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300 Fans feiern City im „Treffpunkt“

Grimmen 300 Fans feiern City im „Treffpunkt“

Rocker-Oldies kommen recht frisch daher. Viele Besucher schwelgen in Erinnerungen.

Grimmen. Am Ende standen fast alle der 300 Fans, als City Freitagabend kurz nach 22 Uhr „Am Fenster“ anstimmte. Kaum zu glauben, dass dieser Kulthit, der sogar mit Goldenen Schallplatten in Griechenland und der damaligen BRD ausgezeichnet wurde, schon fast 40 Jahre alt ist. 1977 kam er auf einer Amiga-Single heraus und ist seit seitdem der Rausschmeißer auf jedem City-Konzert.

Aber es war nicht nur dieser Hit, dessen Text übrigens von der Leipziger Schriftstellerin Hildegard Maria Rauchfuss (1918 bis 2000) stammt, der die Grimmener von den Plätzen riss. Auch bei „Wand an Wand“ und „Casablanca“, beides Oldies von 1987, hielt es viele nicht mehr in den Stuhlreihen.

Dabei war das Konzert eher auf neuere Songs der Berliner Band ausgelegt. Vor allem jenen, die sie 2012 auf ihrem Jubiläumsalbum zum 40. City-Geburtstag „Für immer jung“ veröffentlicht haben.

„Danke Engel“ gab es gleich als Opener, gefolgt vom Album-Titelsong und dem Lied „Sind so kleine Hände“, dessen Text von der Berliner Liedermacherin Bettina Wegner stammt. Er sei noch spät Vater geworden, erzählte City-Sänger Toni Krahl dem Publikum und habe dieses Lied deshalb allen Kleinen gewidmet, für die wir heute die Verantwortung tragen, um sie zu standhaften Menschen zu erziehen.

Jene mit fehlendem Rückgrat gäbe es nämlich schon genug, schob er hinterher. Krahl streute zwischen den Liedern immer wieder solche Gedanken ein und würzte sie auch mit feinsinnigem Humor. Auch bevor er „Tamara“ ankündigte, jenen Titel, den City der großartigen Silly-Sängerin gewidmet hat, die 1996 ihrem Krebsleiden erlag, hatte er etwas zu sagen: „Es sind schon viele von uns gegangen. Zuletzt Joe Cocker und Udo Jürgens. Ich habe mich auch schon gar nicht mehr aus dem Haus getraut“, meinte der 65-Jährige.

Aber gerade weil er und seine Musikerkollegen, wie er die Band bezeichnete, nicht mehr die jüngsten sind, trotzen sie ihrem Alter mit frischen Songs. „Es ist immer noch Sommer“, ist einer davon, ebenso wie „Quicklebendig“, das im Original des US-amerikanischen Sängers Iggy Pop eigentlich „In the Deathcar“ (Im Leichenwagen) heißt.

Selbst Goethe ließ Toni Krahl in Grimmen nicht außen vor. „Doch die Zeiten sind vorüber, steif geworden alle Glieder - bis auf eins“, zitierte er den Dichterfürsten und erntete dafür natürlich viele Lacher im Publikum.

„Es war wirklich ein unglaublich schönes Konzert“, brachte es Andreas Korn auf den Punkt. Der Grimmener hatte bereits vor dem Auftritt auf der Kulturhausbühne ein Treffen der besonderen Art. „Ich habe in der OSTSEE-ZEITUNG ein Meet & Greet mit der Band gewonnen und freue mich natürlich riesig darauf“, beschrieb er seine Gefühle. Gemeinsam mit Ehefrau Kirsten Korn und den beiden anderen Gewinnern Karl-Heinz und Helga Kagels warteten die vier vor dem City-Auftritt gespannt hinter der Bühne.

Total entspannt war dann der erste Kontakt. Auf dem Ledersofa in der Umkleide wurde zuerst geklärt, wie oft die Rocker schon in Grimmen aufgetreten sind. „Wir haben uns jetzt auf vier Konzerte geeinigt“, erklärte Helga Kagels. „Noch ein weiteres dann kommen wir sicher ins Goldene Buch der Stadt“, scherzte City-Gitarrist Fritz Puppel. Mit persönlichen Autogrammen und einem Erinnerungsfoto war das 15-minütige Treffen dann auch schnell wieder Geschichte. „Eine perfekte Einstimmung aufs Konzert. Jetzt kann es losgehen“, fand Andreas Korn.

Eine Vorfreude, die auch im Saal des Stadtkulturhauses deutlich zu spüren war. „City ist eine jener Bands, die mich über Jahrzehnte musikalisch ‘verfolgt‘ haben“, beschrieb Thorsten Hacker und betonte: „City steht für richtig klasse handgemachte Musik.“ Während des Konzertes sah man in vielen Gesichtern der Besucher, dass sie in Gedanken schwelgten. „Es ist Musik aus meiner Jugend. Und wenn man diese tollen Titel hört, kommen viele Erinnerungen wieder hoch“, sagte Birgit Hofmann in der Pause. „Ich denke, viele der heute erschienen Menschen haben auf den letzten Song gewartet. Ich finde er hat seine Wirkung auch nach fast 40 Jahren nicht verloren“, so Bernd Worms. Gemeint war natürlich „Am Fenster“.

„Ein wirklich schönes Konzert. Durch die tolle Licht- und Soundtechnik sogar schon etwas mehr als eine Unplugged-Mugge“, fand Karl-Heinz Kagels.

 



Reinhard Amler und Raik Mielke

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