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Propeller kommen in die stadtgeschichtliche Sammlung

Ribnitz-Damgarten Propeller kommen in die stadtgeschichtliche Sammlung

Der Ribnitzer Drechslermeister Christian Tredop übergibt Flugzeugteile an das Deutsche Bernsteinmuseum

Ribnitz-Damgarten. Wohl seit über 70 Jahren befinden sich die beiden hölzernen, zwei- und vierflügeligen Flugzeugpropeller in der Werkstatt von Christian Tredop. Jetzt sollen sie in die stadtgeschichtliche Sammlung des Deutschen Bernsteinmuseums umziehen. Darauf haben sich Axel Attula, wissenschaftlicher Leiter des Museums und Vorsitzender des Freundeskreises Kloster- und Stadtgeschichte, und der Ribnitzer Drechslermeister geeinigt.

 

OZ-Bild

Christian Tredop (l.), Jan Berg und Axel Attula (r.) mit dem zweiflügeligen Propeller.

Quelle: Edwin Sternkiker

Die beiden Propeller werden eine große Bereicherung für die stadtge- schichtliche Sammlung sein.“

Axel Attula, wissenschaftlicher Leiter des Bernsteinmuseums

Attula und Jan Berg, Vorstandsmitglied des Vereins, hatten vor kurzem gemeinsam diese Sachzeugen der Technikgeschichte in Augenschein genommen und waren begeistert. „Diese beiden gut erhaltenen Propeller werden eine große Bereicherung für die stadtgeschichtliche Sammlung sein, da sie exemplarisch für das Thema Flugzeugbau in Ribnitz stehen“, sind sich die beiden einig.

Wie die Propeller in die Werkstatt gekommen sind, darüber kann Christian Tredop, der in vierter Generation den Betrieb führt, nur spekulieren. „Wer es genau wissen könnte, wäre mein Großvater. Doch der starb, als ich noch ein Kind war war.“

Eine mögliche Erklärung: Zumindest der zweiflügelige Propeller könnte aus dem ehemaligen so genannten Kameradschaftsheim der Bachmann-Flugzeugwerke stammen. Das markante Gebäude am Ribnitzer See ließ

die Kunstmalerin Natalie von Modl (1841 bis 1923) um das Jahr 1900 als Malatelier errichten. Drei Jahre nach ihrem Tod kaufte es ein Mitglied des Ribnitzer Segelklubs und verpachtete das Haus an diesen. Der Segelklub konnte nach Beendigung von Instandsetzungsarbeiten das Haus im Mai 1927 beziehen.

Als dann Walther Bachmann Mitte der 1930er Jahre sein Flugzeugwerk in Ribnitz aufbaute, wurde das Haus durch den Rüstungsbetrieb als Clubhaus genutzt, mit eigenem Hafen und Segel- und Ruderbooten. Da Walther Bachmann selbst aktiver Flieger war, ist es denkbar, dass der Propeller auf seine Veranlassung dorthin kam. Nach dem Krieg wurde das Haus von den Seglern der Sportgemeinschaft Aufbau genutzt.

„Für sie hat mein Großvater ein Ruderrad gebaut. Möglicherweise hat er von den Seglern den Propeller in Zahlung genommen oder ihn von diesen geschenkt bekommen“, so Tredop.

Bei diesen Worten steht er am zweiflügeligen Propeller und gleitet mit der Hand über das Holz. Mahagoni. Der Ribnitzer Drechslermeister lobt die handwerklichen Leistungen derjenigen, die diesen Propeller gefertigt haben. „Diese großen Teile mussten millimetergenau ausgewuchtet werden, das erforderte großes Können.“

Aber wo wurde der Propeller gefertigt? Zahlenreihen und Buchstaben, die sich auf dem Propeller finden, geben Aufschluss. „240 PS ... SID Puma... D302 ... H118 5 und Heine 40604.“ Heine — dieser Name steht für das Propellerwerk in Berlin-Friedrichshain. Heine war der älteste deutsche Hersteller von Flugzeugpropellern.

Im Jahre 1930 lieferte er seinen 50000. Propeller aus. Da der Propeller im Besitz von Christian Tredop die Nummer 40604 trägt, heißt das: dieser Propeller wurde vor dieser Zeit gebaut. Und die Angaben „240 PS...SID Puma“ belegen: Es ist ein Propeller für einen 240 PS Armstrong Siddeley Puma Motor.

Der zweiflügelige Propeller soll in der ständigen stadtgeschichtlichen Ausstellung zu sehen sein, kündigte Axel Attula an. Und für den vierflügeligen Propeller werde man ebenfalls einen geeigneten Platz finden. An der Ausstellung werde bereits gearbeitet. „Wenn alles klappt, kann sie Ende des Jahres eröffnet werden.“

Gefertigt aus Mahagoni

Der vierflügelige Propeller besitzt einen Durchmesser von 4,30 Meter, der zweiflügelige misst von Propellerspitze zu Propellerspitze drei Meter. Beide wurden aus tropischem Mahagoniholz gefertigt und sind mit Messingkanten versehen.

Der zweiflügelige Propeller gehört zu einem 240 PS Armstrong Siddeley Puma Motor. Diese trieben einen Teil der von dem Flugzeughersteller Fokker in den 1920er-Jahren gebauten F.3, ein Transportflugzeug für fünf Passagiere, an. Zu welcher Maschine der vierflügelige Propeller aus dem Besitz von Christian Tredop gehört, muss noch geklärt werden.

Von Edwin Sternkiker

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