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Grimmen Kreis betreut 110 elternlose Teenager aus dem Ausland
Vorpommern Grimmen Kreis betreut 110 elternlose Teenager aus dem Ausland
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00:01 03.06.2016

Im Landkreis sind derzeit 110 ausländische Teenager im Alter von 14 bis 17 Jahren untergebracht, die ohne ihre sorgeberechtigten Eltern oder Angehörigen nach Deutschland gekommen sind. Nach Angaben des Kreis-Jugendamtes lebt das Gros – etwa 70 – in fünf extra für sie eingerichteten Wohnunterkünften (Mölschow-Usedom, Greifswald, Anklam, Ueckermünde und Pasewalk), in denen sie von Sozialarbeitern betreut werden. Alla weiteren, etwa 40 Jugendlichen seien bei Verwandten untergekommen, würden aber wie die anderen sozialpädagogisch begleitet.

Die Inobhutnahme der betreffenden minderjährigen Ausländer sei gesetzlich geregelt, stellt Kreis-Jugendamtsleiterin Karina Kaiser klar. Durch den Bund sei dem Landkreis eine Art Quote für die Aufnahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge auferlegt worden. Danach sei Vorpommern-Greifswald verpflichtet, bis zu 148 betroffene Teenager in Obhut zu nehmen, bis ein gesetzlicher Vormund für sie bestimmt wurde. Für gewöhnlich werde der Kreis per Bescheid über die Zuweisung eines elternlosen Minderjährigen informiert. „In der Folge müssen wir seinen Empfang und seine Unterbringung organisieren“, schildert Karina Kaiser. Innerhalb von nur drei Tagen habe der Kreis beim Familiengericht die Bestellung eines Vormunds für den betreffenden Teenager zu beantragen. Bis das Gericht entschieden habe, könnten bis zu drei Monate vergehen.

Vier der fünf Wohnunterkünfte für die elternlosen Jugendlichen werden von freien Trägern der Jugendhilfe betrieben. In einer, die in Mölschow auf Usedom, führt der Landkreis Regie. „Bei uns leben derzeit neun Jungen aus Afghanistan, Somalia und Ägypten. Betreut werden sie von fünf Sozialarbeitern in drei Schichten“, schildert Ulrike Patorra, Leiterin der Einrichtung. Für jeden in Obhut genommenen minderjährigen Flüchtling stelle der Staat etwa zweieinhalb Tausend Euro im Monat bereit, erklärt Karina Kaiser. Das sei kaum mehr als im Falle deutscher Heranwachsender, die in Jugendhilfeeinrichtungen lebten. Per Gesetz werde für jeden aufgenommenen elternlosen minderjährigen Flüchtling ein fester Geldbetrag für Essen und Hygiene sowie ein weiterer für die Integration in Vereinen gewährt. Die Betroffenen bekämen zudem ein Taschengeld ausgezahlt. Das größte alltägliche Problem in „ihrer“ Einrichtung sei die sprachliche Verständigung, erzählt Ulrike Patorra. Es fehlten Sprachmittler. Andererseits besuchten die minderjährigen Teenager Deutschkurse in Schulen und lernten relativ schnell.

Einmal im Monat kommt das Kreis-Jugendamt mit den Betreibern der Wohnunterkünfte und Betreuern zusammen. Dann tausche man Erfahrungen aus und spreche über Probleme, schildert Kaiser. Gemeinsames Ziel sei es, den in Obhut genommenen Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Dazu stünden die Beteiligten in Kontakt zu Schulen, Berufsschulen und Firmen.

Mittlerweile besuchten einige elternlosen minderjährige Ausländer Gymnasien, andere wiederum würden in Berufsschulen ausgebildet. Nicht jeden zugewiesenen Teenager halte es im Landkreis. Einige verließen die Region auf eigene Faust. Auch das gehöre zum Alltag.

Sven Jeske

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