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Grimmen Hammer! Udo Lindenberg rockt Greifswalder Theater
Vorpommern Grimmen Hammer! Udo Lindenberg rockt Greifswalder Theater
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02:18 22.06.2015
Hauptdarstellerin Ilka Keßel tanzt mit Udo Lindenberg auf der Bühne des Greifswalder Theaters. Dahinter das Ensemble des Projektes „Hinterm Horizon“ aus zwei Greifswalder Schulen. Fotos (2): Peter Binder

Kommt er oder kommt er nicht, war immerzu orakelt worden. Doch dann stand er Sonnabend leibhaftig auf Greifswalds Theaterbühne: Rocklegende Udo Lindenberg. Mit Lederjacke, schwarzen engen Hosen, Sonnenbrille und breitkrempigem Hut. Ein Kreischen erfüllte den Saal, wie man es hier nur selten oder überhaupt noch nie erlebt hat. Manch einem liefen Tränen übers Gesicht. „Supergeil“, „krass“, „ich flipp aus“ - tönte es. „Ihr seid über Euch hinausgewachsen“, raunzte Udo dann mit seiner unverwechselbaren Stimme ins Mikro. Anschließend stimmte er seinen Song „Mein Ding“ an. Die Bühne bebte. Niemand blieb mehr ruhig. Selbst die stolze Oma, die eben noch ihren Enkel im FDJ-Hemd gesehen hatte, groovte mit.

Hauptdarstellerin Ilka Keßel stand noch lange nach der Vorstellung wie benommen da. „Er hat mich in den Arm genommen, mir einen Kuss auf die Wange gegeben, es ist alles nicht wahr“, sagte sie. Dann zeigte sie auf ihr T-Shirt. Darauf war eine von Udos unverwechselbaren kultigen Zeichnungen zu sehen. „Es ist der Wahnsinn“, suchte Anke Thurow, die Leiterin der Caspar-David-Friedrich-Schule auf der After-Show-Party regelrecht nach Worten. „Er nimmt sich hier viel Zeit. Er ist sehr sozial. Das zeichnet ihn aus“, rang sie fast um Superlative für Udo. Obwohl die Lehrerin vor der Premiere noch einem Herzinfarkt nahe gewesen war, wie sie zugab, zeigte sie sich nun überglücklich. „Alles ist in Erfüllung gegangen, was wir uns vor Schuljahresbeginn gewünscht hatten. Die Schüler sind zu einem Team zusammengewachsen. Sie gehen fairer und verantwortungsvoller miteinander um“, freute sie sich.

80 Mädchen und Jungen der Caspar-David-Friedrich-Schule und der Erwin-Fischer-Gesamtschule hatten seit Herbst 2014 Udo Lindenbergs Erfolgs-Musical „Hinterm Horizont“ als Projekt einstudiert. Als einzige Stadt in Deutschland war Greifswald der Zuschlag dazu von der Udo-Lindenberg-Stiftung gegeben worden. Der war wichtig, dass Jugendliche aus Brennpunktschulen gefördert werden und ihr Wissen um die deutsch-deutsche Geschichte erweitern. Denn bevor es an die künstlerische Umsetzung ging, hatten sich die jungen Leute zunächst die Hintergründe des Musicals erarbeitet. Das geschah in vielfältiger Form: in Gesprächen, mit Filmen und nicht zuletzt beim Besuch des Originals in Berlin, wo sie auch mit den Hauptdarstellern Josie Busch und Alex Melcher ins Gespräch kamen. Auch die beiden waren Sonnabend zur Premiere gekommen.

Nach der Theorie kam dann das Casting. Dabei wurden aber nicht nur die Leute ausgesucht, die am Ende auf der Bühne standen, sondern auch die Zuständigen für Bühnenbild, Maske und Licht. Selbst die Gestalter der Programme - alles lag in Schülerhand. Angeleitet wurden die Mädchen und Jungen während der gesamten Zeit von zwei Profis aus Berlin: Noah Fischer und Michael Eisenburger. Letzterer sagte: „Mit den Schülern ist extrem viel passiert, nicht nur von der künstlerischen Seite. Einige Darsteller sehen ihre berufliche Zukunft jetzt im Schauspiel oder im Kulissenbau.“ So auch Ilka Keßel, die Udos Ost-Liebe Jessie im Musical spielte. „Ich möchte gern Schauspielerin werden“, sagte sie. Der Udo im Stück war übrigens ein Mädchen. Die 15-jährige Hertha Frank spielte ihn aber supercool.

„Eigentlich wusste ich es ja schon vorher, dass Udo zur Premiere kommen würde“, gab Anke Thurow hinterher zu. „Es war so kompliziert, dicht zu halten“, bekannte die Lehrerin. Einige Zuschauer hatten dann aber bemerkt, wie sich ein Herr mit längeren Haaren, Bart und Basecape klammheimlich in Reihe fünf gesetzt hatte. Tatsächlich: Es war Udo, was selbst den bekennenden Fan Jens Krafczyk aus Greifswald in Ekstase versetzte. „Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagte er.

Das Schulprojekt
Das Projekt „Hinterm Horizont macht Schule“ war von der Universitäts-Medizin nach Greifswald geholt worden.


Eine Vorstellung ist noch am Mittwoch. Sie ist ebenfalls ausverkauft. 100 Euro sollen schon fürs Ticket geboten worden sein.


Als Abschluss erwartet die 80 Beteiligten jetzt eine Busfahrt nach Hannover, wohin Udo sie zur Generalprobe seines Stadionkonzertes eingeladen hat.



Annemarie Bierstedt, Reinhard Amler und Martina Ra

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