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Theaterführung für Blinde: Ich höre was, was du sonst siehst

Greifswald Theaterführung für Blinde: Ich höre was, was du sonst siehst

Erstmals führte das Theater eine Gruppe von Sehbehinderten durchs Haus

Greifswald. „Möpse“, ruft der blinde Ralf Sperling lachend und erheitert damit die ganze Gruppe. Mit schwarzer Sonnenbrille steht der 56-Jährige vor einem „Fat Suite“, einem Anzug, den Schauspielerinnen nutzen, um sich dicker zu machen. Zusammen mit 20 weiteren Mitgliedern vom Blinden- und Sehbehinderten Verband MV nimmt er an einer Führung für Sehbehinderte im Theater Vorpommern teil.

Frederike Steinbrückner war an der Planung dieser außergewöhnlich Führung beteiligt. „Wenn man überlegt, was auch für einen Blinden erfahrbar ist, entdeckt man viel neues im Haus“, erzählt die 19-Jährige, die zur Zeit ein Freiwilliges Soziales Jahr am Theater macht.

Zunächst ging es für die Gruppe in den Vorstellungsraum. „Bitte einmal klatschen“, rief Frederike Steinbrückner hier. Durch den Widerhall konnten sich die Blinden und Sehbehinderten eine Vorstellung von der Größe des Raumes machen, ebenso von den Ausmaßen der Bühne. Im Anschluss wurde die Gruppe hinter die Kulissen des Theaters geführt. „Wir haben versucht, so viel wie möglich praktisch begreifbar zu machen“, erklärt Frederike Steinbrückner: egal, ob in der Hutmacherei, der Maske oder bei den Kostümbildnern. Für Spannung sorgte eine Wolfsmaske. „Wir wollten unbedingt erraten, um welches Tier es sich handelt, auch wenn es gedauert hat“, erinnert sich Klaus Flader. Der sehbehinderte 75-Jährige machte die Führung zusammen mit seiner drei Jahre jüngeren Frau mit. Trotz seiner Behinderung ist Klaus Flader begeisterter Theatergänger. Er geht vor allem in Musicals oder Konzerte, hin und wieder sogar in’s Schauspiel. „Als Begleitung kann man auch mal etwas ins Ohr flüstern“, erklärt seine nicht blinde Frau Ursula Flader. Die verschiedenen Stoffe und Materialien, die bildlichen Erklärungen der Theatermitglieder und immer wieder besondere Gegenstände, wie die Wolfsmaske oder der „Fat Suit“ machten den Rundgang für die Gruppe zum Erlebnis. „ Wir fanden es wunderbar“, erzählt Norbert Witte. Der sehbehinderte 68-Jährige war zusammen mit seiner Frau Edith gekommen. „Ich denke, dass das heute eine gegenseitige Bereicherung war. Wichtig ist, dass man ohne Angst an so etwas heran geht“, sagt er. Als Blinder mache man einfach mehr über das Gehör und den Tastsinn. „Auf diese Weise nimmt man die Welt allerdings auch sehr intensiv war“, erklärt er. Auch der Initiator und Vorsitzender des Blindenverbandes, Bernd Uhlig, war begeistert:„Es war wirklich toll. Ich hätte nicht gedacht, dass sich so detalliert auf uns vorbereitet wird.“ Und auf seine Anfrage hin habe das Theater sofort reagiert. „Das hat mich überrascht und sehr gefreut“, sagt er. Dass es so schnell ging, ist auch das Verdienst von Hans Heuer. Der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit hat es sich zum Ziel gemacht, Theater für jeden erlebbar zu machen. „Ich bin sehr froh, dass das heute geklappt hat.

Wir hatten schon länger Sehbehindertenvereine angeschrieben“, sagt er und hofft, dass sich nun weitere Vereine melden. „Wir bieten auch an, Sehbehinderte vor einer Aufführung in den Saal zu lassen und ihnen detailliert das Bühnenbild zu beschreiben.“ Besonders überrascht zeigte sich der 59-Jährige über das Tempo der Führung: „Wir hatten damit gerechnet, dass das alles etwa doppelt solange dauert wie bei einer regulären Führung. Die Damen und Herren haben aber ein gutes Tempo vorgelegt, dass wir fast in Regulärzeit fertig wurden.“

Max Hübner

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