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„Ödipus“: Brutale Szenen und ergreifende Musik

Stralsund „Ödipus“: Brutale Szenen und ergreifende Musik

Behindertentheater bringt die tragische Figur der griechischen Mythologie auf die Bühne

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Die Darsteller des Eckigen-Theaters stellen die Ödipus-Geschichte in all ihrer Vielschichtigkeit und Härte dar. Fotos (3): Juliane Voigt

Stralsund. „Ödipus! Schwellfuß!“ Das ist das neue Bühnenstück der Theatergruppe „Die Eckigen“. Am Sonnabend hatte es auf der Stralsunder großen Bühne Premiere.

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Behindertentheater bringt die tragische Figur der griechischen Mythologie auf die Bühne

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Regisseur Franz Triebenecker hat diese tragische Figur der griechischen Mythologie mit dem Stralsunder Behindertentheater erarbeitet.Das Drama „König Ödipus“ von Sophokles, ein griechischer Dichter aus der Zeit vor Beginn der Zeitrechnung, ist für diese Bühne vereinfacht und sinnbildlich abstrahiert worden. Trotzdem ist diese Produktion für die Darsteller auf der Bühne eine enorme Herausforderung, denn im Gegensatz zu Loriots „Ödipussi“ ist das hier alles andere als ein Spaß.

Ödipus ist hier ein Opfer früher Traumatisierungen. Das Wenigste dabei ist seine gewaltsame Verstümmelung und spätere Ausgrenzung als Behinderter. Schlimmer ist das Sakrileg, mit dem das Leben des Kindes durch das Orakel von Delphi belegt wird. Er wird seinen Vater töten und Inzest mit seiner Mutter begehen. Das sagt das Orakel voraus. Dafür wird er prophylaktisch verstoßen. Dass trotz aller Vorsicht alles in der Katastrophe endet, ist ja bekannt.

Das ist, was Ödipus auch in unsere Zeit hineinruft. Und wer will das schon hören, diese selbsterfüllende Prophezeiung: „Das Unheil findet seinen Weg — Wer vor ihm flieht, wird von ihm erschlagen.“

Sagt Teiresias auf dieser Bühne, der blinde Seher. Die Traumata sind der brodelnde Grund, aus dem die Selbstverkennung des Ödipus und die Verstrickung in seine Schuld ihren fatalen Verlauf nehmen.

Denn Ödipus erhebt wie jeder Mensch Anspruch auf sein Glück und sein Leben. Das ist, was das Orakel eigentlich sagen will: Was wir nicht wissen oder wissen wollen aus unserer Vergangenheit, wird eines Tages zu einem alles einnehmenden Lebensthema.

Die 19 Darsteller des Eckigen-Theaters stellen die Geschichte in all ihrer Vielschichtigkeit und Härte dar. Ödipus, fast nackt und mit viel Theaterblut, der hilflose Säugling, ausgesetzt im Wald, ihm werden mit einem riesigen Felsblock die Füße zerschlagen. Das ist brutal. Viele szenische Momente werden ergänzt von teilweise ergreifend eingesetzter Musik (Frithjof Gawenda), in schwarzen und roten Gewändern (Requisiten: Sylvia Doeppner) sprechen, tanzen und spielen sie. Mit aller Konsequenz.

Kampf- und Liebesszenen sind symbolisch und bildgebend, eingeübt mit der Bewegungstherapeutin Judith Piesche. Jede Szene ist fest in ihren Abläufen. Wirkt aber nicht starr, eher wie ein Bildertheater, weil viele Szenen erstens mit Bildprojektionen (Christian Klette) hinterlegt sind und zweitens lange zur Musik gehalten werden.

Es ist sehr ruhig inszeniert, viele Details sind natürlich gestrichen aber dadurch erzählt sich die Geschichte wie ein großes Bilderbuch mit kleinen Textunterschriften, die von den Darstellern gesprochen werden, sehr deutlich und fast surreal. Ödipus sticht sich am Ende die Augen aus. Hier gleich am Anfang. Eine furchterregende erste Szene, auch hier ist Theaterblut großzügig eingesetzt worden. Offensichtlich fühlen die Spieler sich da oben auf der Bühne aber mit ganzem Einsatz wie Fische im Wasser. Jedes Theatermittel wird mit großer Begeisterung ausgespielt.

Das Stück ist Teil des Projektes „Traumawelten“, ein Jahresprogramm des Helios Hanseklinikums, und wurde in Zusammenarbeit mit dem Kreisdiakonischen Werk Stralsund und dem Theater verwirklicht. Seit Juli letzten Jahres finden in der Reize vielen Veranstaltungen, Vorträge und Filmbeiträge statt, die die Spur früher Verwundungen und spätere Schuld aufnehmen.

Bevor „Ödipus! Schwellfuß! in Stralsund gezeigt wurde, hatte es inGreifswald Premiere und wurde auch im Schweriner Theater mit großem Erfolg gezeigt. Eine weitere Einladung gbit es für „Die Eckigen“

auch schon ins Rostocker Theater.

„Ödipus. Schwellfuß!“: Die nächste Vorstellung in Stralsund findet morgen um 19.30 im Theater statt.

Von Juliane Voigt

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