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„Kruso“ – Eine auf Grund gelaufene Idee von Freiheit

Greifswald „Kruso“ – Eine auf Grund gelaufene Idee von Freiheit

Das Theater widmet sich dem Erfolgsroman von Lutz Seiler, der auch zur Premiere kommt

Greifswald. Das Theater Vorpommern macht es sich nicht leicht. Zum Auftakt in die neuen Spielzeit hat es für seinen Standort Greifswald gleich zwei Premieren auf ein Wochenende gelegt. Am Sonnabend, den 1. Oktober, wird „Faust. Ein Fragment“ gezeigt. Einen Tag früher zur Eröffnung „Kruso“ nach dem gleichnamigen Roman von Lutz Seiler.

Wer das preisgekrönte Buch (siehe Infotext) kennt, ahnt möglicherweise, dass dieser vielschichtige Stoff alles andere als leicht und locker für eine Theaterbühne umzusetzen ist. Fast anderthalb Jahre arbeiteten Sascha Löschner und Hannes Hametner an Dramaturgie und Inszenierung. „Der Verlag hatte den Stoff freigegeben“, sagt Löschner erfreut über die Freiheit. Zuschauer könnten in verschiedenen Städten sehr unterschiedliche Versionen sehen. In Magdeburg sei „Kruso“ zum Beispiel opulent und revuehaft aufgeführt worden. „Für uns war das nicht der richtige Ansatz. Wir wollten uns in den Mitteln beschränken, aber im Spiel weiter aufmachen“, fügt Hametner an. Der Verlag habe die Greifswalder Fassung abgesegnet. Auch Buchautor Lutz Seiler wird zur Premiere in die Hansestadt kommen und will sich überraschen lassen, was aus seiner Vorlage geworden ist. Für die Recherche und die Entwicklung der eigene Fassung reisten Löschner und Hametner unter anderem zweimal nach Hiddensee. In der dortigen Gaststätte „Klausner“ platzierte Seiler die Handlung: Der ziemlich abgebrochener Student Ed heuert im Sommer 1989 als Saisonkraft an und trifft dort auf Kruso. Dieser habe seine Ankunft schon erträumt. Nachdem beide Vertrauen zueinander gefunden haben, beginnt der charismatische Kruso seine Utopie von einer freien Gesellschaft Ed zu vermitteln. „Der Keim der Freiheit gedeiht in der Unfreiheit“, ist eine von Krusos zentralen Aussagen. Denn während sich die DDR-Bürger nach und nach in den Westen aufmachen (und bei Fluchtversuchen in der Ostsee ertrinken), stellt er sich nicht die Frage „ Freiheit wovon?“, sondern „Freiheit wozu?“ Zum Konsumieren? Kühlschränke kaufen? Wohl kaum. „Seine Vorstellung ist urkommunistisch und urchristlich“, interpretiert Sascha Löschner.

Gemeinschaft in Arbeit, kein Besitz, keine Privilegien – auch nicht in Beziehungen, das seien die Wesensmerkmale. Der junge Ed wird zu Krusos begeistertem Anhänger, schreibt auf, was er ihm diktiert.

Ed konserviert diese Idee wie in einer Zeitkapsel. 25 Jahre später wird die Schatzkiste wieder geöffnet und die Frage steht im Raum: Was war noch mal Eds Versprechen an Kruso? „Es ist kein Ostalgie- oder Wenderoman“, sagt Ronny Winter, der den Ed spielt. „Es geht viel mehr um Themen wie Freiheit, Freundschaft und Beziehung.“ Die dem Ende entgegen gehende DDR sei dafür nur die Kulisse. Diese, genauer gesagt die gescheiterte Gründungsidee des sozialistischen Arbeiter-und-Bauern-Staates, hat Bühnenbildner Giovanni di Paulis als verrottetes Schiffswrack dargestellt. Doch auch Krusos Idee von Freiheit läuft auf Grund. „Wir wollten ein Bild, das alles ermöglicht“, erklärt di Paulis.

Kai Lachmann

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