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Bilder von der menschlichen Sehnsucht nach Heimat

Putbus Bilder von der menschlichen Sehnsucht nach Heimat

Im Atelier Rotklee in Putbus wurde eine Ausstellung zum Thema „Heimaten“ eröffnet / Die Werke von 21 Künstlern sind noch bis zum 22. Mai zu sehen

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Frank Otto Sperlich vor seiner Arbeit „Lampedusa“ (Acryl auf Leinwand) in der Galerie Rotklee.

Quelle: Fotos: Christian Rödel

Putbus. Der Begriff Heimat ist ein schwieriger, weil er von Ideologien oft missbraucht wurde / wird oder auch volkstümelnd-kitschig als fragwürdige Folklore daherkommt. Eine mutige Annäherung an diesen sperrigen und zunehmend auch negativ konnotierten Begriff wagten am Karfreitag die drei Rüganer Künstler Günther Haussmann, Walter G. Goes und Frank Otto Sperlich mit der Ausstellung „Heimaten“ in ihrer Putbusser Produzenten-Galerie „Atelier Rotklee“. Mit eigenen Arbeiten und den Werken von 18 weiteren namhaften Künstlern wurde der Versuch angestellt, das facettenreiche Thema Heimat in den Fokus zu nehmen. Dieses schwierige Experiment mit offenem Ausgang dauert an und erfordert eine unablässige Auseinandersetzung, die nur so zu einem

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Im Atelier Rotklee in Putbus wurde eine Ausstellung zum Thema „Heimaten“ eröffnet / Die Werke von 21 Künstlern sind noch bis zum 22. Mai zu sehen

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wie auch immer gearteten temporären Erkenntnisgewinn führen kann. „Der Begriff Heimat kann auch als reaktionär und rückwärtsgewandt aufgefasst werden“, sagte der promovierte Biologe Reinhard Piechocki in seiner Eröffnungsrede und verwies darauf, dass dieser seit 1000 Jahren hoch emotional besetzt ist und aus Sehnsucht nach Verwurzelung bekannter Maßen auch von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde. „Heimat muss immer wieder neu gedacht werden beim Übergang von einer stationären in eine mobile Welt“, so Piechocki weiter. Die in der Ausstellung gemachten Angebote sind wahre Steilvorlagen mit enormem Reflexionspotenzial, zu dem unbedingt der geradezu seherische, handsignierte Farbholzschnitt „Asyl vor Knechtschaft“ des großen deutschen Grafikers HAP Grieshaber (1909 — 1981) gezählt werden muss. Zu dieser Kostbarkeit gesellen sich exzellente Arbeiten von in der DDR sozialisierten Künstlern wie dem Berliner Manfred Butzmann („Heimatkunde“, 1985), Hermann Lindner („Landschaft mit Mähdrescher“ 1983) oder Manfred Kastner („Melancholia“, 1980) — alle drei Künstler hatten große Schwierigkeiten mit dem sozialistisch geprägten Heimatbegriff, an dem sie sich zeitlebens gerieben haben. Aktuelle Arbeiten von den auf Rügen lebenden Künstlern EllenNa und StefanNo aus Nardevitz und dem Schweizer Hanns Studer aus Neuendorf komplettieren die Exposition. Der syrische Maler Mohammed Yahya Hamdoun, dessen Arbeiten zur Zeit in der Volkshochschule Bergen zu sehen sind, kam mit seiner 17-jährigen Tochter Mariam von seiner neuen Heimat in Zingst nach Putbus, um hier seine Gouachen (u.a. „Kinder mit Engeln“, 2016) vorzustellen. Zwei aus ihrer Heimat nach Deutschland geflüchtete Syrer waren ebenfalls zur Vernissage am Karfreitag eingeladen worden: Mohammed al Aham (21) aus dem fast völlig zerstörten Kobane und Abdu al Shourjeeh (21) aus Daura kamen intensiv mit den Künstlern ins Gespräch und verweilten bei ihrem Rundgang durch die Galerie vor den Bildern von Frank Otto Sperlich auffallend lange. Die beiden abstrakten Arbeiten „Lampedusa“ (2013) und „Ägäis — Das Tor zum Abendland“ (2016) erinnerten die beiden Syrer an in ihre lebensgefährliche Flucht nach Europa, die sie nach Rügen führte. „Für mich sind das Bilder über die zerfließende Hoffnungen der Flüchtlinge, die in Europa für sich das gelobte Land sehen“, meinte Frank Otto Sperlich zu seiner Intention über die von ihm geschaffenen Acryl-Bilder.

Ausstellung: Atelier Rotklee, Markt 10 in Putbus. Donnerstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

Von Christian Rödel

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