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Mudder Mölsch sorgte für Lachtränen

Zarrentin Mudder Mölsch sorgte für Lachtränen

Uraufführung: Petra Schwaan-Nandkes Ein-Personen-Stück feierte im Zarrentiner Landhotel Premiere

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Das Publikum hatte sichtlich Spaß an dem derb-komischen Stück. Mit 63 Gästen war die Premiere ausverkauft.

Zarrentin. Es ist hochdramatisch. Luise hat gerade die vergiftete Limonade getrunken und Ferdinand will wütend von ihr wissen, wem zum Teufel der Kerl ist, mit wem sie ihn hintergangen habe. Und dann, mitten in dieser Szene, in der die Zuhörer atemlos lauschen, erklärt Luise mit letzter Kraft: „Din Vadder schmiedet dat Kompott...“. Ein Supergau? Von wegen! Während jeder andere Schauspieler bei diesem Versprecher an dieser Stelle des Schillerschen Dramas „Kabale und Liebe“ vor Scham im Boden versunken und von den Zuschauern mit Hohngelächter bedacht worden wäre, brach Mudder Mölsch alias Petra Schwaan- Nandke selbst in Lachen aus.

OZ-Bild

Uraufführung: Petra Schwaan-Nandkes Ein-Personen-Stück feierte im Zarrentiner Landhotel Premiere

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Ein leckeres Menü, ein tolles Stück — das war ein wirklich zauberhafter Abend.“Ingrid Wilhelm

aus Bremerhagen

Sie brauchte mehrere Anläufe, bevor sie weiter machen konnte im Text. Was aber nicht weiter schlimm war, lachten doch die 63 Gäste im Landhotel Gut Zarrentin herzlich mit. Und als das pommersche Original noch schlagfertig hinzusetzte „ja, Kompott givt‘ ok glieks“ war es um die Zuhörer vollends geschehen. Spontaner Applaus brandete auf.

Es war ein Versprecher, der passte wie die Faust auf‘s Auge. Er fiel während der Uraufführung von Petra Schwaan-Nandkes „Mudder Mölsch Reis nah Berlin“, einem Stück aus der Feder der plattdeutschen Heimatdichterin Martha Müller-Grählert im Landhotel Gut Zarrentin. „Nein, so wie sie selber drüber lachen musste — der kann nicht geplant gewesen sein“, meint Olaf Mernitz und wischte sich die Lachtränen aus dem Auge. Seine Frau Karola nickt, während es sie noch immer vor Lachen schüttelt. Das Velgaster Ehepaar genießt den Abend, an dem es neben kulinarischen eben auch akustische und mimische Leckerbissen gibt.

Dabei hatte Petra SchwaanNandke im Vorfeld durchaus Bedenken, ob Mudder Mölsch im Rahmen eines Drei-Gänge-Menüs funktionieren würde, ob das Stück vernünftige Übergänge zu Suppe, Hauptgang und Dessert liefern kann. Sie hätte sich keine Sorgen machen müssen. „Mudder Mölsch“ passt. Dem Publikum jedenfalls scheint es egal zu sein, ob der von Petra Schwaan-Nandke leidenschaftliche vorgetragene Reisebericht in Gedichtform gescheite Überleitungen zu den einzelnen Menügängen hergibt.

Das mag auch an der unübersehbaren Spielfreude der aus Wilmshagen stammenden Plattschnackerin liegen. Mal laut, mal leise, mit großen Gesten und einer herrlichen Mimik gibt die 51-Jährige Mudder Mölsch, die nach Berlin reist und sich dort bei jeder sich bietenden Gelegenheit als einfältiges Landei outet, gleichwohl sie auf weltgewandte Dame macht. Da macht es auch nichts, dass einige Sprachwitze einen Bart haben, dass es schon eine Bartwickelmaschine nötig hätte, um diesen aufzurollen. Petra Schwaan-Nandke trägt den 96 Jahre alten Schinken mit soviel Liebe, Enthusiasmus und Spielfreude vor, dass man ihm jede Abgedroschenheit verzeiht. „Das war ein zauberhafter Abend“, schwärmte nach gut dreieinhalb Stunden Ingrid Wilhelm aus Bremerhagen. Sie lächelt noch immer, obwohl Mudder Mölsch alias Petra Schwaan-Nandke längst das letzte Schmankerl zu Besten gegeben hat. Es sei halt eben ein rundum gelungener Abend gewesen. Ein Abend , an dem man von Herzen lachen konnte. Und gut essen. Das Lob geht an Bernhard Lunkenheimer und sein Team, das die 63 Premierengäste mit wahrhaft kulinarischen Genüssen verwöhnte. Das angekündigte schlichte pommersche Dinner entpuppte sich als wahres Schlemmermenü. Den Chef freut‘s. „Es ist ein toller Abend. Ich freue mich sehr, dass Petra Schwaan-Nandke unser Hotel als Ort für ihre Uraufführung von Mudder Mölsch gewählt hat“, sagt er.

Ein zufriedener Gastgeber, begeisterte Gäste. Da kann man sich doch entspannt zurücklehnen, oder? Nicht so Petra SchwaanNandke. Noch während sie nach ihrer Mudder-Mölsch-Performance Glückwünsche und Dankesworte der Zuhörer entgegen nimmt, rattert es in ihrem Kopf. Sie lässt den Abend, vor allem ihre Auftritte, noch einmal Revue passieren. Denn besser geht immer. „Ich werd mich wohl heute noch einmal hinsetzen, alles durchgehen, gucken, wo ich etwas verändern kann, damit es besser passt.“ Sie kann nicht anders, sie ist eben eine Perfektionistin. Mit weniger als 100 Prozent gibt sie sich nicht zufrieden. Jede Betonung, jeder Punkt, jedes Komma, jede Pause — alles muss stimmen. Wann sie ihren nächsten Auftritt hat? Petra Schwaan-Nandke zuckt mit den Schultern. Aber sie werde an dem Stück arbeiten und irgendwann definitiv als Mudder Mölsch zurückkommen. Dat is man wiss.

Streitfall „Mine Heimat“

Martha Müller-Grählert , Dichterin des Gedichtes „Mine Heimat“ (Ostseewellenlied), wurde 1876 geboren und starb verarmt und einsam 1939.

Ein wandernder Geselle trug das Gedicht bis nach Zürich, wo es von Simon Krannig vertont wurde.

Friedrich Fischer-Friesenhausen veränderte den Text und publizierte das Lied als Nordseewellenlied.

Müller-Grählert gelang es lange nicht, ihre Urheberrechte geltend zu machen und Tantiemen zu bekommen.

Erst 1936 wurden ihr und Kranning die Urheberrechte zugestanden.

Von Claudia Noatnick

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