sich die Kanonenrohre seit vielen Jahrzehnten vor dem Eingangstor befinden. Quelle: OZ-Archiv

Doch Jürgen Albrecht will auf Nummer sicher gehen und informiert damals das Pommersche Landesmuseum in Greifswald. Wie der Trebelstädter erzählt, bestätigten daraufhin Gutachter, dass es sich tatsächlich um Kanonenrohre handelt. „Dies erfuhr ich in einem Telefonat. Zudem wurde mir aber auch gesagt, dass das Interesse einer Bergung nicht bestand“, sagt er. Die Jahre vergingen und im Zuge einer Sanierung des Eingangsportals wurden die beiden Kanonenrohre mit roter und weißer Farbe angestrichen. „Dann sah ich Handlungsbedarf und habe mich an diverse kleinere Museen der Region, aber auch an die Gemeindeverwaltung gewandt“, erzählt Jürgen Albrecht und ergänzt: „Leider tat sich bis dato nichts, was ich sehr schade finde.“

Detailaufnahmen der beiden Kanonenrohre eines Vorderlader Geschützes. Diese werden seit vielen Jahrzehnten als Schutzpoller in Klevenow genutzt. Im oberen Bereich ist das Zündloch noch deutlich zu erkennen. Quelle: Raik Mielke

Dabei könnten diese beiden Kanonenrohre in Zusammenhang mit der alten Burganlage in Klevenow stehen. „Diese wurde im 30-jährigen Krieg zerstört. Anschließend wurde auf den Grundmauern der Burg das heutige Gutshaus errichtet“, sagt Jürgen Albrecht. Und der Zustand ist für das Alter der Kanonenrohre überaus gut. „Die Richtkugeln und Auflagestützen fehlen zwar, aber Details, wie das Zündloch sind noch klar erkennbar“, beschreibt er und meint: „Ich finde, so etwas gehört ganz einfach in ein Museum und darf nicht am Straßenrand verrotten.“

Detailaufnahmen der beiden Kanonenrohre eines Vorderlader Geschützes. Die Kanonenrohre sind in der Erde verankert und an das Eingangsportal gelehnt. Quelle: Raik

Jürgen Albrecht wünscht sich, dass die Geschütz-Fragmente doch noch gerettet werden. „Man liest dauerhaft von Scherben-Funden prähistorischer Tongefäße. Diese werden von den Archäologen gefeiert. In Klevenow liegen zwei gut erhaltene Kanonenrohre, die ohne großen Aufwand geborgen werden könnten. Ich hoffe dies geschieht noch, bevor es zu spät ist.“

Raik Mielke

Bärbel Schubert aus Grimmen engagiert sich ehrenamtlich im Tierpark und in der Volkssolidarität. Die 70-Jährige betreut auch Schüler an der Regionalschule „Robert Koch“.

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