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Zu DDR-Zeiten wurde vieles zerstört

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Bereits 1607 wurde der Prachtbau von Erasmus Küssow errichtet

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Als Burghard Rübcke von Veltheim das Jagdschloss nach der Wende übernahm, war es in einem sehr schlechten Zustand.

Quitzin Zu einem optischen Highlight hat sich in den vergangenen Jahren wieder das Jagdschloss Quitzin entwickelt. In unserer Serie „Gutshäuser — Prunk, Zerfall und Wiederaufbau“ blicken wir heute auf die über 400-jährige Geschichte des 1607 errichteten Gebäudes.

OZ-Bild

Bereits 1607 wurde der Prachtbau von Erasmus Küssow errichtet

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Quellen und Literatur

Marder, Wolfgang: Güter und Dörfer im Kreis Grimmen, 2008.

Karge, Wolf: Schlösser und

Herrenhäuser in Vorpommern, 2013.

Burghard Rübcke von Veltheim, Eigentümer des Jagdschlosses Quitzin

• Internet: http://www.jagdschloss-quitzin.de/geschichte/index.html Internet: http://www.gutshaeuser.de/guts_herrenhaeuser/gutshaeuser_q/herrenhaus_jagdschloss_quitzin

Bereits im 13. Jahrhundert gab es an jener Stelle, an der sich auch jetzt noch das Jagdschloss befindet eine uralte Siedlungsstelle. Auf dem Gewölbe dieser alten Burganlage, die zu jener Zeit von einem Wassergraben umgeben war, ließ Erasmus Küssow eben im Jahre 1607 ein Renaissancehaus errichten, welches später im 18. Jahrhundert zum barocken Jagdschloss erweitert wurde. Das Schlossgebäude war zuerst ein rechteckiger Zentralbau. Wobei die beiden eingeschossigen Gebäudeflügel, wie bereits angesprochen, erst Jahrzehnte später angebaut wurden.

Das Gutsdorf mit den dazugehörigen Ländereien und der Siedlung Rolofshagen befanden sich also bis 1824 in Besitz der Familie von Küssow. Das Geschlecht der Grafen Küssow ist eng mit der Geschichte Pommerns verbunden. Die Familie erzog und beriet die pommerschen Herzöge und beteiligte sich aktiv am diplomatischen Dienst unter den Schweden und dem Kaiser am politischen Geschehen Europas. Quitzin beherbergte deshalb immer wieder auch den schwedischen König Karl XII, wenn er Vorpommern einen Besuch abstattete, auf der Durchreise war oder hier auf die Jagd ging.

Im Jahre 1824 starb Ludwig Julius Erasmus ohne einen männlichen Erben zu haben. Die angesprochenen Ländereien, Dörfer und Schlösser, welche zu dem umfangreichen Besitz des Grafen von Küssow zählten, wurden unter den Verwandten aufgeteilt. So erhielt beispielsweise Henriette Wilhelmine Gräfin von Küssow, welche die jüngste Tochter des Grafen war, die Güter Düvier, Zarnekla und Wolthof. Sie heiratete am 3. Dezember des Jahres 1823 in Rolofshagen Ludwig Ehrenfried Reimer. Zu jener Zeit war dieser der Besitzer des Gutes Trissow. Wiederum der älteste Sohn der neun Kinder der Familie Reimer erbte von seiner Tante, Clara Gräfin von Küssow, die Güter Quitzin und Rolofshagen. Nach seinem Tod übernahm dessen Sohn Waldemar Reimer die beiden Güter. Er wiederum heiratete im Juni 1873 Ella Lenz.

Zu jener Zeit wurden auf dem Rittergut Quitzin rund 670 Hektar Land bewirtschaftet. Besonders intensiv wurde damals die Schafzucht betrieben. So standen auf den Wiesen immer über 600 Schafe. Das dazugehörige Gut Rolofshagen wurde mit 320 Hektar bemessen. Die immer schlechter werdende wirtschaftliche Lage hatte dann im Jahre 1907 zur Folge, dass Waldemar Reimer dazu gezwungen war die Güter Quitzin und Rolofshagen zu verkaufen.

Von ihm erwarb dann auch der preußische Kammerherr Werner von Veltheim die beiden Güter. Damals hatten die von Veltheims ihren Familiensitz in Schönfließ nahe Berlin. Nach dem Kauf durch Werner von Veltheim zog Waldemar Reimer mit seiner Familie nach Kassel, wo er 1914 auch verstarb.

Als Besitzer der Güter Quitzin und Rolofshagen folgten auf den preußischen Kammerherrn Werner von Veltheim dessen Söhne Franz und ab 1921 Burghard von Veltheim.

Unter Letztgenanntem hatten sich die beiden Güter bereits zu einem sogenannten Fideikommissbesitz (siehe Infokasten) gewandelt. In Quitzin waren in den 1920er-Jahren Georg Krystek und Rudolf Neumann als Verwalter tätig. Edwald Hampe war wiederum Administrator in Rolofshagen. Auf dem Gut Quitzin entwickelte sich eine intensive Schweine- und Herdbuchviehzucht Es gab bereits einen Stocks Motorpflug und eine Trockenanlage für Getreide. Dies alles führte dazu, dass das Saatgut aus Quitzin zu jener Zeit über die Grenzen Pommerns bekannt und begehrt war.

Burghard von Veltheim zählte dann während des Zweiten Weltkrieges zu den aktiven Teilnehmern des deutschen Widerstandes. Er wurde mehrfach verhaftet und stand unter ständiger Beobachtung durch die Gestapo. Die Ausweisung durch die SS in den letzten Kriegstagen führte dazu, dass er seinen Besitz in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nicht weiter bewirtschaften konnte und somit seines ganzen Vermögens beraubt blieb.

Das Jagdschloss Quitzin diente in den ersten Nachkriegsjahren als Flüchtlingslager. Es folgte die Nutzung des Gebäudes als Verkaufsstelle. Zudem wurde der heutige Jagdsaal für Feierlichkeiten des Dorfes und die kleine Bibliothek als Bar genutzt.

Im Jahre 1972 belegte die Zivilverteidigung der DDR die Hälfte des Hauses und nutzte jenen Raum als Lager. Die Zivilverteidigung ließ zu diesem Zweck das alte Mansarddach abtragen und durch ein Wellasbest-Walmdach mit Brettbindern ersetzen. Die Fenster wurden entweder zugemauert oder mit starken Eisengittern aus Schutz vor Diebstahl gesichert. Stuckarbeiten an der Außenfassade wurden aus ideologischen Gründen entfernt.

Eine der negativsten Entscheidungen damals war aber wohl die Abholzung der 150 Jahre alten Baumallee. Kurz vor der Wende pflanzte die Forstverwaltung den Park als „Wald“ mit Fichten, Erlen und Lärchen zu. Zudem sei ein alter Eiskeller — ehemals frühdeutscher Turmhügel — von einem Nachbarn einplaniert worden.

In der Wendezeit bot der damalige Bürgermeister die Ruine der Tochter des letzten Besitzers zum Kauf an. Mit entsprechenden Sanierungsauflagen erwarb es schließlich der Enkel Burghard Rübcke von Veltheim. Mit seiner Frau Friederike, geborene Freiin von Blomberg, und den Kindern Amelie-Alexandra, Friedrich, Julius und Benedikt bewirtschaftet er heute wieder einen großen Teil des alten Betriebes, den er zurückpachten konnte.

Nach vierzehnjähriger harter aber liebevoller Aufbauarbeit der Familie Rübcke von Veltheim ist das Jagdschloss nun wieder ein Kleinod Vorpommerns. Hier entstanden nicht nur der Lebensmittelpunkt der sechsköpfigen Familie, sondern auch geräumige, stilvolle Appartements und gemütliche Ferienwohnungen. Der Hausherr ist heute als Bürgermeister, Pfarrer a.D. und Landwirt in der Gemeinde tätig.

Das Jagdschloss hat seinen alten Glanz zurück. Heute finden dort Traumhochzeiten statt. Die wieder errichtete Kastanienallee führt Gäste und Besucher zum Eingangsbereich des Jagdschlosses.

Was ist ein Fideikommiss?

Das Fideikommiss war ein Sondervermögen einer Familie, das ungeteilt in der Hand eines Familienmitgliedes blieb. Der Inhaber erhielt nur den Ertrag des Vermögens zur freien Verfügung. Vollstreckungen in das Vermögen wegen Schulden des Inhabers waren ausgeschlossen. Dadurch blieben die vermögensrechtliche Grundlage für eine Familie und ihre soziale Stellung gesichert.

Das Fideikommiss beruhte auf rechtsgeschäftlicher Stiftung — zum Beispiel durch testamentarische Bestimmung; die Erbordnung legte der Stifter fest. Das Fideikommiss war rein privat-rechtlicher Natur.

• Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Familienfideikommiss

Von Raik Mielke

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