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Grimmen Kollegiale Verneigung vor Holger Biege
Vorpommern Grimmen Kollegiale Verneigung vor Holger Biege
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00:28 18.05.2018
Während des Konzerts in Lieschow: Holger Bieges Bruder Gerd Christian und Thomas Putensen im Duett. FOTOS (6): CHRISTIAN RÖDEL

Vor einem Jahr gastierte der renommierte Sänger Holger Biege in der Lieschower Scheune von Bauer Thomas Lange. Im Rollstuhl sitzend konnte der charismatische ostdeutsche Musiker an diesem Mai-Abend nur noch körperlich stark eingeschränkt die Auftritte seiner Freunde um das Universal-Genie Thomas Putensen wahrnehmen. Am vergangenen Mittwochabend bei der zweiten Auflage dieses Konzertes jedoch fehlte der Ostberliner Sänger, dessen vorpommersche Wurzeln in Greifswald liegen.

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Fröhliches Gedenkkonzert für großartigen Sänger und Komponisten / Sein musikalisches Lebenswerk wird im kleinen Lieschow auf Rügen gefeiert

Gebürtiger Greifswalder

Holger Biege war einer der bekanntesten Rockmusiker der DDR.

Der gebürtige Greifswalder blieb 1983 nach einem Konzert in Westberlin.

In der DDR trat er erst wieder in der Wendezeit auf.

Im Juni 2012 erlitt der damals 59-Jährige einen Schlaganfall.

Er starb am 25. April 2018.

Der schwer kranke Holger Biege, den vor sechs Jahren ein Schlaganfall mit anschließender körperlicher Lähmung ereilte, starb am 25. April. Aus dem geplanten öffentlichen Freundeskreis-Konzert mit vielen Fans wurde am Mittwoch ein Gedenkabend ganz im Sinne von Holger Biege – ohne Pathos und fernab jeglicher aufgesetzter Sentimentalität. Es sollte sogar ein phasenweise geradezu fröhlicher Auftritt alter Weggefährten aus unterschiedlichen Epochen seiner Schaffenszeit werden. Es wurde mehr als eng in der zum Bersten gefüllten Scheune. „Wir sind restlos ausverkauft heute“, freute sich der technische Organisator Michael Landmann. Er hatte gemeinsam mit dem für die Musik verantwortlichen Thomas Putensen diesen besonderen Konzertabend auf die Beine gestellt.

Den beiden Organisatoren gelang es sogar, Holger Bieges Bruder, den ebenfalls sehr erfolgreichen Schlagersänger Gerd Christian nach Lieschow zu holen. Die beiden Brüder haben sich erst in der letzten Lebensphase von Holger Biege „vor gut zwei Jahren wieder versöhnt“, wie Gerd Christian es ausdrückte. „Wir sind beide sehr ehrgeizig gewesen, aber Holger war ein Perfektionist und das hat zu Spannungen zwischen uns geführt“, sagte Gerd Christian, der stets seinen Nachnamen Biege in der Öffentlichkeit unterschlug. „Wir haben denselben Vater und die dieselbe Mutter“, stellte Gerd Christian noch einmal klar. „Wir hatten eine schöne Kindheit in Greifswald und Jugend später in Berlin“, so der in Berlin lebende Sänger.

Der Song „Sag ihr auch“ war ein absoluter DDR-Schlagerhit, der Millionen Fans begeisterte. Es ist Thomas Putensen zu verdanken, dass genau dieser eher sentimentale Erfolgsschlager an dem Abend in Lieschow zu einem funkig-rockigen Feuerwerk wurde. Putensen hatte dieses zartschmelzende Schmachtlied völlig neu mit seinen Bandkollegen arrangiert. Verblüfft stellte Gerd Christian nach der ungewöhnlichen Live-Nummer fest: „Putte, ich glaube, ich sollte meinen alten musikalischen Sektor verlassen und etwas Neues wagen.“ Gerd Christian plauderte auf der Bühne aus dem Nähkästchen und erzählte, wie er in der Küche mit seinem Bruder Holger den Erfolgshit „Cola Wodka war schuld daran...“ textete und komponierte.

Unter den hunderten Gästen war auch Heinrich Buschmann aus Jockgrimm in Rheinland-Pfalz, der mit seiner Stiftung zur Förderung der Inklusion durch Mobilität zu Lebzeiten viel für Holger Biege und seine Frau Cordelia getan hat. „Ich habe Holger und Cordelia unterstützt, damit zumindest die technische Mobilität der beiden halbwegs gewährleistet werden konnte“ sagte der ehemalige Siemens-IT-Experte, der seit 45 Jahren wegen einer fortschreitenden Muskelschwächeerkrankung auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Ein speziell umgebauter Transporter hat es dem Ehepaar ermöglicht, gemeinsam mobil zu bleiben.

Schon während des Konzerts kam in der Scheune immer wieder die Frage, ob es eine Nachauflage dieses Tribute-Konzertes geben wird. Eindeutige Antwort von Bauer Thomas Lange: „Ja, wir haben vor, diese Veranstaltung einmal im Jahr auf die Beine zu stellen, aber zukünftig werden wir sie erst im Juni auf die Bühne bringen können.“ Thomas Putensen empfahl, schon am 9. September nach Lieschow zu kommen. Auf dem Programm steht die „Ostside-Story“ mit vielen alten DDR-Hits.

Christian Rödel

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