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Lustige Witwe mit Wiener Blut

Kultur Lustige Witwe mit Wiener Blut

Grimmener erleben 15 Operetten im Stadtkulturhaus „Treffpunkt Europas“.

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Anna Friederike Wolf gehört zum elfköpfigen Gesangsensemble, das die Grimmener am Wochenende erleben durften. Hier stellt sie unter Beweis, was sie an der staatlichen Ballettschule gelernt hat. Fotos (3): Raik Mielke

Grimmen — Wenn die „Lustige Witwe” mit „Wiener Blut” und einer „Maske in Blau” im „Weißen Rössl” eincheckt, um das „Pariser Leben” zu genießen, dann strömen die Grimmener in den „Treffpunkt Europas”.

Und dies voller Vorfreude, denn im Stadtkulturhaus wartet, mit der „Nacht der Operette”, eine spektakuläre Bühnenshow durch die Welt der erfolgreichsten deutschsprachigen Operetten aller Zeiten. 300 Besucher haben es sich vor der Bühne bequem gemacht und sind bereit, den Zauber der Vorstellung zu genießen. Als sich der durchsichtige weiße Vorhang dann langsam aufzieht, eröffnet Meisterdirigent Piotr Oleksia den Abend mit dem 1937 in Berlin uraufgeführten Stück „Maske in Blau”.

Ebenso, wie in dem Stück der Künstler Armando Cellini mit der Porträtierung einer unbekannten Schönen seinen künstlerischen Durchbruch feiert, sind auch die Besucher sofort in das Stück gedanklich eingetaucht. „Ich liebe diese Art der Unterhaltung”, schwärmt Ursula Beeskow . Die 54-Jährige zeigt ihren Arm und gibt zu, bei den tollen Stimmen des Gesangsensembles eine Gänsehaut zu bekommen.

Elf Operettensänger aus Deutschland, Österreich, der Ukraine und den Niederlanden hüllen sich minütlich in andere Outfits. Gepaart mit einer atemberaubenden Lichtshow findet sich das Publikum rein optisch an 15 verschiedenen Orten wieder. Und vor allem „Im Weißen Rössl am Wolfgangsee” fragen sich die Gäste: „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?”.

„Diese Titel kennt man einfach und ich finde es richtig schön, dass die Leute mitsingen und klatschen. In diesem Moment ist der stimmungsvolle Funke von der Bühne auf uns übergesprungen”, sagt Dieter Wehnert (61) . Die Geschichte des Zahlkellners Leopold Brandmeyer ist eben für viele Menschen bis heute Kult. Dabei stammt das Stück aus den 1930er-Jahren. Ein junger Kellner verliebt sich in seine Chefin, gesteht ihr seine Liebe und wird entlassen. Doch glücklicherweise wird auch in Operetten auf ein Happy End gesetzt und so erobert der junge Leopold am Ende doch das Herz der Josepha Vogelhuber und singt gemeinsam mit dem ganzen Saal das Stück „Die ganze Welt ist himmelblau”. Der Applaus ist gerade verebbt, da animiert die „Csardasfürstin” die Besucher zum Mitsingen. „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht” heißt es in dem 1915 in Wien uraufgeführten Stück. Und besonders die Männer hört man bei diesem Titel im „Treffpunkt Europas” singen. „Zum einen ist das ein schöner Titel. Und, ehrlich gesagt, wäre es doch ohne die Weiber auch ziemlich öde auf dieser Welt”, bestätigt Günter Dähn (57) unbemerkt von seiner Christa

(54). Die Gäste sind begeistert — schwärmen schon zur Pause von der bunten Show. „So toll hätte ich mir das nicht vorstellt. Die einzelnen Operetten werden optisch so klasse dargestellt.

Ich freue mich richtig”, sagt Marlies Reinhard (51) .

Im Dreivierteltakt schunkelt sich die Operettennacht dann stimmungsvoll Richtung Finale. „Wenn ich an Operetten denke, würde ich diese Stücke immer zuerst nennen. Insbesondere die Musik von Johann Strauss ist unglaublich schön”, freut sich Jutta Ester (47) aus Stralsund auf „Die Fledermaus”, welche bereits 1874 am Wiener Theater uraufgeführt wurde. Titel wie „Einen Walzer spielt uns auf” oder später die Titelmelodie zu dem Stück „Wiener Blut” wecken bei den Gästen den Wunsch zu tanzen.

Es bleibt aber, angesichts des eingeschränkten Raumes durch die Konzertbestuhlung, beim Schunkeln und einem abschließenden minutenlangen Beifall. „Schön, dass solche aufwändigen Produktionen hier auf der Grimmener Bühne gezeigt werden”,ist nicht nur Erika Jahncke (62) begeistert.

Die Stücke im Überblick
Maske in Blau (1937/Berlin)
Im Weißen Rössl (1930/Berlin)
Das Land des Lächelns (1929/Berlin)
Paganini (1925/Wien)
Giuditta (1934/Wien)
Gräfin Mariza (1924/Wien)
Csárdásfürstin (1915/Wien)
Die lustige Witwe (1905/Wien)
Der Vogelhändler (1891/Wien)
Wiener Blut (1899/Wien)
Der Zigeunerbaron (1885/Wien)
Die Fledermaus (1874/Wien)
Hoffmanns Erzählungen (1881/Paris)
Pariser Leben (1866/Paris)
Orpheus in der Unterwelt (1858/Paris)

 



Raik Mielke

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