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Grimmen „Zwischen Tiefsee und Hochgebirge“
Vorpommern Grimmen „Zwischen Tiefsee und Hochgebirge“
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00:00 20.08.2014
Titelseite des Buchs von Professor Johann Mrazek. Quelle: Buch
Stahlbrode

Die Wende hat auch an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald zu einschneidenden Veränderungen in der Mitarbeiterschaft geführt. „Wie stets in gesellschaftlichen Umbruchsituationen, und hier hatte die Konterrevolution gesiegt, erfolgte mit Beginn des Wintersemesters 1992 ein zuvorderst generell drastischer Personalabbau auf allen Institutsebenen, augenfällig auch ein umfänglicher Elitenaustausch“, meint der emeritierte Greifswalder Geologieprofessor Johann Mrazek. Nachzulesen ist das im rund 370 Seiten starken Buch des Stahlbroders „Zwischen Tiefsee und Hochgebirge. Lebenssplitter“. Es ist im Verlag am Park erschienen.

„Der Personalbestand bei uns im festen Arbeitsverhältnis — angefangen bei der Reinigungskraft bis zum Direktor von etwa 70 Personen — wurde auf circa 50 Prozent zurückgeschnitten. Geradezu ignorant wurde insbesondere der sogenannten akademische Mittelbau amputiert.“ Von neun Professoren, so Mrazek, wurden sechs entlassen, zwei neue kamen hinzu. Einer war Mrazek, zuvor Hochschuldozent für Meeresgeologie. „Ein früherer Parteisekretär der SED“, was der Professor mit auch heute sehr deutlicher linker Einstellung anmerkt. Seine Schilderungen der Zeit nach 1990 werden viele der damaligen Uni-Mitarbeiter als treffend empfinden, beispielsweise wenn es um die Ehrenkommission, hier auch „Gesinnungs-TüV“ genannt, oder die Überprüfung durch die „Behörde des pastoralen Großinquisitors Gauck“ geht. Das ist aber nur eine Facette eines bewegten Forscher- und Hochschullehrerlebens.

Der Professor lebt seit vielen Jahren in Stahlbrode. Unter der Überschrift „Das große Deutschland im kleinen Dorf“ hat Mrazek auch diesem Ort ein eigenes Kapitel gewidmet. „Man musste nicht erst nach Berlin oder anderswohin fahren, um den neuen Westwind, nach dem bald viele ihren Mantel hängen würden oder bereits hatten, zu spüren“, schreibt er. „Unser kleines Fischerdorf am Sund oder die Nachbargemeinde Reinberg taten es auch.“ Der erste Ministerpräsident von MV, Alfred Gomolka (CDU), bekommt ebenso sein Fett weg wie Kirchenvertreter als Türöffner für „die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, die Massenarbeits- und Obdachlosigkeit.“ Den von der Gemeindevertretung gewählten ersten Nachwende-Bürgermeister aus Hamburg nimmt er aufs Korn, spricht von dessen Unfähigkeit und moralischen Verfehlungen.

Es ist schwer, in Mrazeks Buch etwas Positives über das wiedervereinte Deutschland zu finden. Dafür positive Erinnerungen über die Zeit ab Mitte der 1980er, über die Aufnahme in die Dorfgemeinschaft.

Damals zogen Mrazeks in ein Stahlbroder Fischerhaus. Johann Mrazek „Zwischen Tiefsee und Hochgebirge. Lebenssplitter“ ISBN 978-3-945187-07-4, Verlag am Park Berlin, 19,99 Euro.



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